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DFB-Team in Nations League : Darum ist das Italien-Spiel so enorm wichtig

  • -Aktualisiert am

Hansi Flick fordert „den Willen, Spiele zu gewinnen und Spiele dann zu entscheiden, wenn es darauf ankommt“. Bild: Reuters

Der Bundestrainer begegnet seinen Kritikern vor dem Spiel gegen Italien mit Entschlossenheit. Für Experimente ist jetzt nicht die Zeit, denn nach vier Unentschieden hat das Duell Gewicht erhalten.

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          Eigentlich neigt Manuel Neuer nicht dazu, öffentlich in irgendwelchen rosaroten Fantasien zu schwelgen, aber am Montagnachmittag ließ sich der Torhüter doch zu einer kleinen Träumerei hinreißen. Ein Sieg am Dienstagabend (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Nations League und im ZDF) in Mönchengladbach gegen Italien wäre „ein super Abschluss“, sagte der Kapitän der Nationalmannschaft, denn mit einem Schlag könnte die Mannschaft rechtzeitig vor dem Urlaub eine ganze Liste störender Ärgernisse aus der Welt schaffen.

          Nations League

          Die Spieler hätten nach zuletzt vier 1:1-Unentschieden endlich „diesen Durchbruch, diesen Punch“ eines Sieges und könnten außerdem auch noch „sagen: Wir haben eine große Mannschaft geschlagen“, erläuterte Neuer. So ein Sieg über eine der Topnationen ist Deutschland seit mehr als drei Jahren nicht mehr gelungen.

          Mentale Aspekte im Fokus

          Nebenbei würde die DFB-Elf Italien von der Tabellenspitze der Nations-League-Gruppe verdrängen und viele Zweifel und Debatten beseitigen. „Dieses Erfolgserlebnis, das brauchen wir einfach“, sagte Neuer also, und Trainer Hansi Flick argumentierte ganz ähnlich am Ende dieser Länderspielepisode, in der jenseits des fußballerischen Entwicklungsprozesses immer mehr auch mentale Aspekte in den Fokus rücken.

          Grundsätzlichere Fragen nach der Form und der Qualität der Spieler beantwortete Trainer Flick am Montag jedenfalls mit dem Hinweis auf das mangelnde „Vertrauen in die eigene Qualität“ und die fehlende „Überzeugung“ in den Räumen vor dem gegnerischen Tor. Er habe „schon gehofft“, dass seine Mannschaft kurz vor dem Sommerurlaub „ein bisschen weiter“ ist, sagte er, „das hat aber nichts mit der Spielidee zu tun“. Sondern mit Selbstvertrauen und mit vielleicht auch mit geistiger Erschöpfung am Ende einer langen Saison.

          Flick noch ungeschlagen

          Es mag Kritiker geben, die mit guten Argumenten auf grundlegendere Defizite hinweisen, aber der Trainer und der Kapitän scheinen solche Gedanken von der Mannschaft fernhalten zu wollen. Der Idee, nach einer langen Serie enttäuschender Turniere (WM 2018, der nun schon dritten mäßigen Nations-League und der schwachen EM 2021) weniger anspruchsvolle Ziele zu formulieren – zum Beispiel den Viertelfinaleinzug bei einer WM –, widersprach Flick mit der Entschlossenheit, die seinen Spielern vor dem gegnerischen Tor zuletzt oft fehlte: „Seien Sie doch mal ehrlich: Jetzt sind wir im Viertelfinale, dann wollen wir auch ins Halbfinale.“

          Statt mehr Bescheidenheit fordert Flick „den Willen, Spiele zu gewinnen und Spiele dann zu entscheiden, wenn es darauf ankommt“. Flick hat zuletzt als Bundestrainer zwar vier Mal nicht gewonnen, aber er hat auch noch kein einziges Spiel verloren. Diese Vorgeschichte verleiht der Italien-Partie zusätzliches Gewicht.

          Mit einem Sieg über den Europameister und vielleicht sogar als Tabellenführer der Europa League könnte er nach einem Jahr im Amt ganz unabhängig von allen fußballerischen Problemen ein recht positives Zwischenfazit ziehen. Mit einer Niederlage bliebe hingegen der Eindruck, dass viele Probleme der vergangenen Jahre mit Joachim Löw weiterhin ungelöst sind.

          Insofern ist das Duell mit mehr Bedeutung aufgeladen als jede andere Partie in der Amtszeit des Bundestrainers, der wohl auch in diesem vierten Spiel innerhalb von zehn Tagen nicht vorhat, einige der hoch belasteten Spieler zu schonen. Der Bemerkung, dass Joshua Kimmich und Leon Goretzka eine Pause nötig haben könnten, widersprach er deutlich: „Das ist nicht mein Eindruck“, sagte er und erklärte: „Wir brauchen Stabilität.“

          Auch Experimente mit Karim Adeyemi wird es nicht geben, weil der von Salzburg nach Dortmund gewechselte Angreifer „noch eine Entwicklung machen muss“. Im Moment sei sogar „Lukas Nmecha einen Tick weiter vorn. Karim muss den nächsten Schritt machen, das kann er bei Dortmund sehr gut“, erläuterte Flick. Gegen Italien ist für so etwas keine Zeit, da steht am Dienstag erstmal das Ergebnis im Vordergrund.

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