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Regeln der Fußball-WM : So liefe ein Los-Entscheid in der deutschen Gruppe

  • Aktualisiert am

Entscheidet am Ende das Los über Wohl und Wehe von Bundestrainer Löw und der deutschen Mannschaft. Bild: dpa

Entscheidet ein Losverfahren über das deutsche Weiterkommen bei der WM? Möglich ist das bei bestimmten Ergebnissen der letzten Spiele. Nun gibt die Fifa Details bekannt zum Prozedere.

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          Eine mögliche Los-Entscheidung über einen deutschen Achtelfinaleinzug bei der Fußball-WM würde kurz nach dem letzten Gruppenspiel gegen Südkorea am Mittwoch (16.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM, im ZDF und bei Sky) stattfinden. Der Weltverband Fifa setzte eine mögliche Ziehung für 18.00 Uhr MESZ am gleichen Abend im Pressekonferenzraum des Moskauer Spartak-Stadions an. Die Veranstaltung ist für Medien geöffnet und würde live im Internet gestreamt werden, wie die Fifa auf Anfrage mitteilte.

          Fussball-WM 2018

          Es gibt mehrere Fälle, dass ein Losverfahren für das Team von Bundestrainer Joachim Löw über das Weiterkommen oder die Entscheidung über den Gruppensieg anstehen würde:

          - Sollte Deutschland mit 0:1 gegen Südkorea verlieren und zeitgleich Schweden 0:1 gegen Mexiko unterliegen, würde zwischen dem DFB-Team, Schweden und Südkorea wegen Punkt- und Torgleichheit ein Dreiervergleich gebildet. Darin hätten die drei Teams drei Zähler. Deutschland und Schweden hätten eine Tordifferenz von 2:2, Südkorea von 1:1. Die Asiaten wären ausgeschieden, da sie weniger Tore erzielt haben.

          Um zu bestimmen, ob Deutschland oder Schweden weiter ist, zählt anschließend jedoch nicht der direkte Vergleich zwischen beiden Teams. Stattdessen käme es zum Vergleich der Fairplay-Wertung. Darin liegt Deutschland mit bislang zwei Gelben Karten und Gelb-Rot für Jérôme Boateng vor dem letzten Spiel schlechter als die Schweden, die bislang dreimal Gelb sahen. Sollte es hier auch zu einem Gleichstand kommen, würde das Los entscheiden.

          - Sollte Deutschland mindestens zwei Tore schießen und mit einem Treffer Unterschied gegen Südkorea gewinnen (z.B. 2:1/3:2/4:3) und Schweden mit dem gleichen Ergebnis gegen Mexiko gewinnen, wären Deutschland, Schweden und Mexiko punkt- und torgleich. Im Dreiervergleich hätte Schweden die meisten geschossenen Tore und wäre weiter. Zwischen Deutschland und Mexiko würde die Fairplay-Wertung entscheiden: Hier liegt das DFB-Team abermals schlechter, Mexiko hat bislang sogar nur zwei Gelbe Karten. Sollte es hier auch zu einem Gleichstand kommen, würde das Los entscheiden.

          - Sollte Deutschland 1:0 gegen Südkorea gewinnen und Schweden mit 1:0 Mexiko bezwingen, wären Deutschland und Schweden weiter. Es würde die Fairplay-Wertung und bei Gleichstand das Los entscheiden, welches Team als Gruppenerster ins Achtelfinale kommt. Mexiko wäre dann als Gruppendritter ausgeschieden.

          Falls die deutschen Fußballer im Kampf um den Einzug ins WM-Achtelfinale tatsächlich den Rechenschieber brauchen sollten, kann ihnen Mark Geiger sicher behilflich sein. Der Schiedsrichter aus den Vereinigten Staaten, der das entscheidende Vorrundenspiel des Titelverteidigers am Mittwoch in Kasan gegen Südkorea leitet, ist schließlich ein kleines Mathe-Genie. Abseits des Platzes unterrichtet der 43-Jährige, der mit seinen Assistenten Frank Anderson (Vereinigte Staaten) und Joe Fletcher(Kanada) zum Einsatz kommt, an der Lacey Township High School in Lanoka Harbor (New Jersey) unter anderem Mathematik. Und in seiner Eigenschaft als Lehrer gehörte Geiger im Jahr 2009 zu den 103 Empfängern eines Preises „für herausragende Lehre in Mathematik und Naturwissenschaften“.

          Alles andere als herausragend aus Sicht des Referees war allerdings der Wirbel, den es im Anschluss an seinen ersten Auftritt bei der Endrunde in Russland gab. Der marokkanische Nationalspieler Noureddine Amrabat hatte nach der Niederlage gegen Portugal (0:1) Vorwürfe gegen Geiger erhoben. „Er war total beeindruckt von Cristiano Ronaldo. Und ich habe von Pepe (portugiesischer Verteidiger, d. Red.) gehört, dass er in der ersten Hälfte gefragt hat, ob er sein Trikot haben kann“, sagte Amrabat: „Wir sind bei der WM und nicht im Zirkus.“

          Sowohl Geiger als auch der Weltverband Fifa wiesen die Anschuldigungen vehement zurück. „Die Fifa verurteilt die Vorwürfe, die angeblich von einem marokkanischen Teammitglied erhoben wurden, entschieden“, teilte der Weltverband in einem Statement mit: „Es kann bestätigt werden, dass Herr Geiger sich beispielhaft und professionell verhalten hat.“ Tatsächlich gilt der in New Jersey geborene Geiger als erfahrener Referee. Schon bei der WM-Endrunde vor vier Jahren in Brasilien war er dreimal im Einsatz. Als Geiger im Achtelfinale zwischen Frankreich und Nigeria (2:0) auf dem Platz stand, schrieb er Geschichte. Geiger war der erste amerikanische Schiedsrichter, der in der K.o.-Runde einer WM pfeifen durfte.

          Zudem leitete Geiger Partien bei den Olympischen Spielen 2012 in London und beim Confed Cup im vergangenen Jahr. Vom Confed Cup kennt ihn auch das deutsche Team. Er war beim 3:2 in der Vorrunde gegen Australien in Sotschi im Einsatz. Leon Goretzka sah damals die Gelbe Karte, Julian Draxler verwandelte einen von Geiger verhängten Foulelfmeter gegen die Socceroos. Geiger ist seit seinem 14. Lebensjahr als Schiedsrichter aktiv, im Jahr 2008 stieg er zum Fifa-Unparteiischen auf. Schon zweimal (2011 und 2014) wurde Geiger in der nordamerikanischen Major League Soccer (MLS) zum Unparteiischen des Jahres gewählt.

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