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Deutsche Fußball-Nationalelf : Córdoba, Gijón, Recife?

  • -Aktualisiert am

Das waren Zeiten: Klinsmann und Löw, Seite an Seite, bei der WM vor acht Jahren Bild: dpa

Beim abschließenden WM-Vorrundenspiel gegen Klinsmanns Amerikaner reicht dem DFB-Team ein Remis. So ist zumindest ein zweites Córdoba noch etwas unwahrscheinlicher als ein zweites Gijón. Ein Kommentar.

          Gijón: Das böse Wort des deutschen Fußballs ist wieder da. Die spanische Hafenstadt, die vor 32 Jahren bei der Weltmeisterschaft zur Chiffre für einen deutsch-österreichischen Nichtangriffspakt wurde, der in Wahrheit einen infamen Angriff auf den Fußball darstellte, dürfte am Donnerstag (18.00 Uhr / Live im WM-Ticker bei FAZ.NET) in der brasilianischen Hafenstadt Recife wieder in aller Munde sein: wenn Deutschland und die Vereinigten Staaten mit einem friedlichen Unentschieden ihre Ziele erreichen können. Daran werden auch alle Beteuerungen von Jürgen Klinsmann und Joachim Löw, an diesem Tag des entscheidenden Gruppenspiels von ihrer Freundschaft nichts wissen zu wollen und kein ach so praktisches Freundschaftsspiel abzuliefern, nichts ändern.

          Es sei aus gegebenem Anlass noch einmal daran erinnert, dass die „Schande von Gijón“ sehr wohl einen Sieger kannte: Deutschland. Denn erst nach der frühen 1:0-Führung machte Jupp Derwalls Auswahl damals mit den Österreichern gemeinsame Sache, also rein gar nichts mehr, was das deutsch-österreichische Fortkommen im letzten Gruppenspiel gefährden konnte.

          Kunststück und Kraftakt

          Ein Unentschieden ist aber nun in Recife ein viel zu nahe liegendes Ergebnis, als dass die Trainer der amerikanischen und der deutschen Nationalmannschaft die Bedenken ignorieren könnten – oder gar vollständig zerstreuen. Ein Punkt für jeden, das erfüllte diesmal tabellarisch alle Wünsche: Deutschland ginge als Gruppensieger in die K.-o.-Runde, die Vereinigten Staaten hätten dann tatsächlich das große Kunststück geschafft, das ihnen in der fünften Minute der Nachspielzeit gegen Portugal nach einem großartigen Kraftakt noch verwehrt geblieben ist – den Achtelfinaleinzug als großer Außenseiter.

          Klinsmann kündigte unmittelbar nach dem mitreißenden Duell mit Portugal zwar an, gegen seine alte Heimat wieder nur ein und dasselbe Ziel zu kennen: auf Sieg spielen und den Job erledigen. Und sein früherer Assistent hat eigentlich auch ganz andere Wünsche nach dem wilden Duell mit Ghana, als sich wieder nur mit einem Unentschieden zufriedenzugeben.

          Seiner Mannschaft, bei der die Angst vor dem Verlieren auf dem Platz immer wieder spürbar wird, dürfte ein Sieg im letzten Gruppenspiel vor den Entscheidungsrunden als moralische Stärkung besonders gut tun. Oder umgekehrt gesagt: Selbstzweifel sind genau das, was Löw im letzten Gruppenspiel von seinem Team fernhalten möchte. Denn wenn sich Ängste in den deutschen Fußballköpfen festsetzen, ist es um die spielerische Spitzenklasse dieses sensiblen Teams schnell geschehen.

          DFB-Team im Vorteil

          Aber ob beide Mannschaften tatsächlich noch das große Risiko suchen, wenn es, sagen wir mal, nach packendem Spiel in der 75. Minute unentschieden steht? Auch wenn Gijón II in der Schlussphase droht: Einen Vorteil hat das deutsche Team diesmal – selbst mit einer knappen Niederlage dürfte sich Löws Team dank der weit besseren Tordifferenz für das Achtelfinale qualifizieren. So ist zumindest ein zweites Córdoba, das für das Ausscheiden der Deutschen bei der WM 1978 nach einem 2:3 gegen Österreich steht, ausgerechnet gegen den ehemaligen Bundestrainer Klinsmann noch etwas unwahrscheinlicher als ein zweites Gijón.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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