https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball-wm/deutscher-wm-gegner-japan-der-perfekte-antagonist-18341765.html

WM-Gegner Japan : Der perfekte Antagonist für die DFB-Elf

  • -Aktualisiert am

Ganz eigene Strategie: Mitoma klatscht Tomiyasu ab. Bild: Reuters

Organisiert, wuchtig und voller Energie: Die Japaner spielen die Art Fußball, die der deutschen Elf gar nicht zu behagen scheint. Es könnte ein schwieriger WM-Start bevorstehen.

          3 Min.

          Die Verantwortlichen der Scouting-Abteilung des Deutschen Fußball-Bundes können sich in diesen Tagen über recht angenehme Arbeitsbedingungen freuen. Für das Studium des ersten WM-Gegners müssen sie nicht auf ferne Kontinente reisen, die japanische Nationalmannschaft weilt derzeit in Düsseldorf, wo sie am Freitag mit 2:0 gegen die USA gewann, bevor am Dienstag eine zweite Partie gegen Ecuador folgt.

          Weniger erfreut als über die kurze Anreise dürften die Beobachter allerdings über die Erkenntnisse sein, die sie bislang über die „Blue Samurai“ gewinnen konnten. Das Training findet streng von der Öffentlichkeit abgeschottet statt, und auf dem Platz scheinen die Asiaten schon ein ordentliches Stück weiter zu sein als Bundestrainer Hansi Flick mit seinem WM-Projekt. „Insgesamt bin ich sehr erfreut über die Performance meiner Mannschaft“, sagte Trainer Hajime Moriyasu nach dem beeindruckenden Auftritt gegen völlig chancenlose Amerikaner.

          Der deutsche Gegner, der mit den Bundesligaspielern Maya Yoshida (Schalke), Waturo Endo (Stuttgart) und Daichi Kamada (Frankfurt) begann, bevor in der Halbzeit Hiroki Ito (Stuttgart), Ritsu Doan (Freiburg) und Genki Haraguchi (Union Berlin) eingewechselt wurden, spielt ziemlich genau die Art Fußball, die der DFB-Elf gar nicht zu behagen scheint: extrem diszipliniert, bestens organisiert, wuchtig und voller Energie. „Es gibt einige Dinge, die sehr gut funktioniert haben, und wir haben hier heute herausgefunden, warum es funktioniert hat“, sagte der erfahrene Kapitän Yoshida. Damit sei es möglich, dass „wir es in jedem Spiel tun können“. Mit „es“ meinte der souveräne Abwehrchef eine Spielweise, die ein wenig an den Stil des Bundesliga-Tabellenführers Union Berlin erinnert und die individuell stärker besetzten Gegnern sehr weh tun kann. „Wir wollen bei Ballgewinnen als Team schnelle und vertikale Angriffe spielen“, erklärte Trainer Moriyasu; diese Strategie könnte exzellent passen, wenn die Japaner in Qatar auf die Ballbesitzmannschaften Deutschland und Spanien treffen.

          Zudem scheinen die „Blue Samurai“ ein passendes Timing für ihr WM-Projekt hinzubekommen, denn sie haben sich zuletzt kontinuierlich steigern können. Die WM-Qualifikation gelang souverän, fünf der acht Länderspiele im Jahr 2022 gewann die Mannschaft, und auch die knappe 0:1 Niederlage gegen Brasilien nach einem Elfmetertor durch Neymar im Juni wurde als positive Erfahrung verbucht, weil dem Giganten aus Südamerika kein Tor aus dem Spiel heraus gelang.

          In der Schlussphase der Partie gegen die USA testete Moriyasu nun auch noch ein System mit Dreierabwehrkette, was neu für diese Mannschaft war. Womöglich hatte hier Makoto Hasebe von Eintracht Frankfurt, der viel Erfahrung mit dieser Formation hat, seine Finger im Spiel. Hasebe ist zwar 2018 aus dem Nationalteam zurückgetreten, war aber drei Tage bei seinen ehemaligen Mitspielern in Düsseldorf zu Besuch. „Es ist eine Gelegenheit, verschiedene Ratschläge zu erhalten und wertvolle Geschichten zu hören“, sagte Yoshida über seinen Austausch mit „Hasebe-san“.

          Die gute Entwicklung zeigt sich aber nicht nur in den Ergebnissen, sondern auch am Niveau, auf dem sich viele Spieler etabliert haben. Innenverteidiger Takehiro Tomyasu steht mit dem FC Arsenal an der Spitze der Premier League, der „japanische Messi“ Takefusa Kubo konnte sich bei Real Madrid zwar nicht durchsetzen, wechselte aber im vergangenen Sommer von dem königlichen Edelklub nach San Sebastián, wo er nun eine feste Größe in der spanischen La Liga ist. Hidemasa Morita spielt mit Sporting Lissabon in der Champions League und bildete mit dem Stuttgarter Endo ein ebenso kluges wie zähes Bollwerk im Mittelfeldzentrum. „Sie haben gezeigt, wie gut sie zusammenpassen“, sagte Trainer Moriyasu zu seiner Doppelsechs. Den ehemaligen Liverpooler Takumi Minamino, der jetzt bei AS Monaco spielt, schonte Moriyasu an diesem Tag, der Star des Tages war daher Daichi Kamada, der die linke Position in einem Zweiersturm besetzte.

          Der Frankfurter schoss in seinem 20. Länderspiel sein sechstes Tor für Japan und gehört als Gewinner der Europa League mittlerweile zu den angesehensten Akteuren in der Mannschaft. Der Bundesligaprofi habe nicht nur mit diesem Treffer „zum Sieg der Mannschaft beigetragen“, sondern auch indem er sich als Stürmer mit großer Leidenschaft „der Verteidigung“ gewidmet habe, sagte Moriyasu. Den zweiten Treffer schoss Mitoma kurz vor dem Abpfiff, aber auch drei oder vier Tore wären angesichts der beeindruckenden Überlegenheit der Mannschaft möglich gewesen. Moriyasu ist „zuversichtlich“, dass sein Team sogar „noch besser“ wird, Deutschland könnte also ein ähnlich schwieriger Start ins WM-Turnier bevorstehen wie 2018, als die Auftaktpartie mit 0:1 gegen Mexiko verloren ging und schon nach der Vorrunde Schluss war.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Zweite Senat beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe.

          Coronafonds der EU : Karlsruhe muss die Demokratie schützen

          Der Europäische Gerichtshof feiert Jubiläum, aber das Bundesverfassungsgericht wird weiterhin dringend gebraucht. Denn Europa soll kein Staat werden.
          Karl Lauterbach (zweiter von links) präsentiert die Arbeitsergebnisse der Regierungskommission für Krankenhäuser.

          Pläne für Krankenhausreform : Karl Lauterbachs Klinikrevolte

          Eine Regierungskommission schlägt vor, Fallpauschalen zurückzufahren und lieber Vorhaltekosten zu übernehmen. Die Länder und die Selbstverwaltung wurden dazu nicht gefragt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.