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Reaktionen zum deutschen WM-Aus : „Geschockt, unfassbar, absolute Katastrophe“

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Womöglich sein letztes Spiel im DFB-Dress: Thomas Müller nach dem 4:2 gegen Costa Rica Bild: AFP

Thomas Müller deutet seinen Abschied vom DFB an. Der Bundestrainer ist nach dem WM-Aus mit der Nationalmannschaft bedient. Und DFB-Direktor Oliver Bierhoff äußert sich zur personellen Zukunft.

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          Hansi Flick (Bundestrainer): „Sprachlos bin ich nicht. Ich kann das Spiel ganz gut deuten. Nach der ersten Halbzeit war ich richtig sauer. Wie wir den Gegner stark gemacht haben. Wir haben Chancen gehabt ohne Ende, um drei oder vier Tore zu machen. Durch Leichtfertigkeiten haben wir den Gegner stark gemacht. Das Aus hat sich heute nicht entschieden, es waren 20 Minuten gegen Japan. Auch gegen Spanien hätten wir zum Schluss das 2:1 machen können. Wir hatten keine Effizienz in diesem Turnier. Natürlich ist die Enttäuschung riesengroß, das müssen wir erstmal verarbeiten. Jetzt geht es darum, im Trainerteam die Sachen aufzuarbeiten und dann wieder nach vorne zu schauen. Es war ja keine lange WM für uns. Von daher haben wir noch Körner im Köcher. Wir werden die Analyse sehr zügig machen. Unsere Leistung war nicht ausreichend.“

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          Oliver Bierhoff (DFB-Direktor): „Die Enttäuschung ist natürlich riesig. Wenn man die drei Spiele gesehen hat und das resümiert, hatten wir es selbst in der Hand, in dieser Gruppe zu bestehen. Diese 20 Minuten gegen Japan haben uns viel gekostet. Wir sind geschockt, unfassbar, weil wir natürlich schon an die Chance geglaubt haben. Es geht nicht um Fingerzeigen, wer hat hier Schuld. Es zieht sich seit zwei, drei Jahren hin, dass wir Spiele im Griff haben, sie wieder hergeben, den Faden verlieren. Das war am Ende auch in der Gruppe sehen.“

          „Die Frage nach meiner Zukunft stelle ich mir momentan nicht. Natürlich weiß ich, dass diese Fragen kommen werden. Vielleicht schaut man sich meine ganze Bilanz aus 18 Jahren an, da mache ich mir nicht die großen Sorgen, da habe ich ein sehr gutes Gefühl für mich. Beurteilen müssen das natürlich andere. Natürlich habe nach drei schlechten Turnieren keine guten Argumente, die ich dagegen halten kann. Das muss ich akzeptieren.“

          „Hansi Flick ist ein Top-Trainer. Wenn man sich die Spiele anschaut, haben sie wirklich viele gute Dinge gemacht. Am Ende war es eine enge Kiste. Die Konstellation war am Ende unglücklich, es war ein bisschen zu wenig. Aber Hansi steht für mich außer Zweifel.“

          Kai Havertz: „Mit dem Ergebnis, was Spanien gemacht hat, haben wir nicht gerechnet. Aber wir müssen uns an unsere eigene Nase packen. Mit so einer Qualität darf es uns nicht passieren, gegen Japan zu verlieren. Das Spiel gegen Japan hat alles kaputt gemacht. Ich glaube, nach dem 1:0 hatten wir das Gefühl, da geht sogar mehr. Aber wir haben es nicht geschafft. Dass es so unglücklich läuft, hat natürlich keiner erwartet. Wir haben es uns selbst zuzuschreiben, indem wir gegen Japan zwei Gegentore in 15 Minuten bekommen, die nicht gehen. Zweitklassig ist der deutsche Fußball nicht. Dass die Jungs nach dem WM-Titel 2014 als Turniermannschaft gefeiert wurden, war ja klar. Jetzt fliegen wir zweimal in der Gruppenphase raus, da ist es klar, dass wir keine Turniermannschaft sind. Wir hatten eine super Mannschaft, ein super Team hinter dem Team. Wir haben alles gegeben. Leider hat es nicht gereicht.“

          Thomas Müller: „Wir haben sehr viel Aufwand betrieben, die Positionen nicht mehr perfekt gehalten. Wir haben die Disziplin ein bisschen verloren. Wir sind aber die ganze Zeit in der Drangphase gewesen. Der Aufwand, den die Mannschaft betrieben hat, dieses Spiel zu gewinnen, war schon enorm. Es ist für uns unglaublich bitter, dass es Japan gelungen ist, die Spanier zu besiegen. Es ist ein bissel ein Ohnmachtsgefühl. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Das ganze Unglück ist mit dem Ergebnis gegen Japan passiert. Wir können das Spiel von Spanien nicht beeinflussen. Die Enttäuschung ist enorm. Wir hatten nach dem Spiel gegen Spanien ein enorm gutes Gefühl. Es ist eine absolute Katastrophe. Ich weiß auch nicht, wie es weitergeht.“

          „Falls das mein letztes Spiel für Deutschland gewesen sein sollte, dann möchte ich ein paar Worte an alle deutschen Fußball-Fans, die mich in allen Jahren begleitet haben, richten. Es war ein enormer Genuss. Liebe Leute, vielen Dank. Wir haben unglaubliche Momente miteinander gehabt. Ich habe in jedem Spiel versucht, meint Herz auf dem Platz zu lassen. Allen Einsatz geliefert. Manchmal gab es Freudentränen durch meine Aktionen, manchmal hatten auch die Zuschauer Schmerzen im Gesicht, weil Aktionen nicht gelungen sind. Ich habe es mit Liebe getan. Da könnt ihr euch sicher sein. Alles Weitere muss ich erst mal sehen.“

          Niclas Füllkrug: „Eine etwas höhere Führung zur Pause hätte uns geholfen. Dann hätten wir Costa Rica etwas den Spaß genommen. Nach dem 1:0 hat etwas das weitere Erdrücken gefehlt. Die Gruppenphase haben wir nicht wegen heute nicht überstanden. Gegen Japan hatten wir viele Probleme. Das war der entscheidende Spieltag. Das tut extrem weh, das ist extrem schwierig zu verdauen. Das wird sehr, sehr, sehr lange dauern, das zu verdauen.“

          Sami Khedira: „Ich bin sprachlos, enttäuscht und wütend. Ich bin geschockt.“

          Michael Ballack: „Wir hätten uns sicher von den Spaniern Schützenhilfe erwartet. Auch wenn es kein gutes Spiel war, haben wir unsere Hausaufgaben gemacht. Trotzdem sind wir ausgeschieden. Es ist ernüchternd und sinnbildlich, wie wir in den letzten Jahren Fußball spielen. Da gilt es anzusetzen, es gilt zu hinterfragen: Ist das die Art Fußball, die wir spielen wollen? Die letzten drei Turniere haben uns gezeigt, dass wir mit dieser Art Fußball nicht weit kommen. Wir sehen es an den Mannschaften, die weniger talentiert sind, die uns aber vor Probleme stellen.“

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