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Bundestrainer Löw : „Neuer hat uns in letzter Sekunde gerettet“

  • Aktualisiert am

Löw sieht das Algerien-Spiel nicht all zu kritisch Bild: AFP

Bundestrainer Joachim Löw spricht nach dem Achtelfinale gegen Algerien über die Probleme seiner Mannschaft, angeschlagene Spieler – und den Libero im deutschen Team.

          Wir erklären Sie die großen Probleme ihrer Mannschaft bis in die Verlängerung hinein?

          Wir hatten eigentlich nur in der ersten Halbzeit Probleme, unser Spiel aufzuziehen. Da hatten wir viele Ballverluste und einfache Fehler, mit denen wir den Gegner zu Kontern eingeladen haben. Wir hatten Probleme mit den langen Bällen. In der zweiten Halbzeit und in der Verlängerung waren wir schon am Drücker. Wenn man schlecht spielt, arbeitet man sich nicht sieben, acht, neun riesengroße Chancen heraus. Am Ende war es ein Sieg des Willens. Beide waren müde. Wir hatten die bessere Physis. Wir hätten das Spiel früher in der zweiten Halbzeit entscheiden müssen.

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          Aber Algerien hat die deutsche Mannschaft sogar beherrscht?

          Algerien hat kämpferisch und läuferisch alles in die Waagschale geworfen. Wir haben gewusst, dass sie extrem motiviert sind. Wir hatten es so erwartet, dass uns Algerien in Zweikämpfen aufreiben will. Manchmal haben sie mit einer Fünferkette gespielt und vier Spielern davor. Das war so nicht einfach für uns.

          Nach der Verletzung von Shkodran Mustafi ist Philipp Lahm nach rechts hinten gerückt. Werden Sie jetzt noch mal grundsätzlich über seine Position nachdenken?

          Mustafi hat seine Sache ordentlich gemacht. Er hat einen Muskelfaserriss erlitten. Ich denke, dass er bei diesem Turnier keine Rolle mehr spielen kann. Zwei, drei Wochen wird er ausfallen. Es war naheliegend, Philipp Lahm dann wieder rechts spielen zu lassen, weil wir auch im Mittelfeld frische Kräfte brauchten.

          Wie stellt sich die Personalsituation dar?

          Bastian Schweinsteiger hat auch erst zwei Spiele gemacht. Es war nicht zu erwarten, dass er im Vollbesitz seiner Kräfte über die ganze Zeit ist. Es war gut, dass Sami Khedira kam, der wie André Schürrle neue Impulse gebracht hat. Mats Hummels war leider ausgefallen. Mal sehen, wie sich die Spieler jetzt erholen, wie sich Bastian Schweinsteiger morgen und übermorgen fühlt. Man muss den Spielern ein, zwei Tage Zeit geben, um sich zu regenerieren. Dann werden wir personelle Entscheidungen treffen.

          Ist Schweinsteiger auch verletzt?

          Er hatte nur Krämpfe, wollte es nochmal probieren in der Verlängerung. Aber er war kräftemäßig einfach völlig am Limit nach 90 Minuten. Eine Verletzung hat er nicht.

          Jetzt geht es gegen Frankreich. Wie sehen Sie das Duell?

          Deutschland gegen Frankreich war immer ein Klassiker. Es waren immer hochdramatische und spannende Spiele mit einem ganz knappen Ausgang bei einem Turnier. Frankreich hat sich nach 2010 und 2012 unter Trainer Deschamps wieder hervorragend entwickelt. Es ist eine kampfstarke Mannschaft, die im Mittelfeld und hinten sehr viele ’Deschamps’ hat. Spieler, die für eine sehr gute Organisation sorgen. Vorn haben sie Giroud und Benzema.

          Sie wirken gar nicht unzufrieden nach dem knappen Spiel.

          Soll ich jetzt nach dem Weiterkommen unter die letzten Acht stark enttäuscht sein? Wäre das angebracht? Wir haben natürlich gesehen, dass wir in der ersten Halbzeit nicht gut gespielt haben. Aber solche Spiele gibt es bei jedem Turnier, in denen man den unbedingten Willen haben muss, in die nächste Runde zu kommen. Brasilien musste durch den letzten Elfmeter in die nächste Runde kommen. Die Mannschaften im Achtelfinale sind alle bis in die Haarspitzen motiviert und haben eine gute Qualität. Wichtig und entscheidend ist, dass man weiterkommt.

          Manuel Neuer musste mehrmals in höchster Not klären. Was sagen Sie zu seiner Leistung und beunruhigt es Sie auch, dass er das so oft musste?

          Seine Leistung habe ich überragend gut gesehen. Er musste im Tor, auf der Linie, nicht überragend halten. Überragend war, wie er mitgespielt hat, weil die langen Bälle der Algerier auf ihre schnellen Stürmer immer gefährlich waren. Er hat uns vor einigen ganz gefährlichen Situationen bewahrt, weil er als Libero agiert und in letzter Sekunde gerettet hat. Das war seine große Leistung heute.

          Was kann noch verbessert werden?

          Positiv kann ich erwähnen, dass wir in der zweiten Halbzeit einfach anders im Spiel waren, dass wir das Spiel besser bestritten haben, auch in der Verlängerung. Wir haben dann fast immer in der gegnerischen Hälfte gespielt. Was ich zu bemängeln habe, ist einfach die Chancenauswertung. Der algerische Torhüter hat auch überragend gehalten.

          Fehlt noch die Konstanz?

          Man kann nicht immer davon ausgehen, dass eine Mannschaft fantastisch spielt. Das haben wir vielleicht in der Vergangenheit bei dem einen oder anderen Turnier gemacht - und sind ausgeschieden. Man muss nicht immer fantastisch spielen, aber gewinnen. Dass wir besser sein können, denke ich schon. Bei einem Turnier wird keine einzige Mannschaft alle Spiele in fantastischer Form bestreiten. Es wird Schwierigkeiten geben, das ist ganz normal.

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