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Cacau im WM-Interview : „Man muss seine Seele verkaufen“

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„Brasilien, Spanien oder Deutschland“: Cacau nennt drei persönliche WM-Favoriten Bild: Getty Images

Der Stuttgarter Fußballprofi Cacau spricht im Interview über Politik und Protest vor der Weltmeisterschaft in seinem Heimatland, den Handel mit brasilianischen Talenten und die neue deutsche Unordnung.

          Was denken Sie so kurz vor der Fußball-WM über Ihr Heimatland Brasilien? Werden wir Chaos sehen, Demonstrationen überall? Oder kommt es doch noch zur großen Samba-WM-Party?

          Ich wäre zu optimistisch, wenn ich sagen würde, alles wird ganz toll. Ich habe ein zwiespältiges Gefühl. Einerseits bin ich Fußballfan und hoffe auf eine spannende WM mit interessanten Spielen und großen Emotionen. Auf der anderen Seite schmerzen die Bilder, die um die Welt gehen, mit gewalttätigen Auseinandersetzungen auf der Straße und Planungschaos bei den Stadien. Aber es ist ja auch gut, dass sich das politische System in Brasilien damit entlarvt.

          Wie meinen Sie das?

          Die Regierenden dachten, sie könnten die Bevölkerung mit dieser WM ruhigstellen und von den vielen sozialen Problemen ablenken. Dieses Vorhaben ist misslungen. Das finde ich positiv. So geht es nicht weiter in Brasilien.

          Manche Politiker in Ihrem Geburtsland verweisen darauf, dass Brasilien eben doch noch ein Entwicklungsland ist. Haben wir in Europa die falsche Perspektive?

          Als ich vor fast 15 Jahren von Brasilien wegging, waren wir wirklich noch ein Entwicklungsland. Heute ist das etwas anders. Deshalb wirkt es eher wie eine schwache Entschuldigung, wenn jemand so etwas sagt. Brasilien hatte sieben Jahre Zeit, sich auf das Turnier vorzubereiten. In Südafrika ging das ja auch. Einen vernünftigen Plan, eine seriöse Finanzierung und geordnete Bauvorhaben müssen doch in einem Schwellenland wie Brasilien möglich sein. Aber die Politiker haben versagt, sich nur selbst in Szene gesetzt, statt der Gemeinschaft zu dienen. Dass man in sieben Jahren für die WM nicht die gesamte Infrastruktur des Landes modernisieren kann, ist doch klar. Aber da wurden falsche Versprechungen gemacht.

          Was passiert, wenn die brasilianische Nationalelf frühzeitig aus dem Turnier ausscheiden sollte? Versinkt die WM dann im Chaos, weil die Wut der Leute noch größer wird?

          Dieses Szenario ist unvorstellbar. Aber ich glaube nicht, dass die Leute dann durchdrehen. Sie würden meckern, sagen, dass sie es ja schon gewusst hätten, und die Stars beschimpfen. Andersherum befürchten viele, wenn Brasilien den Titel holen sollte, dass dann die täglichen Probleme in den Hintergrund treten und alles wieder toll wäre. So wie in der Karnevalszeit, wenn die Menschen sich im Trancezustand befinden, dann sind ihre Sorgen auch weit weg. Egal wie die brasilianische Nationalmannschaft bei der WM abschneidet: Es wäre schade, wenn nach dieser WM alles so weitergehen würde und auch politisch keine Konsequenzen gezogen würden.

          Zu besten Zeiten: Cacau als deutscher Nationalspieler an der Seite von Podolski (links) und Gomez Bilderstrecke

          Wären Sie auch zum Protest auf die Straße gegangen, wenn Sie noch in Brasilien lebten?

          Könnte ich mir gut vorstellen. Es gibt ja genug Gründe: zu hohe Fahrkartenpreise im Nahverkehr oder das schlechte Schulwesen. Deshalb ist zu erwarten, dass es Demonstrationen gibt. Ich wünsche mir aber, dass während der WM keine Gewalt auf den Straßen angewendet wird. Ich hoffe, die Polizei reagiert besser als während des Confederations Cup und behält einen kühlen Kopf. Andererseits kann man nie wissen, ob sich da nicht Leute unter die Demonstranten mischen, die Gewalt provozieren, um den Protest zu diskreditieren. Die meisten, die auf die Straße gehen, sind aber normale, friedliebende Menschen.

          Sie könnten mit Protesten während der WM also gut leben.

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