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Personaldiskussion im DFB-Team : Wer soll gegen Costa Rica die Tore schießen?

Viele Optionen für das Gruppenfinale: Bundestrainer Hansi Flick muss sich in der Stürmerfrage entscheiden. Bild: GES/Marvin Ibo Güngör

Glaube, Spiele, Hoffnung: Das deutsche Trainerteam sprüht nach dem 1:1 gegen Spanien vor Optimismus. Noch aber ist für Deutschland bei der WM nichts gewonnen.

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          An dem Morgen, an dem die sportlichen Aussichten für die deutsche Nationalmannschaft schon wieder freundlicher sind, ist Marcus Sorg „mit großer Freude“ aufgestanden. Der Assistenztrainer des Deutschen Fußball-Bundes macht trotz des Spiels am späten Sonntagabend keinen müden Eindruck, als er im Medienraum in al-Khor sitzt, wo er mit den Reportern in einer Videokonferenz verabredet ist. Er erzählt, dass er das 1:1 gegen Spanien als „eine ganz herausragende Leistung“ einstuft. Auch sonst spricht er in diesem Moment nicht wie das Mitglied der Mannschaft, die weniger als 24 Stunden davor noch am Abgrund gestanden hatte.

          Fußball-WM 2022
          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Dieses Sternchen sollte man an Sorgs Aussagen aber schon setzen: Die sportlichen Aussichten in Qatar, wo Deutschland Weltmeister werden will, sind vor allem deswegen freundlicher, weil Japan, das Deutschland düpiert hatte, 0:1 gegen Costa Rica verloren hat.

          So kann Deutschland am Donnerstag (20.00 Uhr MEZ im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM, in der ARD und bei MagentaTV) mit einem Sieg (wenn Japan gegen Spanien verliert) oder einem Sieg mit zwei Toren Differenz (wenn Japan gegen Spanien unentschieden spielt) weiterkommen. Und so kann Marcus Sorg an diesem Mittag selbstbewusst sagen: „Ich denke, wir können unsere Aufgabe erfüllen. Und der Glaube ist, dass es dann auch reichen wird.“

          Ist dieser Optimismus berechtigt?

          Es ist nicht nur Sorg, der an diesem Montag in dem deutschen Medienraum sitzt, sondern auch Danny Röhl. Er assistierte dem Bundestrainer Hansi Flick schon in München – und sagt nun in seinem ersten Statement: „Wir können sehr, sehr zufrieden sein mit dem Aufritt gestern.“

          Und weil sowohl Sorg als auch Röhl ihre Sätze dafür, dass sie ihr Schicksal nicht in der eigenen Hand haben, sehr optimistisch formulieren, darf man vor dem dritten deutschen Vorrundenspiel gegen Costa Rica schon fragen: Ist dieser Optimismus denn berechtigt?

          Wenn Hansi Flick der Pilot der deutschen Nationalmannschaft ist, sind Marcus Sorg und Danny Röhl, 56 und 33 Jahre alt, seine Kopiloten. Sie diskutieren Tag für Tag mit dem deutschen Trainerteam, wie sie die Mannschaft durch die Weltmeisterschaft steuern wollen. Das ist das Interessante an diesem Mittag: Da sitzen zwei, die einen Einblick ins Cockpit geben können.

          In den mehr als 20 Minuten, in denen Sorg und Röhl antworten, geht es dann um Details, aber auch um Grundsätze. „Ein erfolgreiches Turnier“, sagt Sorg, „hat immer zur Grundvoraussetzung, dass sich eine Mannschaft entwickelt, dass man immer von Spiel zu Spiel einen Fortschritt sieht.“ Und das muss man schon sagen: Gegenüber der Auftaktpartie gegen Japan gab es gegen Spanien einen spielerischen Fortschritt. Weil wohl auch das Trainerteam einen Fortschritt machte.

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          In der Abwehr setzten Flick und seine Assistenten auf Thilo Kehrer statt Nico Schlotterbeck, wodurch Kehrer nach rechts und Niklas Süle in die Innenverteidigung rückte. Im Mittelfeld setzten sie auf Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Ilkay Gündogan. Weder das eine noch das andere scheinen Lösungen zu sein, die sie Spiel für Spiel funktionieren werden (schon gegen Spanien offenbarten sich Schwachstellen). Aber: „Wichtig ist“, so Röhl, „dass wir einen großen Schritt gemacht haben in unserer Kompaktheit – vor allem gegen den Ball.“ Mit Blick auf das Duell mit Costa Rica sagte er aber auch: „Wahrscheinlich brauchen wir mehr Lösungen mit Ball.“

          Das führte zu den Details – und zur 83. Minute des Spanien-Spiels, als der Mittelstürmer Niclas Füllkrug im Strafraum so fest gegen den Ball schoss, dass der Ball, der traditionell eher den Spaniern verbunden ist, gar nicht anders konnte, als in deren Tor zu fliegen. Ein Tor, das viele Diskutanten nun als Argument dafür anführen werden, dass man mit einem sogenannten Zielspieler spielen muss. „Das Entscheidende ist, dass man Spieler auf dem Platz braucht, die Tore machen“, sagt Sorg, aber als Plädoyer für den Mittelstürmer, der „die eine oder andere Option“ gebe, aber kein „Allheilmittel“ sei, will er das nicht verstanden wissen: „Das Entscheidende ist, dass wir daran arbeiten, die Qualität der Torchancen zu erhöhen.“

          Wie könnte das klappen? Mit Füllkrug in der Startelf? Mit Leroy Sané? Vielleicht sogar mit Mario Götze? Diese Details werden nun diskutiert werden. Wenn man erahnen will, was nur diskutiert und was wirklich umgesetzt wird, sollte man noch einen Grundsatz bedenken, den Marcus Sorg an diesem Montag vorträgt. Er verweist darauf, dass man wissen muss, „welche Wirkung welcher Spieler zu welchem Zeitpunkt“ habe. Und dass man schon auch „auf Basierendem aufbauen“ muss, denn: „Es geht um gewisse Struktur, gewisse Stabilität, gewisse Sicherheit. Und Sicherheit kommt dann auch über Konstanz.“

          Und wenn man seinen Optimismus mit diesem Satz verbindet, könnte man etwas zugespitzt sagen: Das Wörtchen Konstanz klingt dann doch sehr wie Thomas Müller, nicht wie Niclas Füllkrug.

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          FIFA ermittelt gegen DFB

          Die FIFA hat nach dem Verstoß des Deutschen Fußball-Bundes gegen die Pressekonferenz-Regeln vor dem WM-Spiel gegen Spanien Ermittlungen aufgenommen. Wie der Weltverband am Montag mitteilte, untersuche die Disziplinarkommission Verstöße gegen Artikel 44 der WM-Regularien sowie mehrere Artikel in den Medien- und Marketingregeln sowie dem für alle 32 WM-Teilnehmer gültigen sogenannten Team-Handbuch. Konkreter Hintergrund: Bundestrainer Hansi Flick war am Samstagnachmittag allein zur obligatorischen Pressekonferenz vor dem Gruppenspiel im internationalen Medienzentrum von Doha erschienen. Alle Teams sind allerdings verpflichtet, dass sich vor jedem Spiel neben dem Chefcoach auch ein Spieler vor der Weltpresse äußert. Mögliche Konsequenz dürfte nun zunächst eine Verwarnung oder eine Geldstrafe für den DFB sein. (dpa)

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