https://www.faz.net/-gaq-9bq7l

Fußballszene ist erschüttert : „Nicht verdient, für Nationalmannschaft zu spielen“

  • Aktualisiert am

Auch Löw stehe nun zurecht in der Kritik wegen seiner Kaderplanung. „Der Mannschaft fehlten Typen mit Ecken und Kanten wie Bayerns Sandro Wagner“, kritisierte Matthäus, der mit der Nationalelf Bulgariens zuletzt vor sieben Jahren ein Team trainierte. Beim WM-Personal habe Löw auch nicht genügend Wert auf schnelle Spieler wie Leroy Sané gelegt, der beim englischen Meister Manchester City zum Stammpersonal zählt, aber überraschend nicht mit nach Russland fahren durfte. An einen Rücktritt Löws glaubt Matthäus nach eigenen Worten zwar nicht. Der vor dem Turnier verpasste Umbruch sei aber spätestens jetzt unumgänglich. „Die Mannschaft muss rund um Führungsspieler wie (Manuel) Neuer und (Toni) Kroos mit neuen Gesichtern aufgebaut werden“, forderte der 150-malige Nationalspieler. Junge Talente wie Niklas Süle, Tobias Werner und Leon Goretzka gelte es zudem viel stärker einzubinden.

Lothar Matthäus kritisiert: „Keine Anführer, keine Leidenschaft, keine Einstellung und die falsche Mannschaft.“
Lothar Matthäus kritisiert: „Keine Anführer, keine Leidenschaft, keine Einstellung und die falsche Mannschaft.“ : Bild: dpa

In einem Kommentar für die britische „Sun“ zog Matthäus das Fazit: „Keine Anführer, keine Leidenschaft, keine Einstellung und die falsche Mannschaft.“ Seine Philippika veröffentlichte er unter dem Titel: „Ende einer Generation.“

Damit äußerte er sich sehr ähnlich wie Michael Ballack. Der frühere Nationalmannschaftskapitän, nicht gerade im Frieden aus dem DFB-Team geschieden und nicht gut auf Bundestrainer Löw zu sprechen, äußerte sich auf Twitter. „“Man kann immer früh ausscheiden mit einem schlechten Team, aber nicht mit einer Mannschaft wie dieser“ Nun muss ehrliche Aufarbeitung beginnen. Führungsstärke? Persönlichkeit? Mentalität?“, schrieb Ballack.

Paul Breitner befürchtet nach dem deutschen WM-Desaster auch für die Fußball-Bundesliga "tiefgehende Folgen - und zwar bereits für die nächste Saison". Im Interview mit der Münchner Tageszeitung „tz“ prophezeite der 66-Jährige: "Das lässt sich der Fan nicht bieten. Die Diskussion über satte Profis, die es nicht mehr nötig haben, wird jetzt gnadenlos aufgetischt." Die Leistungen der Nationalmannschaft beim Turnier in Russland seien "eine Katastrophe" gewesen, wetterte Breitner: "Das war Altherrenfußball, was wir in den drei Spielen gesehen haben. Es war ja kein Plan da. Es plätschert dahin. Ich habe niemanden gesehen, der versucht hat, die Mannschaft aus ihrer Lethargie zu führen." Kritik übte er nach dem peinlichen 0:2 gegen Südkorea deshalb auch an Toni Kroos von Real Madrid. "Wissen sie, ich verzichte gerne auf den 15.000. Pass von Toni Kroos, wenn er nicht ein einziges Mal den Raum ausnutzt, den er sich schafft. Nicht einmal ist er durch das Mittelfeld marschiert oder hat mal versucht, die Abwehr vielleicht mit einem Dribbling auseinanderzureißen. Da verzichte ich gerne auf die 99 Prozent Passgenauigkeit", moserte der frühere Münchner.

Bundestrainer Joachim Löw müsse er "den Vorwurf machen", so Breitner, "dass er keine feste Mannschaft und keinen Plan hatte. Er hat gewechselt, umgestellt - und das in einer Art und Weise, die ich nicht verstehe." Jedes Verständnis fehle ihm auch "für Manuel Neuers Ausflug gegen Südkorea in den gegnerischen Strafraum", führte Breitner weiter aus: "Er weiß genau, was in sechs Minuten noch alles passieren kann. In dieser Truppe geht alles drunter und drüber."

Können es nicht fassen: die deutschen Spieler, dass die WM für sie in der Vorrunde endet – die Südkoreaner, dass sie gegen Deutschland 2:0 gewinnen. Bilderstrecke
Das Spiel in Bildern : Deutschland unter Schock

Weitere Themen

Topmeldungen

Schüler treten zu einer der wichtigsten nationalen Prüfungen im Schulsystem der Volksrepublik China an: das Gao Kao

Nach Bildungsreform : Pekings Politik belastet Chinas Finanzmarkt

Die jüngsten harten Regulierungsmaßnahmen in China gegen private Bildungsanbieter haben Anleger kalt erwischt und verunsichert. Gerüchte haben Konjunktur. Andere Beobachter raten zu Besonnenheit.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.