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DFB-Team gegen Schweden : Ein Endspiel für die Weltmeister

Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

Nun soll mit einem Sieg alles wieder so werden, wie es einmal war. „Ich bin hundert Prozent optimistisch, dass wir die Mentalität von elf Kriegern wieder reinbekommen. Dann haben wir auch wieder die Qualität“, so Khedira. Und Hummels sagt: „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir das Ding drehen.“ Ein paar Dinge haben sich allerdings geändert seit der Wende, die der Weltmeister vor vier Jahren hinlegte. Das fängt mit dem Status der Spieler an.

Er nimmt sich heute eindrucksvoll aus. Aber der Weltmeistertitel der einzelnen Spieler wirkt sich nicht unbedingt vorteilhaft aus. Die Führungsspieler von 2014, wie Schweinsteiger, Mertesacker, Klose und eben Lahm hatten im Gegensatz zu ihren Nachfolgern 2018 bis dahin immer wieder Enttäuschungen im Nationaltrikot zu verkraften gehabt, vor allem das 1:2 im EM-Halbfinale gegen Italien zwei Jahre zuvor. „Die Mannschaft hatte Erfahrung mit Enttäuschungen, sie hat diese Enttäuschungen gemeinsam bewältigt. Das hat uns im Finale gestärkt“, sagt Lahm heute. Und es war die letzte Chance für die Generation 2006, ihren Weg mit einem Titel zu krönen, dem sie mit all ihrem Talent stets vergeblich hinterhergelaufen war. „Ich habe erst am Ende die großen internationalen Titel gewonnen“, sagt Lahm dazu, „und ich bin froh, dass ich davor so kämpfen und hart arbeiten musste.“

Diejenigen, die nun gegen das Ausscheiden in der Vorrunde ankämpfen müssen und im Team das Sagen haben, sind allesamt hochdekoriert. Weltmeister. Champions-League-Sieger. Vielfache Meister in Deutschland, Italien, Spanien. Ihr Ruhm und Reichtum hängt nicht mehr davon ab, wie sie die WM verlassen. Ihren Platz in den Geschichtsbüchern haben sie sicher. Der WM-Titel ist nicht mehr der absolute Sehnsuchtsort, der er vor vier Jahren noch war. Mats Hummels hat dies vor dem Halbfinale des FC Bayern gegen Madrid in einem Interview mit „Focus“ auf den Punkt gebracht. Es sei ihm wichtiger, die Champions League zu gewinnen als die WM, sagte er. Weltmeister sei er schließlich schon.

Dass die Weltmeister nun die Wende gegen Schweden und bei dieser WM noch einmal erzwingen wollen, steht außer Frage. Natürlich wollen sie. „Ich habe bei den älteren Spielern gemerkt, dass jeder bereit ist wie um sein Leben zu kämpfen“, sagte Timo Werner am Donnerstag über die Weltmeister von 2014. Die Frage ist: Können sie es? In dieser Frage bündeln sich einige Ungewissheiten: Wer soll diesmal vorangehen? Wer kann die Mannschaft führen? Wer kann sie aufrichten? Wer kann sie retten?

So, wie es Neuer mit einem phantastischen Auftritt gegen Algerien tat, als er das Torwartspiel neu erfand. So wie Mertesacker das Team mit seiner Eistonnen-Rede nach dem erkämpften und erzitterten Sieg über Algerien zusammenschweißte. So wie es Schweinsteiger im Finale tat, als er blutend am Boden lag, aber sich weigerte, den Kampf für sein Team und für sich selbst zu beenden. Früher hätte man in solch einer Situation gefragt: Wer ist der Leitwolf? Seit der Ära Löw fragt man anders: Wer sind die Führungsspieler in einem Team mit flacher Hierarchie, vielleicht auch nur mit vermeintlich flacher Hierarchie? Die Antwort fällt nicht leicht. Es ist fast, als täte sich ein Vakuum auf. Torwart Neuer ist noch immer sportliche Extraklasse.

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