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Tag des Eröffnungsspiels : Auch die WM des Volkes hat begonnen

Flammender Protest: Eine mit Panini-Bildern beklebte Puppe brennt Bild: David Klaubert

Die Fußball-Weltmeisterschaft hat nicht nur im Stadion von São Paulo begonnen: Rund ums Stadion gibt es die erwarteten Proteste. Aber auch der Ball rollt außerhalb des offiziellen Grüns - bei der „WM des Volkes“.

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          Nicht einmal eine Minute nach Anpfiff der Weltmeisterschaft fällt das erste Tor – für die Müllmänner. Sie laufen jubelnd zusammen. Einer schnappt sich einen Besen, dann schunkeln sie ihren Müllmännertanz. Aus Boxen scheppert treibende Musik. Das Publikum johlt. Zwei-, dreihundert sind es, die um den Bolzplatz zusammengekommen sind.

          David Klaubert
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Es ist der Morgen vor dem Eröffnungsspiel der Fifa-Weltmeisterschaft. Keine vier Kilometer von hier wird bald das Eröffnungsspiel zwischen Brasilien und Kroatien angepfiffen, im nagelneuen Itaquerão, einem Stadion mit Marmortreppen. Die Müllmänner und ihre Gegner, die U-Bahnfahrer, spielen auf rauem Beton. Sie spielen das Eröffnungsspiel der „Copa do povo“, der „Weltmeisterschaft des Volkes“. Sie findet am Rand eines riesigen Areals statt, das Anhänger der Obdachlosenbewegung MTST und Familien aus angrenzenden Favelas vor gut einem Monat besetzt haben. Tausende Baracken aus Sperrholz und schwarzen Plastikplanen reihen sich aneinander, dazwischen schmale Gassen aus Lehm.

          Kampf um „Titel des Volkes“

          In den vergangenen Wochen haben die Aktivisten des „Movimento dos Trabalhadores sem Teto“, der „Bewegung der Arbeiter ohne Dach“, die Proteste in São Paulo dominiert. Zehn- bis zwanzigtausend Demonstranten brachten sie auf die Straßen, zogen bis zum Itaquerão-Stadion. Anfang dieser Woche stimmten nun die Regierung von Präsidentin Dilma Rousseff und die Regierung des Bundesstaates São Paulo den Forderungen der Besetzer zu. Das zuvor brachliegende Gelände soll von öffentlicher Hand gekauft und Wohnungen für 2000 Familien sollen gebaut werden.

          Mannschaftsfoto: Zwei Teams bei der „WM des Volkes“ Bilderstrecke
          Mannschaftsfoto: Zwei Teams bei der „WM des Volkes“ :

          Zur Feier dieses Sieges, aber auch als Protest gegen die Weltmeisterschaft der Fifa kämpft ein gutes Dutzend Mannschaften an diesem Morgen um den „Titel des Volkes“. Zur Eröffnung singen sie „Fifa geh nach Hause“ und andere Parolen. Eine mit Panini-Bildchen beklebte Puppe wird mit Benzin übergossen und angezündet. Dann wird gekickt, gezaubert, gefoult und gejubelt. Ein Freudenfest des Fußballs.

          „Ich liebe Fußball“, sagt Rafael Santana, einer der Müllmänner. Er trägt ein leuchtend gelbes Brasilientrikot. „Ich werde auch die Nationalmannschaft anfeuern“, sagt er. „Ich habe nichts gegen die Fußballweltmeisterschaft. Ich habe etwas gegen die Art und Weise, wie sie gemacht wird.“

          Keine Verbesserungen durch die WM

          „Für diesen Megaevent wurden riesige Summen ausgegeben, von denen letztlich nur die großen Bauunternehmen profitieren, die wiederum die Politiker finanzieren“, sagt Daniel Rodrigo de Carvalho, MTST-Aktivist. Die angrenzende Favela Jardim Helian etwa warte schon seit Jahren auf ein Minimum an medizinischer Versorgung. Verbesserungen habe auch die so nahe durchgeführte Weltmeisterschaft für das Viertel nicht gebracht.

          Das Eröffnungsspiel am Abend, Brasilien gegen Kroatien, sagen die meisten der Teilnehmer und Fans der „Copa do povo“,  wollten sie sich trotzdem anschauen. Vielleicht in einer Bar in der Nähe. Oder übers Radio anhören. Strom gibt es in den Plastikhütten auf dem besetzten Gelände nicht.

          Polizei verhindert Protest

          Kompromissloser sind die Parolen der Demonstranten, die an diesem Vormittag etliche Kilometer weiter an einer U-Bahn-Station zusammenkommen. „Não vai ter Copa“, steht auf ihren Transparenten, „Es wird keine WM geben“. „Wir brauchen dieses Event nicht, wir brauchen weder diese Stadien noch die Touristen.“ Sie wollen auf der großen Zubringerstraße zum Itaquerão-Stadion protestieren. Doch die Polizei verhindert das.

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