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DFB-Elf vergibt 2:0-Führung : Nächste deutsche Enttäuschung in Nations League

Nicht nur Joshua Kimmich war enttäuscht: Eigentlich sah vieles nach einem deutschen Sieg in London aus. Bild: Reuters

Drei Treffer der englischen Mannschaft in nur wenigen Minuten zerstören die Hoffnungen der DFB-Auswahl auf ein Erfolgserlebnis vor der Fußball-WM. Daraus lassen sich drei Erkenntnisse ableiten.

          4 Min.

          Lange Zeit war das Wembley-Stadion ein Ort der gedämpften Stimmung am Montagabend. Der Fußballklassiker zwischen England und Deutschland wollte nicht recht auf Touren kommen. Und als er es dann tat, fielen die Tore für den Gast aus Germany. 2:0 führte die deutschen Fußball-Nationalmannschaft schon durch die Treffer von Ilkay Gündogan (53. Foulelfmeter) und Kai Havertz (67.).

          Nations League
          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Doch was dann passierte, dürfte Hansi Flick uns sein Team noch eine Weile beschäftigen – die englischen Fans jedenfalls fühlten sich nun wie im Fußballwunderland, als Luke Shaw (72.), Mason Mount (75.) und Harry Kane per Foulelfmeter (83.) aus dem 0:2 ein 3:2 machten. Gewiss, abgestiegen aus der A-Division der Nations League waren die Engländer vorher schon – aber warum dann nicht das Beste daraus machen und dem alten Rivalen nach Kräften die Laune verderben? Doch mitten in die Partystimmung traf Havertz noch ein zweites Mal (87.), und so gab es für die ganz großen Gefühle hüben wie drüben keinen Anlass mehr; in Wembley wurde es wieder ruhiger.

          „Es war ein guter Test. Ich nehme viele positive, aber auch ein paar negative Dinge mit“, sagte Flick anschließend und ergänzte: „Die erste Halbzeit war ausgeglichen. In der zweiten Halbzeit haben wir es 20 Minuten ganz gut gemacht und verdient 2:0 geführt. Dann haben wir individuelle Fehler gemacht und schnell drei Tore gefangen. Das darf nicht passieren.“

          Nur ein deutscher Sieg aus sechs Spielen

          Was aus diesem erst zähen, dann vogelwilden Spiel nun zu machen ist, kann Flick sich nun in Ruhe überlegen. Drei Erkenntnisse bieten sich auf Anhieb an. Erstens: Seine Mannschaft tut sich schwer, aus dem Spiel heraus zu Torchancen zu kommen. Zweitens: Tendenziell besitzt Jamal Musiala den Schlüssel für solche Gelegenheiten. Drittens: Mit Blick auf die letzten zwanzig Minuten und das Chaos in der Abwehr ist der deutschen Mannschaft auch ein jäher Kontrollverlust zuzutrauen.

          Die Nations-League-Runde ging jedenfalls mit nur einem Sieg aus sechs Spielen zu Ende, und auch wenn das 3:3 eine klare Steigerung gegenüber dem 0:1 vom Freitag gegen Ungarn war: Alles in allem hatten der Bundestrainer und sein Team sich die vergangenen Monate doch ein bisschen anders vorgestellt. Es geht mit viel Ungewissheit und vielen offenen Fragen in die unmittelbare WM-Vorbereitung, in der nur noch ein Test gegen Oman ansteht. Wie ein ernsthafter Anwärter auf den Titel aber, so viel ließ sich an diesem Londoner Abend sagen, sahen die Deutschen beim besten Willen nicht aus.

          Nachdem die Wimpel getauscht waren und der Ball rollte, tauschten erstmal Kane und Nico Schlotterbeck Herzlichkeiten aus. Der englische Kapitän machte den Anfang, als er sich bei einem Luftduell ins Zeug legte, der Dortmunder konterte mit einer entschlossenen Grätsche. Keine zwei Minuten waren da gespielt, aber nach dieser forschen Ouvertüre ging es erst einmal eine Weile gedämpft zu.

          Es wurde manches probiert, am Ende aber das meiste neutralisiert, auf englischer Seite wurde das Raunen lauter, wenn ein Rückpass Kalamitäten bei Torwart Pope verursachte. Bei den Deutschen war schon das Bemühen zu sehen, ein bisschen vertikaler zu denken als am Freitag, einen herausgespielten Weg zum Tor fanden sie damit aber erstmal nicht, genauer gesagt: noch nicht einmal in den Strafraum. Viel Kontrolle, wenig Effekt, so ließ sich die torlose erste Hälfte zusammenfassen.

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