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Übersteiger : Der italienische Weg

Der Übersteiger: Die FAZ.NET-Fußball-Kolumne - auch zur WM Bild: fem

Italien ist Weltmeister. Und wir haben es schon vorher gewußt. Im Rückblick ist Italien kein glanzvoller, aber ein schlüssiger Weltmeister. Probleme wurden elegant aus dem Weg geräumt, ohne sich selbst die Hände schmutzig zu machen. Nach Art des Hauses.

          Italien ist Weltmeister. Wie 1982, schlecht gestartet, am Ende unschlagbar. Und wir haben es schon vorher gewußt. Prognose: Italien wird Weltmeister. Warum? Ausgerechnet die Analysten einer Schweizer Großbank hatten sich schon Ende April auf Italien als Gewinner der WM festgelegt. Nach eingehender statistischer Untersuchung, wie es damals hieß.

          Läßt da das System Moggi grüßen? Immer alles vorher berechnen, das erspart die Ungewißheit des Spielausgangs. Im Rückblick ist Italien kein glanzvoller, aber ein schlüssiger Weltmeister. Probleme wurden elegant aus dem Weg geräumt, ohne sich selbst die Hände schmutzig zu machen. Nach Art des Hauses. Langfristig droht vielleicht der Staatsanwalt, vielleicht auch nicht. Zwar wird der italienische Liga-Fußballskandal dieser Tage verhandelt. Aber wir wollen ja die WM betrachten.

          Schlüsselrollen für Materazzi und Cantalejo

          In der Vorrunde mit dem Ellenbogen im Gesicht die Amerikaner klein gehalten. De Rossi leistete sich eine brutale Tätlichkeit gegen McBride und ging für vier Spiele vom Feld, doch den unerfahrenen Amis unterliefen anschließend dumme Fouls, und sie kassierten gleich zwei Platzverweise gegen Mastroeni und Pope. Erst den Fußball-Streit angefangen und schließlich doch in Überzahl agiert (siehe: WM-Statistik: Italiener sind die Schwalbenkönige)

          Den Tschechen fehlte im entscheidenden Spiel der Vorrundengruppe E gegen Italien ihr Torjäger Jan Koller - vorher war er auf ein unebenes Stück Rasen getreten. Knieverletzung. Tut uns leid.

          Warum traf die Schweiz nicht gegen die Ukraine?

          Im Achtelfinale dann ein neuer Platzverweistrick. Materazzi, von dem noch zu hören sein wird, ließ sich nach einem mäßig schweren Foulspiel mit Rot vom Feld schicken, die Australier konnten aber keinen Nutzen daraus ziehen. Im Gegenzug mußte der spanische Schiedsrichter Medina Cantalejo, über den später noch einmal zu sprechen sein wird, in der fünften Minute der Nachspielzeit einen Strafstoß für Italien geben, weil Grosso über Gegenspieler Neill stolperte. Totti verwandelte kaltherzig.

          Die Ukraine war ein leichter Gegner im Viertelfinale, da sie zuvor den größten Erfolg ihrer Verbandsgeschichte gegen die Schweiz feierte. Hat sich eigentlich noch nie jemand gefragt, warum die Schweizer keinen einzigen Elfmeter im Tor unterbrachten?

          Argentinier Cruz und Cufre spielen in Italien

          Dem schweren Halbfinalgegner Deutschland wurde am Grünen Tisch ihr bester Spieler und die Ruhe innerhalb der Mannschaft gestohlen. Frings mußte gegen Italien zuschauen, weil der Argentinier Cufre (spielt beim AS Rom) nach dem Viertelfinale eine Rudelbildung auslöste und Frings sich gegen Cruz (Inter Mailand) zur Wehr setzte. Frings wurde im Nachhinein gesperrt. Grosso, der schon über den Australier Neill gestolpert war, traf in der 119. Minute gegen Deutschland.

          Im Finale war dann Frankreich die klar bessere Mannschaft. Doch Italien hatte seinen Materazzi. Erst verschuldet er einen Elfmeter (um den Gegner in Sicherheit zu wiegen), dann trifft er zum Ausgleich, und während der ganzen Zeit nervt er Zinedine Zidane so lange, bis der ausrastet (Bildergalerie: Zidane „Zierde des französischen Sports“). Keiner hat's gesehen (außer ein paar Kameraleuten). Nur der vierte Schiedsrichter petzt. Seine Name: Medina Cantalejo, der Elfmeter-Entscheider aus dem Achtelfinale.

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