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Konkurrenz im DFB-Team : Gerangel am Lagerfeuer

  • -Aktualisiert am

Der Wettlauf um die Plätze: Das Nationalteam beim Training in Düsseldorf Bild: dpa

Der Konkurrenzkampf in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist so groß wie nie. Aber wieso überhaupt „Kampf“? Man kann es doch auch viel positiver sehen – so wie Thomas Müller.

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          Ein bisschen unangenehm war das für den Deutschen Fußball-Bund zuletzt ja schon – diese unübersehbaren Lücken auf den Zuschauerrängen bei den Spielen der Nationalmannschaft. Schließlich passte das nicht so recht zu der Bedeutung, die der Mannschaft gerne gegeben wird als „letztes Lagerfeuer der Nation“. Diesmal scheint es aber wieder so weit zu sein, dass sich ein Land vor dem Fernseher versammeln wird, nimmt man die Kartennachfrage für die Partien an diesem Freitag in Düsseldorf gegen Spanien und am Dienstag in Berlin gegen Brasilien als Beleg für das Interesse. Beide Begegnungen sind ausverkauft, was allerdings nicht nur an der deutschen Mannschaft und der bevorstehenden Weltmeisterschaft liegt.

          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          „Es macht immer Spaß, gegen die Besten zu spielen“, sagt Thomas Müller, und verständlicherweise macht es wohl auch mehr Spaß, Spiele gegen ehemalige Weltmeister anzusehen, als die quälende Monotonie der Qualifikationsspiele über sich ergehen zu lassen. Den Spielern geht es offenbar nicht anders, denn obwohl für einige nun auch eine, wie Müller es salopp formuliert, „wichtige Vereinsperiode folgt“, ist jeder gekommen, der gerufen wurde. „Wir sind vollzählig“, sagt Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff – zumindest was die Akteure betrifft, die Bundestrainer Joachim Löw zu den beiden Testspielen eingeladen hat. Der gerade erst wieder von einer Verletzung auf den Platz zurückgekehrte Marco Reus wird schließlich noch geschont, andere wie Mario Götze dürfen weiter nach ihrer Form suchen – und Manuel Neuer an der vollständigen Gesundung arbeiten.

          Müllers Nutzen für die Nationalmannschaft

          Zum Marketing-Termin am Dienstag hatte sich der Bayern-Torwart mal wieder zum Nationalteam gesellt – alles andere hätte allerdings die Diskussion, ob er es rechtzeitig bis zum Nominierungstermin wieder bis zu voller Belastbarkeit schafft, auch unnötig angeheizt. „Ich glaube schon, dass er das packt“, sagt sein Vereinskollege Müller.

          Alle anderen sind da, der Konkurrenzkampf ist so groß wie lange nicht mehr oder vielleicht noch nie, und deshalb richtet sich der Fokus vor den Klubspielen auf Champions-League-Ebene nun erst einmal eine Stufe tiefer auf Testspiele der Nationalmannschaft. Bestens dafür gewappnet dürfte sich Müller fühlen, der das Gerangel um die Startplätze auch im Alltag im Verein erlebt, mal mit besserem und mal mit schlechterem Ausgang für ihn. Momentan hat er allen Grund für seine in der Regel immer vorhandene gute Laune – seit Jupp Heynckes zu den Münchnern zurückgekehrt ist, gibt es keine Diskussion mehr über einen Stammplatz für den Ur-Bayern.

          Dass dies auch durchaus von Nutzen für die Nationalmannschaft sein kann, weiß Bierhoff zu schätzen. „Wir sind Heynckes aber nicht nur dafür dankbar. Er entwickelt Spieler einfach weiter und gibt ihnen ein Umfeld für eine gute Vorbereitung, und das alles in einer großen Drucksituation.“ Das Wort Konkurrenzkampf ist jedoch, vielleicht durch seine letzte Silbe, oft negativ besetzt, so als könne es im Grunde nur lähmend oder zumindest belastet wirken. Würde man es in der Endung durch Wettbewerb ersetzen, käme vielleicht das heraus, was einen wie Müller immer wieder nach all den Jahren noch antreibt. „Die besten Spieler wollen immer gewinnen, bei allem, was sie machen, die hassen es auch, im Training zu verlieren. Und deshalb sind sie am Ende auch die Auslese.“

          Der Konkurrenzdruck sei deshalb kein großes Problem, eher eine Hilfe, um die eigene Leistung hoch zu halten und Wettkampfhärte zu entwickeln. Und im Grunde kennt Müller, der im März 2010 sein Debüt in der Nationalmannschaft gegeben hat, diese ganze Geschichte auch gar nicht anders. „Wir hatten doch immer schon 20, 25 Topspieler in den vergangenen Jahren. Das ist doch super für den Trainer.“ Und manchmal natürlich auch eine Herausforderung für den Trainerstab, mit den vielen Möglichkeiten, die dieser Kader bietet, richtig zu jonglieren.

          Die Fülle an überdurchschnittlichen Mittelfeldspielern ist groß im deutschen Team, die Offensivkraft und die Gestaltungsfähigkeiten der Mannschaft müssten immens sein – da stört es ein wenig, dass in der Bundesliga zuletzt allein die Arbeit gegen den Ball und das darauf folgende schnelle Umschalten im Vordergrund stand, was auch Löw zuletzt kritisierte. Aber auch das Nationalteam hatte nach dem WM-Titel seine liebe Müh, dem eigenen Spiel eine neue Note hinzuzufügen – nun, da es in großen Schritten Richtung Weltmeisterschaft geht, ist Bierhoff sicher, dass alle den Werbe-Slogan verinnerlicht haben, der plakativ den Mannschaftsbus ziert: „Best never rest“ – die Besten ruhen sich nie aus.

          Hoffen auf ein gutes Spiel

          Aber für diese Besten sind es trotz allem eben immer noch nur Testspiele – wichtige zwar gegen hochattraktive Gegner, aber noch ist die WM nur im Hinterkopf und nicht völlig dominierend im Vordergrund. „Wir wollen gewinnen, aber eine Niederlage würde uns jetzt auch nicht emotional völlig aus der Bahn werfen“, sagt Müller in der Hoffnung, dass dies niemand in den „falschen Hals bekommt“.

          Unumstritten bei Bundestrainer Joachim Löw (l.): Thomas Müller
          Unumstritten bei Bundestrainer Joachim Löw (l.): Thomas Müller : Bild: dpa

          Wohl kaum, vermutlich wäre der geneigte Fußballfreund völlig zufrieden, wenn die Vorhersage des Bayern-Stürmers einträfe: „Wenn man sich unseren Kader anschaut und die extrem hohe Qualität der Spanier nimmt, dann kann man sehr guter Hoffnung sein, dass es ein sehr, sehr interessantes Spiel wird.“ Würde doch schon reichen – die WM beginnt ja erst im Juni. Erst dann muss die Experimentierphase abgeschlossen sein.

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