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Elfmeter-Krimi gegen Spanien : Der Held Marokkos heißt Bono

Auf Händen getragen: Bono sichert sich seinen Platz in der Fußballgeschichte Marokkos. Bild: dpa

Große Überraschung in Qatar: Marokko bezwingt Spanien und zieht erstmals ins WM-Viertelfinale ein. Torwart Bono wird im Elfmeterschießen zum Helden. Spanien trifft kein einziges Mal.

          3 Min.

          Auf dem Fußballfeld wollen die Spanier ständig die Kontrolle haben. So wurden sie 2008 Europameister. So wurden sie 2010 Weltmeister. So wurden sie 2012 wieder Europameister. Die meisten Figuren aus dieser Generation, die das Spiel dominierte, sind mittlerweile weg, aber die spanische Grundidee ist immer noch da: Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle. Das führte die Spanier in den Konflikt, den sie an diesem Dienstag im Dezember 2022 austragen mussten: Sie spielten gegen eine Mannschaft, die man schwer kontrollieren kann. Und sie verloren, als nichts mehr zu kontrollieren war.

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Auf dem Fußballfeld wollen die Marokkaner das Chaos kreieren. Sie haben gemerkt, dass sie den größtmöglichen sportlichen Schaden anrichten können, wenn sie den Gegner mit ihren schnellen Außenspielern überrumpeln. Auf der linken Seite sind das Noussair Mazraoui (FC Bayern) und Sofiane Boufal (SCO Angers). Auf der rechten Seite Achraf Hakimi (Paris Saint-Germain) und Hakim Ziyech (FC Chelsea). Und wenn die Marokkaner den Ball nicht haben, kombinieren sie ihre Geschwindigkeit mit einer gewissen Körperlichkeit. Aus sportlicher Sicht könnte man deswegen sagen: Sie sind das Anti-Spanien.

          Fußball-WM 2022

          Das Anti-Spanien gewann das Achtelfinale gegen Spanien. Und das mit einer passenden Pointe: Im Elfmeterschießen, der einen Disziplin des Spiels, die man kaum kontrollieren kann, verschossen alle Spanier. Die Marokkaner, die in den 120 Minuten davor im Education City Stadium in Doha gegen den großen Gegner ein 0:0 erreicht hatten, machten das besser. Sie versenkten drei von vier Versuchen – und dürfen am Samstag im Viertelfinale spielen.

          „Ich würde alle Schützen noch einmal so auswählen. Den Einzigen, den ich wechseln würde, wäre Bono, den Torwart des Gegners.", gab Spaniens Trainer Luis Enrique später zu Protokoll. Routinier Busquets befand: „Es war wirklich grausam, wie wir verloren haben. Wirklich grausam“. Und weiter: „Das war eine marokkanische Wand. Wir haben die Lücke gesucht, aber nicht gefunden. Wir hatten einfach Pech.“

          In der ersten Halbzeit schufen die Marokkaner das Chaos. Am auffälligsten war Boufal, der spätestens seit diesem Dienstag nicht mehr lange für seinen kleinen Klub in Frankreich spielen dürfte. Er leitete die meisten Gelegenheiten ein – und die größte. In der 42. Minute tanzte er einen Spanier im Strafraum aus und flankte den Ball in die Mitte, wo Innenverteidiger Nayef Aguerd ihn übers Tor köpfte.

          Spanien sucht die Lücke

          Und die Spanier? Sie taten sich sehr schwer. In einer Situation konnte man besonders gut sehen, wie sehr sich diese Marokkaner an diesem Abend wehrten. Es waren 25 Minuten gespielt, als der Ball in ihren Strafraum rauschte. Und auch wenn der Spanier Ferran Torres, den der Ball erreichte, deutlich im Abseits stand, schmissen sich der marokkanische Torhüter Bono und Mittelfeldspieler Sofyan Amrabat mit Leidenschaft in den Weg, als Gavi und danach Torres aufs Tor schossen. Den ersten Versuch lenkte Bono mit der Hand an die Latte. Den zweiten lenkte Amrabat mit dem Bein ins Aus. Dann hob der Schiedsrichterassistent seine Fahne. Doch da bebte das Stadion, in dem die Marokko-Fans in der Mehrheit waren, schon.

          In der zweiten Halbzeit sicherten sich die Spanier dann aber doch noch die Kontrolle. Man sah fast Minute für Minute, wie die Innenverteidiger Aymeric Laporte und Rodri in der Hälfte Marokkos den Ball von links nach rechts und rechts nach links passten. Sie versuchten die Lücke zu finden, die sich in der Nachspielzeit nur durch Freistöße auftat.

          Beim einen köpfte der eingewechselte Stürmer Álvaro Morata übers Tors, beim anderen lenkte Bono den Dani-Olmo-Schuss neben das Tor. Und zwischen den zwei Chancen erlitten die Spanier einen kurzen Kontrollverlust. Genauer gesagt: Unai Simón, ihr Torhüter. Er wollte einen Rückpass stoppen – schaffte das nicht. Er reagierte aber schnell genug, um den Ball klären zu können. So ging’s in die Verlängerung rein.

          Sarabia scheitert kunstvoll

          Dort war die spanische Kontrolle wieder weg. In der 104. Minute hatte der eingewechselte Walid Cheddira die beste Gelegenheit des Spiels. Er lief allein auf Unai Simón zu, schoss aber so schwach, dass Unai Simón abwehren konnte. Es ging hin und her, eine typische Verlängerung.

          In der 120. Minute stand der Spanier Pablo Sarabia nach einer Flanke frei am zweiten Pfosten. Aus sehr spitzem Winkel schoss er den Ball kunstvoll aufs Tor – und gegen den Pfosten. So endete dieses Spiel für die Spanier in dem Format, in dem man Kontrolle nicht mehr garantieren kann: Elfmeterschießen.

          Das sah man dann – die Pointe wurde nur noch besser – nicht beim ersten Schuss der Marokkaner, als Abdelhamid Sabiri den Ball versenkte, sondern beim ersten Schuss der Spanier, als Sarabia den Pfosten traf. Und man sah es dann auch noch beim zweiten Schuss der Marokkaner (Ziyech traf) und beim zweiten Schuss der Spanier (Carlos Soler traf nicht).

          Und man sah es dann tatsächlich auch noch beim dritten Schuss Spanier, den der große Stratege Sergio Busquets so schwach schoss, dass Bono ihn mühelos parieren konnte. Dann trat Hakimi an und traf. Und die marokkanischen Fans durften die Kontrolle verlieren.

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