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Deutscher Traumstart : Die richtigen Lösungen gefunden

Högschde Freude: Dieses 4:0 ist ein Erfolg, den sich der Bundestrainer gut schreiben konnte Bild: dpa

Aus den vielen Fragezeichen um Personal und Positionen machen die Deutschen in Salvador da Bahia ein großes Ausrufezeichen! Dieses 4:0 kann sich auch der Bundestrainer gutschreiben.

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          Der großen Ungewissheit um die deutsche Mannschaft ist ein WM-Start gefolgt, wie er besser kaum sein konnte. Aus den vielen Fragezeichen, die sich um Personal und Positionen in den vergangenen Wochen und Monaten angehäuft hatten, machten die Deutschen in Salvador da Bahia ein großes Ausrufezeichen. Einen Start in die WM gegen die Nummer vier der Welt schon mit drei Toren in der ersten Halbzeit war der Stoff, von dem selbst kühne Optimisten kaum zu träumen gewagt hatten. Dem ersten Ziel, die schwierige Gruppe mit Ghana und den Vereinigten Staaten zu meistern, ist der WM-Dritte schon nach der Premiere ein gutes Stück näher gekommen.

          Unter den glühend heißen äußeren Umständen war dieses 4:0 auch ein Erfolg, den sich der Bundestrainer gutschreiben konnte, der mit so vielen verschiedenen Veränderungen an Spielern und System im Vergleich zur WM-Qualifikation am Ende weit mehr erreichte, als man erwarten und erhoffen konnte. Der Schachzug, das Spiel im defensiven Mittelfeld nach Guardiola-Art um Lahm zu strukturieren, erwies sich als eine ganz richtige Schlüssel-Entscheidung in der Zentrale des deutschen Spiels. Aus dem altbekannten 4-2-3-1-System wurde so eine 4-3-3-Formation mit einer guten Mischung aus Ballzirkulation und schnellem Spiel in die Spitze. Auch die überraschende Variante, mit Götze das spielerische und offensive Glück zu suchen, war taktisch eine feine Antwort auf die große Herausforderung zum Auftakt. Torgefahr entstand so gegen die Portugiesen immer wieder auch ohne zentralen, klassischen Angreifer. Die Balance zwischen Offensive und Defensive, nach der das Team zuletzt vergeblich gesucht hatte, war allerdings zwar meist gewahrt, aber auch in Überzahl nicht immer vorhanden.

          Aber all diese vielen erfreulichen Erkenntnisse sind nach diesem ersten deutschen WM-Feiertag nur begrenzt belastbar. Mit dem Platzverweis nach dem Kopfstoß Pepes und einem 2:0 im Rücken war die Partie von der 37. Minute an schon entschieden. Die ganz große Belastungsprobe für die erstmals in einem Pflichtspiel auch mit vier Innenverteidigern aufgelaufene deutsche Elf fiel damit für die letzte Stunde aus. Sie wird noch kommen.

          An dem Premierentag, an dem so vieles stimmte, war von Beginn an auch das Spielglück auf deutscher Seite. Aber das gehört bei einer WM eben auch dazu, wenn man Erfolg haben will. Der Elfmeter, dem Götze nach seinem Zweikampf zugesprochen wurde, wird wohl nicht immer gepfiffen. Und dass eine deutsche Mannschaft nach einem Eckball zu einem Treffer kommt, war auch keine Selbstverständlichkeit.

          Bis zur Roten Karte hatte Portugal viel versprechende Möglichkeiten, aber dieses Spiel dennoch auf den richtigen Weg gebracht zu haben, war ein erstes Anzeichen für Widerstandskraft und Behauptungswille, den das deutsche Team noch brauchen wird. So konnte man in der zweiten Halbzeit, als die Partie schon entschieden war, und Boateng bei einem Freistoß von Ronaldo trotzdem ungerührt den Kopf hin hielt, auch dies als Zeichen von Widerstandswille begreifen, nicht nachlassen und nachgeben zu wollen. Diese Fähigkeit auch in Phasen der Überlegenheit nicht zu verlieren, wird in Brasilien noch viel wichtiger werden als all die Chancen und Kombinationen, nachdem die Entscheidung schon gefallen war.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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