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Niederlage gegen Portugal : Uruguay vor letztem Gruppenspiel unter Druck

  • -Aktualisiert am

Uruguays Rodrigo Bentancur hockt nach dem Spiel gegen Portugal enttäuscht am Boden. Bild: dpa

Nach der 0:2-Niederlage gegen Portugal rückt die K.-o.-Runde bei der WM für Uruguay in weite Ferne. Es fehlt ein zuverlässiger Torschütze. Eine abseitige Szene sorgt in der Partie für Aufsehen.

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          Im fahnenfroh geschmückten Block der „Aficionados“ aus Uruguay hing auf der Seite eine eher unauffällige Flagge. Ganz schlicht, schwarze Buchstaben auf himmelblauem Hintergrund. Nur zwei Worte, Ausdruck einer fernen Sehnsucht: „Asado y Vino“ stand da, Grillen und Wein. Die Zeit in Qatar scheint den Besitzern der Fahne arg zuzusetzen. Grillgut ist wahnsinnig teuer und Wein, nun ja. 

          Grillen und Wein sind fester Bestandteil der Kultur Uruguays, so wie der Fußball. Alles gehört zusammen. Gewinnt die Nationalmannschaft, schmecken Asado und Vino noch besser, aber der Genuss kommt gerade zu kurz für die Uruguayer.

          Gegen Portugal hieß es 0:2 (0:0), vor dem letzten Gruppenspiel am Freitag steht die Selección gewaltig unter Druck. Gegen Ghana muss gewonnen werden, dazu darf Südkorea nicht höher gegen Portugal gewinnen (beide Spiele um 16.00 Uhr MEZ im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM, in ARD/ZDF und bei MagentaTV). Die Portugiesen können es dagegen etwas ruhiger angehen lassen, sie sind nach zwei Siegen sicher für das Achtelfinale qualifiziert.

          Fußball-WM 2022

          Dass der Sieg Portugals verdient war, darüber bestand kein Zweifel. Fraglicher dagegen war, wer das erste Tor geschossen hatte. Es fiel nämlich so: Bruno Fernandes schlug von der linken Strafraumkante eine Flanke in den Strafraum in Richtung von Cristiano Ronaldo. Der stieg zum Kopfball hoch und als der Ball im Tor lag, rannte er überschwänglich los und ließ sich feiern.

          Ob er ihn aber berührt hatte, ist so schwer zu beantworten wie die Frage, wer der beste Fußballer in der Geschichte Portugals ist. Eusebio oder Ronaldo? Auch diverse Wiederholungen brachten keinen Aufschluss, signifikant die Flugbahn verändert hatte Ronaldos Zutun jedenfalls nicht. Im Stadion wurde Bruno Fernandes als Torschütze angezeigt, was zu hörbarem Unmut unter all jenen führte, die es mit Ronaldo halten. Und das sind in Qatar viele. Neben Lionel Messi und Neymar gehört er vor allem unter den südostasiatischen Fans zu den beliebtesten Persönlichkeiten dieser WM.

          Fussball-WM 2022

          Nach dem Führungstor der Portugiesen hatte Ronaldo zunächst gejubelt und sich feiern lassen, als Torschütze wurde aber Fernandes angesagt. Dessen Hereingabe berührte Ronaldo in der Mitte nicht mehr. Der später ausgewechselte Offensivspieler verpasste es zumindest vorerst, Portugals WM-Torrekord von neun Treffern von Eusebio zu egalisieren.

          Mehr als vier Jahre nach dem 2:1 von Uruguay im Achtelfinale von Russland standen in Qatar erneut die Routiniers Pepe und Edinson Cavani im Fokus. 2018 hatten beide als Torschützen geglänzt, nun kamen sie in Qatar zu ihren Startelf-Debüts. Portugals Pepe ist mit 39 Jahren, neun Monaten und zwei Tagen nun sogar der drittälteste Feldspieler der WM-Geschichte.

