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DFB macht mit Löw weiter : Kehren mit alten Besen

Weiter so: Joachim Löw bleibt Bundestrainer. Bild: dpa

Dass Joachim Löw auch nach dem WM-Debakel weitermacht, könnte nicht nur zum großen Schaden der Nationalmannschaft werden. Auch der Bundestrainer droht sein Denkmal einzureißen. Ein Kommentar.

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          Über den Neuanfang, den der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sich so dringend erhofft und erwartet von Joachim Löw, und zu dem sich der Bundestrainer trotz der erschreckenden Selbstdemontage in Russland berufen fühlt, hat der DFB die vielen deutschen Fans seiner hart gestürzten Weltmeister nicht einmal selbst informieren können. Die Zustimmung des Bundestrainers – dass er nun bleibt, was er ist – lief am Dienstagmittag über die alten (Medien-)Kanäle. Es war die „Bild“-Zeitung, die Joachim Löws Wunsch und Wille nach Fortsetzung seiner zwölfjährigen Amtszeit bis zum Ende der Weltmeisterschaft 2022 in die Welt setzte, wie das mit wichtigen Nachrichten rund um den Bundestrainer und den DFB in den vergangenen Jahren immer wieder geschehen ist.

          Als die Nachricht von Löws Amtsverlängerung in Fußball-Deutschland die Runde machte, saßen Präsidiumsmitglieder, Löw und Manager Bierhoff zur Lagebesprechung zusammen. So wurde der Verband in diesem Augenblick in die Rolle des interessierten Zuschauers verwiesen bei seiner wichtigsten Personalfrage – die der DFB als Arbeitgeber von Joachim Löw aber trotz des historischen Scheiterns bei der WM schon am vergangenen Wochenende vollständig in dessen Hände und Belieben gelegt hatte. In diesem Sinne erschien es dann fast schon konsequent, dass der DFB und sein Präsident die Entscheidung von Löw nicht einmal mehr selbst als Neuigkeit und erhofften Neuanfang verkünden konnten.

          Es braucht nicht viel Phantasie, um vorherzusehen, dass Löws persönliches „Weiter so“ als Bundestrainer mit einiger Skepsis von vielen Fußballfans und einem Teil der Medien-Öffentlichkeit begleitet werden wird. Wie ein Trainer, der die Nationalmannschaft zwölf Jahre nach seinem Bild formte, nun eine tiefgreifende Erneuerung in die Wege leiten will, ist und bleibt ein Rätsel, dass sich durch die Bereitschaft des Bundestrainers, es jetzt irgendwie anders und besser machen zu wollen, nicht auflösen lässt.

          Der Druck nicht nur auf den Bundestrainer, sondern auch auf die gestürzten Weltmeister und ihre Nachfolger wird schon mit dem ersten Spiel der Nations League im September gegen Frankreich weit größer sein, als dies unter jedem anderen Trainer bei einem echten Neustart der Fall gewesen wäre. Dass der Bundestrainer an seinem auch hochdotierten Job hängt, vielleicht noch ein bisschen mehr als an seinen alten Weltmeistern, dürfte auch beim DFB bekannt sein. Aber nun muss sich der Verband vorwerfen lassen, einen Grundsatz zu ignorieren, der auch für einen Trainer mit den Verdiensten Löws gilt: Ein echter Neuanfang ist mit alten Kräften nicht möglich.

          Löws Verdienste sind unbestritten, aber kein guter Grund, dass der Verband sich nicht zu einem Schlussstrich entschließen mochte und allein Löw die Entscheidung über die Fortsetzung seiner Karriere treffen ließ. Es ist ja nicht so, dass mit der langen Mängelliste bei dieser WM und dem letzten Tabellenplatz in der Vorrunde als Schlussbilanz die Erfolge des Bundestrainers ausgelöscht worden sind. Joachim Löw hätte niemandem mehr etwas beweisen müssen. Dass er nun dennoch weitermacht und die Regeln der Leistungsgesellschaft nicht so viel zählen, wie sie müssten, könnte nicht nur zum großen Schaden der Nationalmannschaft werden. Auch der Bundestrainer droht, falls er sich und sein Team nicht grundlegend ändert, sich selbst vom Sockel zu stürzen, auf dem sein Denkmal trotz des Scheiterns noch gestanden hat – und auf dem es bei einem Rücktritt immer geblieben wäre.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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