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Bundestrainer Joachim Löw : Entspannt wie nie

Der Bundestrainer gibt den alten Kurs auf und hat Erfolg: Joachim Löw: Bild: REUTERS

Die deutsche Nationalelf glänzt bei der Fußball-WM nicht. Dafür weiß sie, wie man gewinnt. Und Bundestrainer Joachim Löw ist entspannt wie selten – weil er so oder so aufhören wird?

          Der Bundestrainer ist ganz ruhig. Entspannter als je zuvor bei den anderen großen Turnieren, wenn es am Ende hoch herging. Vielleicht liegt es daran, dass Joachim Löw weiß, dass dies in Brasilien seine letzten Auftritte als Chefcoach der deutschen Nationalmannschaft sind - selbst wenn seine Mannschaft den Titel holt. Offiziell ist das noch nicht, weil sein Vertrag mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) weitere zwei Jahre bis zur Europameisterschaft in Frankreich läuft.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aber vermutet wird eher, dass Löw nach dem WM-Turnier nach acht Jahren in dieser Position und mehreren Anläufen zum Titel eine neue Aufgabe für sich suchen wird. „Der Bundestrainer ist die ganze Zeit so was von locker. Es ist nicht gespielt, wenn er sagt, dass er tiefenentspannt wäre“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

          Löw setzte alles - und gewann

          Als Löw nach dem Frankreich-Sieg über die weiteren Chancen sprach, wurde er zwar wieder etwas zurückhaltender. „Wir werden sehen, wie es weitergeht.“ Doch in guter Erinnerung waren noch seine Worte vor dem Viertelfinale, als er offener und gelöster als sonst über die Turnierchancen seines Teams redete. „Die Mannschaften anderer Fußballnationen sind schon im Urlaub, wir sind noch dabei. Wir werden unter die letzten vier Mannschaften kommen“, sagte da der Bundestrainer. Und seine Prognose trat ein. Löw ist auch ein Spieler. Diesmal setzte er alles - und gewann. Die Aussage vor der Partie gegen die „Equipe Tricolore“ wäre ihm bei einem Ausscheiden im Viertelfinale um die Ohren gehauen worden.

          Joachim Löw wirkt entspannt - ist die Frage nach seiner Zukunft schon geklärt?

          Und jetzt geht es weiter. Der nächste Gegner Brasilien ist durch die Verletzung von Superstar Neymar sowie die Gelbsperre von Thiago Silva stark geschwächt und sorgte bisher nicht für eine ausgesprochene Dominanz auf dem Feld, die gefürchtet werden müsste. Bleibt die Unterstützung des Publikums und die Hoffnung einer ganzen Nation auf den Erfolg ihrer Lieblinge.

          Das Team hat seinen Weg gefunden

          Der deutsche Bundestrainer vermittelt aber bei allen möglichen Widerständen gegen die Brasilianer den Eindruck, dass seine Mannschaft nach dem Auf und Ab in diesem Turnier ihre Ausrichtung gefunden hat und sich nur noch schwer bremsen lässt. „Wir versuchen jetzt, den letzten Schritt zu machen. Die Mannschaft ist gefestigt, stabil und gut drauf“, sagte Löw nach dem 1:0-Sieg gegen die Franzosen. Mats Hummels hatte dort den Treffer per Kopfball in der 13. Minute nach einem passgenauen Freistoß von Toni Kroos erzielt.

          Es geht auch darum, dass Löws Team seinen Weg in diesem Turnier offenbar gefunden hat. Während in den vergangenen Jahren die jugendliche Frische, die hohe spielerische Klasse der vielen Talente und das auf hohe Ballbesitzzeiten ausgerichtete Kombinationsspiel in Anlehnung an die großen Spanier im Mittelpunkt der Strategie standen, kommen jetzt durch verschiedene Umstände vor allem Routine, Erfahrung und mentale Stärke zum Zuge.

          Löws Kollege Didier Deschamps, Trainer der unterlegenen Franzosen, der aus dem Jahr 1998 weiß, wie man Weltmeister wird, zeigte sich nach der Niederlage seiner Elf überzeugt von der Qualität der Deutschen. „Das ist eine große Mannschaft mit viel Erfahrung. Das hilft in engen Spielen“, sagte Deschamps und nannte die Deutschen eine „Favoritenmannschaft“. Seine Elf fand er viel zu „schüchtern“.

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