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DFB-Trainingslager : Keine WM-Garantie für Schweinsteiger

„Das weiß ich nicht“: Bastian Schweinsteiger hat derzeit nicht viel zu sagen Bild: REUTERS

Die Genesung des Bayern-Trios Neuer, Lahm und Schweinsteiger im DFB-Trainingslager geht nur langsam voran. Das erschwert die WM-Vorbereitung. Der komplizierteste Fall ist der schweigsame Schweinsteiger.

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          Manuel Neuers Arm lag zumindest nicht in einer Schlinge. Das Accessoire, das für so viel Wirbel gesorgt hatte, war auf dem Zimmer geblieben, als der Torhüter am Sonntag den Garten des Teamhotels betrat. Für ein Zeichen der baldigen Genesung durfte man das allerdings nicht halten. Neuer berichtete im Rahmen des Medientages der Nationalmannschaft davon, dass für ihn weiter die „Ruhe-Regel“ von Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt gelte.

          Und bedeutet zugleich, dass Neuer mit der rechten Hand nichts über Schulterhöhe erledigen soll. „Mit links rasieren und Zähne putzen, ist schon ein Erlebnis“, scherzte er. Nach einem Torwart in WM-Form klingt das nicht. Neuer gab sich dennoch zuversichtlich, dass er im deutschen Tor stehen kann. „Ich bin mir sicher, dass ich auf jeden Fall spielen werde“, sagte er. Und mit einem Seitenblick auf die gleichfalls lädierten Kollegen Lahm und Schweinsteiger: „Wir haben ja noch genug Zeit.“

          „Die Leute, die angeschlagen sind, sind alles Spieler, die Biss haben“: Manuel Neuer
          „Die Leute, die angeschlagen sind, sind alles Spieler, die Biss haben“: Manuel Neuer : Bild: dpa

          Um das Thema Zeit drehte sich vieles, als das Münchner Trio erstmals nach der Ankunft in Südtirol Bulletins in eigener Sache abgab. Einerseits in dem Sinne, wie Neuer es andeutete: Dass noch eine Weile vergeht, ehe die deutsche Mannschaft nach Brasilien aufbricht. Am 7. Juni geht das Flugzeug von Frankfurt nach Salvador de Bahia, und bis zum ersten Spiel gegen Portugal am 16. Juni sind es nach der Ankunft dann ja noch einmal acht Tage.

          Allem Anschein nach aber gibt es bislang keinerlei belastbare Einschätzung, wann die drei Verletzten wieder ins Mannschaftstraining einsteigen können. Beim 7:1-Testspielsieg über die deutsche U-20-Auswahl über 80 Minuten am Sonntagabend fehlten sie jedenfalls. Und beim Blick auf den Kalender stellt sich die Frage noch einmal verschärft: nämlich, ob das Trio in Südtirol überhaupt noch einmal mit Ball und Kollegen üben wird. „Einen konkreten Zeitplan gibt es nicht“, sagte zum Beispiel Philipp Lahm.

          „Einen konkreten Zeitplan gibt es nicht“: Philipp Lahm
          „Einen konkreten Zeitplan gibt es nicht“: Philipp Lahm : Bild: AFP

          „Ich muss sehen, wie das Sprunggelenk auf Belastung reagiert. Im Moment kann ich noch nicht mal laufen.“ Von Tag zu Tag soll entschieden werden, wie es weitergehe. Auch im Falle Lahms nicht allzu schnell offenbar. „Es braucht einfach Zeit. Die muss man haben, die Geduld muss man haben“, sagte der Kapitän. Zur Lage des Teams sprach er Worte, die nach Beruhigung klingen sollten. „Ich mache mir keine Sorgen“, sagte er. „Noch ist ja ein bisschen Zeit.“

          Bleibt der Dritte im Bunde, und das ist womöglich der komplizierteste Fall. Bastian Schweinsteiger erweckte den Eindruck, als wollte er am liebsten überhaupt nicht über das Thema reden. Das, was er zu seinen Problemen an der Patellasehne sagte, klang einerseits nach Fortschritt. Es sei alles schon „besser“ und er „im Plan“. Wie dieser aber genau aussieht, konnte er nicht verraten. Er sprach dagegen davon, zwischendurch immer „mal kurz auf die Bremse drücken“ zu müssen. Auch bei Schweinsteiger klang das Ziel deshalb eher fern als nah: „Dass man gegen Portugal topfit ist.“ Zur Frage, ob er sicher sei, in Südtirol noch einmal trainieren zu können, sagte er nur: „Das weiß ich nicht.“

          Die Reihen lichten sich: Bundestrainer Joachim Löw und seine WM-Fahrer
          Die Reihen lichten sich: Bundestrainer Joachim Löw und seine WM-Fahrer : Bild: dpa

          Sollte das nicht gelingen, stellt sich die Frage, ob der Münchner überhaupt die Zeit bis zum ersten Spiel in Brasilien bekommt. Sami Khediras Einsatz im Champions-League-Finale am Samstag wurde zwar vom Team erfreut zur Kenntnis genommen, seine Leistung aber machte deutlich, dass er noch längst nicht wieder der Alte ist. Bundestrainer Joachim Löw wird sich genau überlegen müssen, ob er sich neben Khedira, den er unbedingt dabei haben will, einen zweiten unsicheren Kantonisten leisten kann. Die sportliche Leitung hätte von Schweinsteiger deshalb offenbar gern einen Leistungsnachweis noch in Südtirol.

          „Natürlich wäre es wichtig, dass Basti hier im Mannschaftstraining dabei ist und ein Spiel macht, damit wir uns ein Bild machen können“, sagte Assistenztrainer Hans-Dieter Flick der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und formulierte zugleich, was das im anderen Fall bedeuten würde. „Wenn er immer noch Probleme hat, muss man das genau analysieren und sich fragen: Wollen wir dieses Risiko eingehen oder nicht?“ Sonst wäre das auch „denjenigen schwer zu vermitteln, die hier alle Trainingseinheiten mitmachen. Letztlich muss dann eine Entscheidung getroffen werden.“ Mit anderen Worten: Eine Garantie, am 2. Juni auf der Liste mit dem endgültigen Kader zu stehen, hat Schweinsteiger nicht.

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