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Russland gegen ARD-Experte : „Was will ein Mensch, der mit Dreck wirft?“

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ARD-Doping-Experte Hajo Seppelt darf nicht zur WM 2018 nach Russland. Bild: Picture-Alliance

Journalist Hajo Seppelt trug zur Aufdeckung des Doping-Systems in Russland bei und erhält kein Visum für die Einreise zur Fußball-WM. Nun verteidigt ein russischer Politiker die Entscheidung mit scharfen Worten.

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          Ein russischer Sportpolitiker hat die Verweigerung eines Visums für den ARD-Journalisten und Doping-Experten Hajo Seppelt zur Fußball-WM mit scharfen Worten verteidigt. Seppelt wolle die Reise zur Weltmeisterschaft nur nutzen, um Russland zu verleumden und sich selbst daran zu bereichern, sagte der Abgeordnete Dmitri Swischtschow der Agentur R-Sport am späten Freitagabend in Moskau. „Was will ein Mensch, der mit Dreck wirft, mit unbestätigten Fakten arbeitet und in Russland nur das Negative sucht?“, kommentierte das Mitglied des Sportausschusses in der Staatsduma. „Soll er doch die WM im Fernsehen anschauen. Wenn er objektive Filme über Russland macht, sind wir immer bereit, ihm ein Super-Visum auszustellen, mit mehrfacher Einreise und für ein Jahr“, sagte Swischtschow.

          Die ARD hatte zuvor berichtet, dass Russland ihrem Mitarbeiter das Visum für die Fußball-WM vom 14. Juni bis 15. Juli verweigert habe. Eine Stellungnahme Moskaus lag zunächst nicht vor. In Deutschland löste die Verweigerung des Visums heftige Kritik aus. Seppelt ist durch seine Beiträge zum Thema Doping bekannt geworden, die seit 2009 im Ersten ausgestrahlt werden. Er trug damit maßgeblich dazu bei, das russische Doping-System aufzudecken. Moskau hat Vorwürfe immer wieder dementiert. Swischtschow sagte, dass zur WM zahlreiche ausländische Fans erwartet würden. Dies seien Menschen, die einfach Fußball schauen und herausfinden wollten, was das echte Russland ist. „Leute, die mit uns befreundet sein wollen, empfangen wir immer herzlich“, sagte er.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          DFB-Präsident Reinhard Grindel sieht nach der Verweigerung des Visums für Seppelt den Weltverband Fifa in der Verantwortung. „Ich habe volles Vertrauen, dass die Fifa jetzt ihren Einfluss geltend macht, damit Herr Seppelt ungehindert aus Russland berichten kann“, sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes am Samstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Die Fifa hat erklärt, dass Herr Seppelt eine Akkreditierung erhalten habe. Die Fifa hat betont, welchen hohen Stellenwert die Pressefreiheit für sie hat.“

          Die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, Dagmar Freitag, kritisierte die Verweigerung eines Visums für Seppelt heftig und nahm ebenfalls den Weltverband in die Pflicht. „Ich bin gespannt, wie Herr Infantino jetzt darauf reagiert. Schließlich gibt die Fifa ja vor, die Einreise von Journalisten zur WM ermöglichen zu wollen“, sagte die SPD-Politikerin am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Die Fifa mit ihrem Präsidenten Gianni Infantino hatte tags zuvor bestätigt, Seppelt die Akkreditierung für das WM-Turnier gewährt zu haben. „Wir streben immer an, Medienvertretern die besten Voraussetzungen zur Berichterstattung über alle Fifa-Turniere zu bieten“, hatte der Weltverband mitgeteilt.

          Via Facebook hatte Dagmar Freitag, die auch Mitglied des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag ist, die Entscheidung Russlands als „nicht nur völlig ungerechtfertigt, sondern geradezu skandalös“ bezeichnet. Die Tatsache, dass Seppelt das russische Dopingsystem ans Licht gebracht habe, werde ihm jetzt offenbar zum Verhängnis, sagte Freitag. „Einmal mehr macht das Vorgehen der russischen Behörden aber deutlich, was es für den Sport bedeutet, internationale Topveranstaltungen an Staaten zu vergeben, in denen Meinungs- und Pressefreiheit bestenfalls auf dem Papier existieren“, kritisierte die Sportausschuss-Vorsitzende. Auch die Bundesregierung hatte die Entscheidung Russlands scharf kritisiert.

          Die Bundesregierung kritisierte das russische Einreiseverbot für Seppelt ebenfalls scharf. Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Stephan Mayer (CSU), sagte dem ARD Hauptstadtstudio am Freitag: „Ich persönlich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass die russische Regierung entschieden hat, Hajo Seppelt, einen der unbestritten profiliertesten Sportjournalisten Deutschlands, nicht zur Fußballweltmeisterschaft einreisen zu lassen.“ Dies sei ein „denkbar schlechter Vorbote für eine objektive und unabhängige Berichterstattung im Rahmen der Fußballweltmeisterschaft“, sagte Mayer, der im Bundesinnenministerium für den Bereich Sport zuständig ist. Er forderte Russland auf, diesen Schritt rückgängig zu machen.

          Auch die Organisation Reporter ohne Grenzen zeigte sich empört über die Entscheidung. „Vor dem Hintergrund von Hajo Seppelts kritischen Russland-Recherchen müssen wir davon ausgehen, dass es sich um eine politische Entscheidung handelt“, erklärte Geschäftsführer Christian Mihr in Berlin. Der Weltverband Fifa müsse sich dafür einsetzen, dass Seppelt zur WM-Berichterstattung nach Russland einreisen könne. Seppelt selbst zeigte sich nicht überrascht über die Entscheidung. „Offenkundig hat die Aufdeckung des Staatsdoping-Systems so große Tragweite, dass Russland glaubt, solche Maßnahmen ergreifen zu müssen“, sagte er dem Sportinformationsdienst (SID). Dies spreche für sich. „Man darf gespannt sein, ob die Fifa, die den Zugang zu ungehinderter Berichterstattung über ihr Turnier gewährleisten muss, sich dieser Sache annehmen wird.“ Seppelts Film „Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht“ hatte die Aufdeckung des russischen Dopingskandals zur Folge.

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