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WM-Test in Österreich : Warnschuss für deutsche Elf bei Neuer-Comeback

Manuel Neuer war nicht immer zufrieden mit den Kollegen. Bild: EPA

Ein schweres Unwetter sorgt fast für die Absage des WM-Testspiels in Österreich. Als doch noch gespielt wird, zeigt sich: Es gibt noch viel zu tun für die deutsche Mannschaft. Eine gute Nachricht gibt es trotz des blamablen Ergebnisses aber.

          Fast zweieinhalb Stunden Vorspiel vor den eigentlichen 90 Minuten – das waren ausgesprochen ungewöhnliche und auch widrige Umstände, unter denen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihren WM-Testlauf im Klagenfurter Wörthersee-Stadion zu absolvieren hatte. Ein schweres Unwetter mit Starkregen, Hagel, Blitz und Donner hatte den Anpfiff am Samstagabend immer wieder herausgezögert, und zwischenzeitlich sah es sogar aus, als würde überhaupt nicht gespielt werden können.

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          Als dann doch noch zur Einstimmung der Radetzkymarsch erklang, waren nicht nur die Österreicher in ihrem Element – sondern endlich auch wieder Manuel Neuer. Für den deutschen Torwart und Kapitän war es das erste richtige Spiel seit fast achteinhalb Monaten, das jedoch höchst unerfreulich ausging – mit einem am Ende blamablen 1:2 gegen den Nachbarn, gegen den die Deutschen zuletzt vor 32 Jahren verloren hatten. Die Souvenirverkäufer, die vor dem Spiel T-Shirts in Erinnerung an die deutsche „Schmach von Cordoba“ vor 40 Jahren, bei der WM in Argentinien, angeboten hatten, dürften eventuelle Restbestände gegen Höchstgebote an den Mann gebracht haben. „Die Niederlage ärgert mich schon“, sagte Bundestrainer Joachim Löw nach dem Spiel zum ZDF. „Heute war vieles schlecht.“

          Für Löw und sein Team sollte es ein Warnschuss gewesen sein – so wie in der zweiten Hälfte, in der Martin Hinteregger (53. Minute) und Alessandro Schöpf (69.) die deutsche Führung durch Mesut Özil noch wendeten, sollte sich der Weltmeister nicht einmal in einem Testspiel präsentieren. In dessen Folge Löw hoffentlich zumindest ohne inneren Zweifel seine Entscheidung über die Besetzung der Position der Nummer eins im deutschen Tor in Russland treffen kann – an diesem Sonntag könnte der Bundestrainer, falls nötig, noch einmal in sich gehen, am Montag dann muss aus dem vorläufigen ein finaler Kader werden. Alles andere als eine Nominierung Neuers wäre nach den Trainingseindrücken der vergangenen Tage eine Überraschung.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Gegen die Österreicher, in seinem 75. Länderspiel, war Neuer vor der Pause nur einmal ernsthaft geprüft, bei einem Schuss von Florian Grillitsch, den er in bewährter Manier meisterte. In der zweiten Hälfte wurde es dann im und um seinen Strafraum hektischer, als es den Deutschen lieb sein konnte. Für Neuer indes gab es bei beiden Gegentoren nichts zu halten. Womöglich wird über die Abstimmung mit seinen Vorderleuten noch das eine oder andere Wort zu reden sein. Nennenswerte Mängel auf seiner Position gab es bei diesem ansonsten höchst fehlerhaften Test aber nicht. Als „absolut zufriedenstellend“ empfand Löw Neuers Leistung.

          Löw, Teammanager Oliver Bierhoff und die Spieler mussten in Klagenfurt allerdings zur Kenntnis nehmen, dass ein Stimmungstest für sie nicht wie gewünscht ausfiel: Özil und Ilkay Gündogan wurden zu Beginn bei ihren Ballkontakten mit Pfiffen von einem Teil der deutschen Fans bedacht. Diese hörten zwar Mitte der ersten Hälfte auf, dafür klangen sie noch einmal umso schriller, als die beiden ausgewechselt wurden, Gündogan nach einer knappen Stunde, Özil in der 76. Minute.

          Es wird spannend, wie sich das am Freitag im letzten Test gegen Saudi-Arabien vor heimischem Publikum darstellt, in Leverkusen. Ohne weiteres abzuschütteln, das war schon vorher zu erwarten, lässt sich der Eklat um die Fotos der Nationalspieler Özil und Gündogan mit dem türkischen Staatschef Erdogan jedenfalls nicht.

          Özil erzielte am Samstag nach elf Minuten die Führung, nachdem er einen unzureichenden Klärungsversuch des österreichischen Torwarts Siebenhandl aufgeschnappt hatte. Aber auch mit der frühen Führung im Rücken kam Löws Team nur schwer in Tritt, was gewiss auch mit den Widrigkeiten des Tages und den Belastungen der bisherigen Trainingstage in Eppan zu tun hatte. In Klagenfurt fehlten Jerome Boateng, der noch Aufbauarbeit nach seiner Muskelverletzung absolviert, Mats Hummels und Thomas Müller, denen Löw eine schöpferische Pause gewährte, und Toni Kroos, der nach dem gewonnenen Champions-League-Finale mit Real Madrid nun in Eppan zum Team stößt.

          Die Innenverteidigung bildeten Niklas Süle und Antonio Rüdiger, die zunächst durchaus Ruhe ausstrahlten, dann aber bei manchem flotten österreichischen Angriff mit den Teamkollegen in Bedrängnis gerieten – und nach der Pause regelrecht ins Schwimmen. Auf den Flügeln durften Julian Brandt und Leroy Sané vorspielen, beide deuteten ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten an, es zeigte sich jedoch auch, dass sie noch etwas ungeschliffen daherkommen. Gut zu gebrauchen wären sie beide in Russland, aber vielleicht nicht auf einmal. In der Spitze kam wie erwartet Nils Petersen zu seinem Debüt; er konnte sich allerdings so gut wie gar nicht in Szene setzen.

          Ein heftiges Unwetter verzögerte den Anpfiff um mehr als 100 Minuten. Bilderstrecke

          So stand schon nach den ersten 45 Minuten ein eher dürres 1:0. Nur eine weitere exzellente Chance besaßen die Deutschen noch, nach einer Kombination von Kimmich über Petersen zu Brandt, doch dessen Versuch machte Siebenhandl zunichte (20.). Auch für Neuer hielten sich die Herausforderungen da noch in Grenzen. Zum ersten Mal zupacken musste er nach 14 Minuten bei einem Schuss von Schöpf – zuvor hatte er den Ball ebenfalls nicht wie gewünscht an den Mann gebracht. Ansonsten war zu erkennen, wie oft seine Kollegen ihn ins Spiel einbezogen, aus der Übung wirkte er dabei nicht. Und als es dann wirklich auf ihn und seine Klasse ankam, war Neuer da. Es war die 32. Minute, in der Grillitsch aus kurzer Distanz schoss, Neuer aber wie eh und je abtauchte und den Ball um den Pfosten lenkte.

          Nach der Pause begann Löw mit den üblichen Wechselspielen, den Anfang machte Sebastian Rudy, der für Khedira kam. Das deutsche Spiel verlor zusehends an Struktur, die Österreicher hingegen wurden immer forscher. Hinteregger traf nach einem Eckball mit einer wuchtigen Direktabnahme aus kurzer Distanz, Schöpf nach Ablage von Stefan Lainer.

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