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DFB-Team hofft auf kurze Wege : Was die Auslosung für die deutsche Reiseplanung bedeutet

Demnächst in Moskau? Die Weltmeister am 13. Juli 2014 in Rio. Bild: dpa

Die erfolgreiche Titelverteidigung als Ziel versteht sich für den Weltmeister, Confed-Cup-Sieger und Weltranglistenersten von selbst. Vor der WM-Auslosung ist die Stimmung gelassen – nur England und Spanien „muss man nicht haben“.

          Ein bisschen golden schimmerte es in dieser Woche schon beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Die Ausrichtung des „1. Internationalen Spielanalysekongresses“ nahm der Verband zum Anlass, auch das Logo für die neue Akademie zu präsentieren. Und weil diese unbedingt einem Exzellenzgedanken verpflichtet sein soll, wie Oliver Bierhoff als Projektleiter am Donnerstag noch einmal erklärte, darf es auch in der Außendarstellung ein wenig funkeln – ein „Gütesiegel“ mit globaler Ausstrahlung für Fußball-Knowhow aus Germany. Für die Akademie war der zweitägige Kongress mit 230 Teilnehmern und 29 Referenten ein „großer Aufschlag“, wie Bierhoff sagte, auch Bundestrainer Joachim Löw machte dem Fachpublikum seine Aufwartung und erfreute sich am „Blick über den Tellerrand hinaus“.

          Der weitaus größere Aufschlag aus Sicht der breiten Öffentlichkeit findet jedoch an diesem Freitag in Moskau statt: mit der Auslosung der Weltmeisterschafts-Vorrundengruppen, die um 16 Uhr deutscher Zeit im Kongresspalast des Kremls beginnt. Richtung Russland brachen Löw und Bierhoff in seiner Eigenschaft als Teammanager am Donnerstagnachmittag von Frankfurt aus auf – mit einer gewissen routinierten Vorfreude, könnte man sagen. Sein Puls, sagte Löw, gehe nicht mehr hoch vor so einem Ereignis.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          „Aber natürlich gehe ich da mit Spannung hin.“ Wobei „gespannt“ wahrscheinlich sogar das treffendere Adjektiv wäre. Denn für Löw geht es vor allem darum, dass das im nächsten Sommer stattfindende, bislang noch etwas abstrakt anmutende Turnier „ein Gesicht bekommt“. So dass er, wenn er wieder heimkomme, mit der Arbeit so richtig loslegen könne: mit der Analyse der Vorrundengegner, aber auch mit den logistischen Planungen für die Russland-Reise, die möglichst erst am 15. Juli im Luschniki-Stadion von Moskau enden soll. DFB-Präsident Reinhard Grindel hat gerade noch einmal die erfolgreiche Titelverteidigung als Ziel ausgegeben – aber das verstand sich für den Weltmeister, Confed-Cup-Sieger und Weltranglistenersten sowieso von selbst.

          Die Frage der möglichen Gegner behandelt der Bundestrainer, wie bei vergangenen Turnieren auch, aus einer Position der Stärke. „Egal, wie es kommt, nervös werden wir deswegen nicht“, sagte er. Der wohl brisanteste Fall träte ein, wenn den Deutschen, die als einer der acht Gruppenköpfe gesetzt sind, jene Kugel aus dem zweiten Topf mit der Aufschrift „Spanien“ zugelost würde. Ein Wunschlos könnte man das sicherlich nicht nennen, Thomas Müller sagte am Donnerstag: „Spanien oder England muss man nicht in der Gruppe haben.“ Aber Löw hat bislang auch nicht den Eindruck vermittelt, als würde ihn eine frühe Begegnung mit dem Vorgänger und langjährigen Vorbild um den Schlaf bringen.

          Ansonsten gibt es zwar einige Teams, bei denen der momentane Stand der deutschen Expertise eher als Basiswissen zu bezeichnen sei – bei Peru oder Panama sei noch mehr zu tun als etwa bei Polen, alliterierte Löw –, aber auch darin kann ja ein besonderer Reiz liegen. Mats Hummels etwa wünschte sich explizit Gegner, gegen die er noch nicht gespielt habe, und nannte Kolumbien. Ein anderer seiner Wünsche, Gastgeber Russland, wird indes nicht in Erfüllung gehen, wie Hummels erfahren musste. Die Russen sind selbst als Kopf der Gruppe A gesetzt.

          Was die Quartierfrage betrifft, ließen sich Löw und Bierhoff vor dem Abflug nicht in die Karten schauen. Zwei Optionen liegen auf dem Tisch, beide mit Vor- und Nachteilen. Da wäre zum einen Sotschi, das den Deutschen während des vergangenen Sommers beim Confed Cup ans Herz gewachsen ist. Nicht zuletzt der Bundestrainer schätzt das Ambiente von Strand und Sonne am Schwarzen Meer, zugleich aber ist Sotschi eben auch „die Stadt der langen Wege“, wie Bierhoff sagt. Kühle Logistiker würden sich daher gewiss für den zweiten Standort entscheiden, ein Quartier im Umland Moskaus mit seinen zwei Schauplätzen, dem Luschniki und der Arena von Spartak.

          In der Hauptstadt würden inklusive eines möglichen Finales mindestens zwei, maximal vier Spiele ausgetragen. Zudem gebe es „eklatante Unterschiede“ bei den Reisezeiten, die, wie Bierhoff ausführte, vom Startpunkt Sotschi im schlechtesten Fall sogar das Doppelte betragen könnten. Gleichwohl weiß auch der Teammanager, der sein sechstes Turnier plant, um die Bedeutung der richtigen Atmosphäre.

          Am Ende gehe es „immer in Richtung Belastung“, und die Gestaltungsmöglichkeiten seien wegen der Vorschriften und Verpflichtungen ohnehin begrenzt. Die Entscheidung werden Löw und die Sportliche Leitung wohl nach einer finalen Abwägung in der nächsten Woche treffen, keinesfalls aber „noch in der Nacht“, wie der Bundestrainer sagte. Bis zum 15. Dezember sind die Quartiere bei der Fifa optioniert.

          Natürlich kam am Donnerstag auch die Favoriten-Frage auf. Anlass war die Aussage des chilenischen Nationaltrainers der Argentinier, Jorge Sampaoli, der den Deutschen ebendieses Prädikat gerade abgesprochen hat. Der Bundestrainer reagierte süffisant bis achselzuckend – und mit einem Satz, wie er auch einem Philosophieseminar der Akademie zu Glanz verhelfen könnte. „Am Ende“, sagte Löw, „muss das Turnier beginnen.“

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