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WM-Titel 2018 : Die dritte französische Fußball-Republik

Mit gerade 19 Jahren ist Kylian Mbappe schon Weltmeister. Bild: AFP

„Das ist das Frankreich, das wir lieben“: Die „Équipe Tricolore“ zeigt bei der WM eine machtvolle Demonstration und holt den Titel. Und das muss noch längst nicht alles gewesen sein.

          Gut, wer über einen Schirm verfügte im Moskauer Wolkenbruch am Sonntagabend. So wie Wladimir Putin. Der russische Präsident konnte dank freundlicher Hilfe von oben die Siegerehrung trockenen Hauptes vornehmen. Andere hingegen kamen nicht in den Genuss dieses Privilegs, so dass Emmanuel Macron und Kolinda Grabar-Kitarović, die Staatschefs Frankreichs und Kroatiens, völlig durchnässt auf dem Spielfeld des Luschniki-Stadions standen. Sie ließen sich das Vergnügen davon aber nicht im Geringsten verderben. So, wie eine Weile später auch Macrons Landsmann Didier Deschamps.

          Fussball-WM 2018

          Ob er etwas kommen sah, als er im Pressekonferenzraum Platz nahm? Wenn, dann jedenfalls bestimmt nicht das, was tatsächlich über ihn hereinbrach. Die Erstürmung einer Pressekonferenz besitzt im Fußball ja mittlerweile eine gewissen rituellen Charakter, aber es gibt auch da Unterschiede. Die französischen Spieler jedenfalls, allen voran Paul Pogba, veranstalteten einen gehörigen Zauber, sie sangen, tanzten wie wild auf dem Tisch, kickten den Dekorations-Ball in die Runde – und natürlich wurde Deschamps einer kräftigen Dusche aus verschiedensten Flaschen unterzogen. Und als alles vorbei war – kam die zweite Welle. „On va tout casser“, sangen sie im Scherz, „wir werden alles zerbrechen“, und: „C’est pas fini“ – „es ist noch nicht zu Ende“.

          Letzteres passte nicht nur für den Moment ziemlich gut. Denn wenn man diese Mannschaft so vor sich sah, nicht halbnackt auf den Tischen, sondern in seriöser Montur auf dem Platz, dann konnte man sich gut vorstellen, dass es das noch lange nicht gewesen ist mit diesem WM-Titel, den sie da am Sonntagabend in Moskau so enthusiastisch feierten. Deschamps, der nach der unfreiwilligen Dusche bemerkte, dass er sich jetzt drei Mal umgezogen habe und immer noch schlecht rieche, sprach über vieles in diesem Moment des Triumphes. Über den Stolz auf seine Mannschaft vor allem und wie sehr er sich für sie freue. Über die besondere mentale Verfassung der Spieler, die diese WM rundherum mit der richtigen Einstellung angegangen seien. Über das Vorbild, das von dieser Mannschaft hoffentlich für die jungen Menschen im Land ausgehe.

          Er deutete aber auch an, was viele dachten während der vergangenen Wochen in Russland: Dass für die Franzosen eine große Ära erst begonnen haben könnte. Deschamps sprach von den „14 Spielern, die auf einer Abenteuerreise waren“, jenen im Kader also, für die es die erste WM in ihrer Karriere war, und er sprach davon, dass sie „in zwei oder in vier Jahren noch besser sein werden“.

          Davon ist auszugehen. Die Franzosen hatten mit einem Schnitt von 26 Jahren noch eine junge Mannschaft in Russland, mit England die jüngste aller Teams im Viertelfinale, die prägenden Spieler werden auch in Zukunft weiter dabei sein, und in Kylian Mbappé verfügen sie nun über den jüngsten Spieler seit Pelé, der ein Finaltor bei einer WM geschossen hat. Der 19 Jahre alte Angreifer besiegelte den französischen Erfolg mit seinem Treffer zum 4:1 in der 65. Minute. Zuvor war die „Équipe Tricolore“ in einem letztlich mitreißenden, spektakulären Finale durch ein Eigentor von Mario Mandzukic nach einem Freistoß in Führung gegangen (18. Minute).

          Ivan Perisic konnte noch einmal ausgleichen (28.). Doch Antoine Griezmann mit einem verwandelten Handelfmeter nach Videobeweis (38.) – eine harte, aber regelkonforme Entscheidung –, Pogba (59.) und eben Mbappé (65.) sorgten für klare Verhältnisse. Klarer, als es auf dem Platz eigentlich aussah. Die Kroaten waren ein aufgeweckter und angriffslustiger Gegner. Aber sie sind eben auch Weltmeister der Effizienz, die Franzosen, denen das Geschenk ihres Torwarts Hugo Lloris an Mandzukic zum 4:2 (69.) nicht mehr wehtat.

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