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WM-Kommentar : Siehe da, der Videobeweis funktioniert

  • -Aktualisiert am

Auch beim Duell zwischen Spanien und Iran funktionierte die technische Hilfe. Bild: Reuters

In der Bundesliga wurde der Videobeweis zum Ärgernis. Das ließ für die WM Schlimmstes befürchten. Doch es kam anders. In Russland ist die technische Hilfe eine Bereicherung – und das sogar ohne große Testphase.

          Diese Weltmeisterschaft ist zwar erst eine Woche alt, aber von den ersten Prognosen kann man sich schon einmal getrost verabschieden. Nein, diese Vorrunde wird offensichtlich doch nicht der erwartete Spaziergang für die Favoriten. Nein, diese WM wird nicht wieder so einfach an Cristiano Ronaldo vorbeilaufen – der Portugiese ist offenbar gewillt, diesmal wie in der Champions League als Dauer-Torschütze aufzufallen. Vier Tore in zwei Spielen sind schon einmal eine beachtliche Quote.

          Fussball-WM 2018

          Die größte Fehleinschätzung aber galt jenen Beteiligten, die im besten Fall nicht auffallen sollten und zu diesem Zweck diesmal auch noch unsichtbare Unterstützung erhalten haben. Die Schiedsrichter, bei allen Weltmeisterschaften ein immer wiederkehrendes Dauerthema, haben bislang außerordentlich gute Leistungen gezeigt, egal, wo auch immer sie herkamen und in welchen Ligen sie normalerweise tätig sind. Und der Videobeweis, vom dem viele annahmen, durch seine überstürzt wirkende Einführung auch bei Weltmeisterschaften sei das endgültige Ende dieser technischen Neuerung nun schon wieder nah, erweist sich überraschenderweise als Bereicherung – und nicht als Ärgernis wie in so manchem Bundesligaspiel der vergangenen Saison.

          Weniger ist oft mehr – das gilt auch in diesem ganz speziellen Fall. Man weiß nicht genau, wie Pierlugi Collina, der Chef der Schiedsrichter-Kommission des Internationalen Fußball-Verbandes, das geschafft hat – vielleicht hat in den Vorbesprechungen ein hypnotisierender Blick aus seinen weit aufgerissenen Augen gereicht, mit dem er früher die Stars auf dem Platz auch immer zur Räson brachte –, aber in Russland funktionierte bislang, was in der Bundesliga zum nervigen Dauerthema geworden war. Der Videobeweis wird nur spärlich eingesetzt, wird nur so verwendet, wie er laut Definition auch in der Bundesliga vorgesehen war – nur bei absoluten Fehlentscheidungen. Und siehe da, es funktioniert.

          Von seinem Schrecken, den er in seiner Testsaison in der Bundesliga verbreitet hatte, hat der Videobeweis in den ersten Tagen in Russland einiges verloren. Natürlich fühlt sich, wer schon glaubte, Glück gehabt zu haben, und dann via Fernsehbilder doch noch überführt wurde, fast immer benachteiligt und zetert. Collina würde da vermutlich lässig abwinken und nur einmal böse gucken. So wie er seine Schiedsrichter offenbar gut geschult hat für die Aufgabe auf der größten Fußballbühne der Welt, so hat er wider Erwarten auch das richtige Gespür für dieses technische Hilfsmittel entwickelt. Und das sogar ohne große Testphase für alle Beteiligten – für einige seiner Mitarbeiter auf dem Rasen und vor dem Fernsehschirm ist es tatsächlich ein Sprung ins kalte Wasser, den sie bislang mühelos bewältigt haben. Beispielsweise entscheiden sie nicht mehr vorschnell auf „Abseits“, weil man dies unmittelbar nach einem Tor sehr rasch überprüfen kann.

          Collina, sechsmal Weltschiedsrichter in seiner aktiven Zeit, war immer für seine mitunter eigenwilligen Regelauslegungen bekannt und für den Anspruch, dass ein Schiedsrichter ein Spiel auch lesen müsse. Seinen Video-Mitarbeitern muss er das auf die Schnelle beigebracht haben. Sie fallen nicht auf alles herein, was da an Schauspielkunst auf dem Rasen geboten wird, mag der Darsteller auch noch so berühmt sein. Und was im deutschen Pokalfinale für viel Gesprächsstoff sorgte, als den Bayern ein Elfmeter verweigert wurde, ist offenbar Collinas Credo bei dieser WM: Ursache und Wirkung müssen zusammenpassen.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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