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2:1 gegen Australien : Argentinien zittert sich ins WM-Viertelfinale

  • -Aktualisiert am

Lionel Messi schoss gegen Australien sein neuntes Tor bei einer Weltmeisterschaft. Bild: EPA

Im Achtelfinale gegen Australien ist Lionel Messi der entscheidende Mann. Beim 2:1-Sieg seines Teams macht er sein 1000. Pflichtspiel. Aber Messi ist nicht alles, was Argentinien bei dieser WM zu bieten hat.

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          Argentinien hat Lionel Messi, natürlich. 35 Jahre alt ist der Fußball-Weltstar inzwischen. Am Samstag in ar-Rayyan im Westen von Doha, machte er im Achtelfinale der Weltmeisterschaft gegen Australien sein 1000. Spiel als Profi. Und er war, wieder mal, der entscheidende Mann. In einer ereignisarmen ersten Halbzeit reichte ein Geniestreich Messis, um seine Mannschaft auf den rechten Weg zu führen.

          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Aber Argentinien hat inzwischen eben auch einen Alexis Mac Allister, 23, einen Julián Álvarez, 22, oder einen Enzo Fernández, 21. Álvarez legte nach der Pause das 2:0 nach. Dass Australien durch einen abgefälschten Fernschuss durch Craig Goodwin noch zum 2:1 kam, änderte nichts daran, dass die Südamerikaner im Viertelfinale am kommenden Freitag (20.00 Uhr MEZ im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM) auf die Niederlande treffen, die sich mit 3:1 gegen die USA durchgesetzt hatten.

          Diese neue Generation der Albiceleste wird auch nötig sein, wenn Messi bei seiner letzten WM den Traum vom Titel verwirklichen will. Zumal am Samstag mit Ángel Di María der andere große ältere Name mit einer Blessur am Oberschenkel zuschauen musste.

          Fußball-WM 2022

          Die erste Spielhälfte war sonderbar. Die Argentinier ließen sehr viel vermissen, was ein Team, das in Qatar um den Titel spielen möchte, haben sollte. Tempo vor allem, hier tat das Fehlen von Di Mariá besonders weh. Aber auch Ideen, hier konnte zunächst auch Messi nicht weiterhelfen. Die Australier, fußballerisch ohne die Klasse der Argentinier, setzten auf ihren Stil. Sie stellten sich dem vermeintlich übermächtigen Gegner als Mannschaft entgegen. Das klappte. Nach einer guten halben Stunde indes machten sie einen Fehler, der nicht sofort ersichtlich wurde, sich aber wenig später als fatal herausstellen sollte.

          Denn die vielen argentinischen Fans im Ahmed-bin-Ali-Stadion, die schon lange vor dem Spiel ihr Repertoire an Gesängen zum Lautesten gegeben hatten, waren erstaunlich ruhig geworden ob der gehemmten Vorstellung ihrer Spieler. Dann legte sich Aziz Behich an der Seitenlinie mit Messi an. Bei einem dessen seltenen Versuche, sich an einem Ballgewinn zu beteiligen, rannte der Australier mit dem Ball ins Aus, riss dabei Messi am Trikot. Das fand der gar nicht lustig und schubste Behich.

          Argentiniens Julian Alvarez (rechts) trifft zum 2:0 gegen Australien – Lionel Messi freut’s.
          Argentiniens Julian Alvarez (rechts) trifft zum 2:0 gegen Australien – Lionel Messi freut’s. : Bild: AFP

          Die durch diese Aktion erweckten argentinischen Fans waren außer sich und plötzlich in Stimmung. Keine Minute später lag der Ball im Tor (35. Minute). Messi bekam ihn nach einem Freistoß zurück, passte zu Mac Allister, der zu Nicolás Otamendi, der zu Messi prallen ließ. Der wiederum schob mit links flach in die linke Ecke ein. Es war eines dieser typischen Messi-Tore, die er beim FC Barcelona so oft erzielte. Die Ekstase war groß – und die langatmigen Phasen der Partie vergessen. Es war, man mag es kaum glauben, Messis erstes Tor bei einer WM, das nicht in der Gruppenphase fiel. 

          Nach der Pause hatte die Partie deutlich mehr Verve. Dann halfen die Australier wieder dem Gegner auf die Sprünge. Nicht mit einer Rauferei, sondern mit zu großem Risiko. Nach einem Rückpass geriet Mathew Ryan unter Druck. Rodrigo de Paul konnte er noch ausweichen, dem nachrückenden Álvarez aber nicht mehr. Der spitzelte dem Torwart den Ball vom Fuß und schob ein (57.). Danach gehörte die große Bühne wieder vor allem Altmeister Messi, der mit einem Dribbling durch die gegnerische Defensive beeindruckte, aber noch gestoppt wurde, und den argentinischen Fans, die wieder laut sangen. Da wippte sogar der auf der Bank zuschauende Di María im Takt mit.

          Eins Schuss von Australiens Craig Goodwin wird abgefälscht und landet im Tor der Argentinier.
          Eins Schuss von Australiens Craig Goodwin wird abgefälscht und landet im Tor der Argentinier. : Bild: AFP

          Doch die Australier gaben nicht auf und wurden belohnt. Als Goodwin auf der Ferne einfach abzog, traf sein Ball Fernández – und flog von dort am verdutzten Schlussmann Emiliano Martinez vorbei ins Tor (77.). Plötzlich waren die Männer aus „Down under“ wieder obenauf und versuchten alles. Behich hatte sich offenbar von Messi abgeschaut, wie man die halbe gegnerische Mannschaft ausdribbelt, und versuchte es auch einmal. Mit Erfolg. Fast.

          Der eingewechselte Lisandro Martínez warf sich mit einer Grätsche so gerade noch in die Schussbahn (81.). Genauso groß war die Chance in der letzten Szene vor Abpfiff, als Garang Kuol aus der Drehung abzog, aber Torwart Martínez mit dem ausgestreckten Arm famos rettete. Er begrub den Ball danach unter sich, während sich zwei Mitspieler vor Erleichterung auf ihn warfen. Der Rest war eine Party in himmelblau und weiß vor dem Fanblock. „Wir hätten noch ein Tor mehr machen können – zur Sicherheit. Aber wir haben es geschafft, das ist die Hauptsache“, sagte Messi und mahnte: „Wir müssen weiter zusammenstehen, jetzt wird es nicht leichter.“ 

          Die australischen Fußballer, in der Heimat hinter Cricket, Australian Football und Rugby maximal die vierte Geige, kämpften leidenschaftlich, verpassten aber den erstmaligen Einzug unter die acht besten Teams. Das zweite WM-Achtelfinale nach 2006 bleibt für die „Socceroos“ dennoch ein Erfolg. „Wir können stolz sein. Ich hoffe, dass wir den Menschen Freude bereitet haben“, sagte Jackson Irvine vom Zweitligaklub FC St. Pauli.

          Der argentinische Jahrgang 2022, so viel haben die vier WM-Spiele gezeigt, ist Messi und mehr. Der Star traf bei der überraschenden Auftaktniederlage gegen Saudi-Arabien und beim wichtigen Sieg über Mexiko im zweiten Spiel. Aber er verschoss auch einen Elfmeter gegen Polen in der finalen Partie der Vorrunde. Gegen Mexiko legte Fernández mit einem Traumtor nach, gegen Polen regelten es Mac Allister und Álvarez, der nun auch gegen Australien im Achtelfinale erfolgreich war. Es ist eine erfolgsversprechende Mischung, die die Argentinier beisammen haben bei dieser Kampagne.

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