          Die Frage nach dem Torschützen muss sich niemand in Uruguay stellen. Anderseits ist sie die dringendste, die es zu beantworten gilt. Auch im zweiten Spiel blieb die Mannschaft ohne Torerfolg, offensiv läuft wenig zusammen. Und wenn, dann sind es meist Einzelaktion. So wie der wunderbare Sololauf von Rodrigo Bentancur Mitte der ersten Halbzeit. Nachdem er mehrere Gegenspieler stehengelassen hatte, scheiterte er an Portugals Torwart Diogo Costa.

          Die Aktion hätte aus ästhetischen Gründen Erfolg verdient gehabt, so wie der Distanzschuss von Facundo Pellistri (75.), aber der klatschte an den Pfosten. Schon gegen Südkorea war Uruguay zwei Mal am Aluminium verzweifelt. Pellistris Schuss war der Auftakt einer Schlussoffensive, es versuchten sich Giorgian de Arrascaeta und Luis Suarez. Beide erfolglos. Uruguay fehlt ein zuverlässiger Torschütze. Die alten Helden haben ausgedient, das wird immer ersichtlicher.

          Nachdem sich Suarez im ersten Spiel von Beginn an versuchen durfte, war es dieses Mal Edinson Cavani, der den Vorzug erhielt. Auch ihm gelang wenig. Statt Uruguay zum Ausgleich kam Portugal zum zweiten Treffer. Bruno Fernandes verwandelte einen sehr fragwürdigen Handelfmeter, José Gimenez hatte den Ball im Fallen an die Hand bekommen. Dieses Mal war es eindeutig sein Treffer. Portugal wären in der Nachspielzeit beinahe weitere Treffer gelungen, Grillgut und Wein hätten aus Sicht der Uruguayer ohnehin nicht geschmeckt.

          Ein Flitzer läuft beim WM-Spiel zwischen Portugal und Uruguay mit Regenbogen-Flagge und Botschaften auf dem T-Shirt über den Rasen.
          Ein Flitzer läuft beim WM-Spiel zwischen Portugal und Uruguay mit Regenbogen-Flagge und Botschaften auf dem T-Shirt über den Rasen. : Bild: AP

          Flitzer mit Regenbogenfahne und mehreren Botschaften bei WM-Spiel

          Ein Flitzer mit einer Regenbogenfahne ist bei der Fußball-WM in Qatar während des Vorrunden-Spiels zwischen Portugal und Uruguay auf das Spielfeld gelaufen. Der Mann wurde in der 51. Minute des Spiels von zwei Ordnern gestoppt und aus dem Innenraum des Lusail Stadions geführt. Schiedsrichter Alireza Faghani aus dem Iran brachte die Fahne vom Spielfeld. „Ich hoffe, dass dem Jungen nichts passiert“, sagte Portugals Spieler Rúben Neves nach dem Spiel. „Wir alle haben seine Botschaft verstanden, die ganze Welt.“

          Der Flitzer verband mit nur einer Aktion mehrere politische Botschaften. Auf der Vorderseite seines Superman-T-Shirts stand „Save Ukraine“, auf dem Rücken „Respect for Iranian Woman“. Möglicherweise suchte sich der Mann dafür gezielt dieses Spiel aus, weil der Schiedsrichter aus dem Iran stammt, wo das Regime seit Wochen versucht, eine massive Protestbewegung zu unterdrücken.

          Der Regenbogen wiederum ist das Symbol für die LGBTQI*-Gemeinschaft. LGBT ist die englische Abkürzung für lesbisch, schwul, bisexuell und Transgender. Jeder Buchstabe steht für die eigene Geschlechtsidentität oder die sexuelle Orientierung.

          Homosexualität ist im WM-Gastgeberland Qatar verboten und wird mit bis zu sieben Jahren Gefängnis bestraft. Im Zuge des Turniers wird deshalb weltweit über die Sicherheit der LGBT-Community in Qatar diskutiert. (dpa)

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