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Trinidad & Tobago 2:0 bezwungen : Englands Sieg an den Haaren herbeigezogen

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Nicht geglänzt, aber gewonnen Bild: REUTERS

Der selbsternannte Titelfavorit England hat sich mit einem 2:0-Sieg gegen Trinidad und Tobago ins Achtelfinale der Fußball-WM gequält. Dabei war das 1:0 von Crouch irregulär, da er seinem Gegenspieler Sancho vor dem Kopfballduell an den Haaren gezogen hatte. Gerrard sorgte für den 2:0-Endstand.

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          Der selbst ernannte Titelfavorit England hat sich mit einer schwachen Leistung gegen den Fußball-Zwerg Trinidad und Tobago ins Achtelfinale der Fußball-WM gequält. Peter Crouch mit einem Kopfballtor (83.) und Steven Gerrard mit einem sehenswerten Fernschuß (90.+1) sorgten mit ihren Toren erst spät für den 2:0 (0:0)-Sieg am Donnerstag in Nürnberg.

          Englands Führungstreffer war allerdings ein Foulspiel vorausgegangen. Wie das ZDF nach einem Hinweis des Österreichischen Rundfunks (ORF) anhand von Bildern nachwies, zog Torschütze Peter Crouch vor seinem Kopfball zum 1:0 in der 83. Minute seinen Gegenspieler Brent Sancho an den Haaren. Der „Rasta-Man“ konnte deswegen nicht zum entscheidenden Kopfballduell hochsteigen.

          Schwede Eriksson will gegen die Schweden gewinnen

          Vor 41.000 Zuschauern im ausverkauften Franken-Stadion präsentierten sich die Engländer, bei denen Wayne Rooney sechseinhalb Wochen nach seinem Fußbruch sein von den Fans gefordertes und gefeiertes Comeback als Einwechselspieler feierte, zu keiner Zeit in WM-reifer Verfassung. Im Achtelfinale trifft der Weltmeister von 1966 nun entweder auf Deutschland oder auf Ekuador.

          Nicht geglänzt, aber gewonnen Bilderstrecke
          Trinidad & Tobago 2:0 bezwungen : Englands Sieg an den Haaren herbeigezogen

          „Wir geben nie auf - das ist unsere Botschaft an alle“, sagte Kapitän David Beckham. „Viele haben geglaubt, daß würde heute leicht werden, aber wir wußten: Das wird eine ganz enge Kiste. Wir haben uns bis zum Schluß reingehängt und dann das Spiel ordentlich beendet.“ Sein Gegenüber Dwight Yorke war trotz der Niederlage mit der Leistung seines Teams zufrieden: „Wenn man so enorm viel arbeiten muß wie wir, kommt irgendwann der Punkt, wo sie das Tor schießen. Aber ich denke, unsere Leistung kann sich trotzdem sehen lassen.“

          Sven-Göran Eriksson, der schwedische Nationaltrainer Englands, sagte: „Jetzt wollen wir auch den Gruppensieg. Wir haben so lange nicht mehr gegen Schweden gewonnen, jetzt ist es Zeit dafür.“ Sein Kollege Leo Beenhakker, Nationaltrainer von Trinidad und Tobago, meinte: „Es ist immer hart, wenn man als Außenseiter so lange durchhält und dann so spät noch die entscheidenden Tore kassiert. England hatte den Sieg natürlich verdient. Jetzt müssen wir abwarten, welche Möglichkeiten wir noch haben, weiter zu kommen.“

          Insgesamt wirkte England ideenlos und träge

          Nach der enttäuschenden Leistung beim 1:0 gegen Paraguay taten sich die Engländer auch gegen den krassen Außenseiter äußerst schwer. Die langen Bälle, die vor allem Beckham auf die Stürmer - den schnellen Michael Owen und den langen Peter Crouch - schlug, waren nicht genau genug. Die erste Möglichkeit ergab sich nach einem 25- Meter-Schuß von Lampard, den Torwart Shaka Hislop abprallen ließ. Doch Owen war zu überrascht, um die gute Chance zu nutzen (6.). Effektiver waren die Angriffe über die starke linke Seite, wo Joe und Ashley Cole gut harmonierten und - anders als das hoch gelobte zentrale Mittelfeld mit Lampard und Gerrard - Akzente setzten.

          Nach einer Flanke von Joe Cole kam Crouch an den Ball, scheiterte aber aus kurzer Distanz an Hislop (16.). Insgesamt wirkte England ideenlos und träge. Dazu gingen die Stürmer mit ihren Möglichkeiten allzu sorglos um. Die beste Gelegenheit vergab wiederum Crouch, der nach einer Beckham-Flanke viel zu überhastet abschloss (43.). Trinidad und Tobago überzeugte erneut durch eine aufmerksame Defensivarbeit.

          Ausgerechnet Crouch erlöste England

          In der Offensive allerdings hielten sich die „Soca Warriors“ lange zurück. Gefährlich waren sie bei Standardsituationen, um die sich stets der 34 Jahre alte Kapitän Dwight Yorke kümmerte. Nach einem Eckball segelte Englands Torhüter Paul Robinson am Ball vorbei, doch Stern John verfehlte mit seinem Kopfball knapp das Ziel (36.). Kurz vor der Pause das gleiche Spiel: Robinson patzte, Stern John köpfte, und John Terry mußte auf der Linie retten. Die rund 25.000 Fans der Engländer verabschiedeten ihr Team mit Pfiffen und „Rooney“-Sprechchören in die Pause.

          Sven-Göran Eriksson hatte den Hoffnungsträger schon nach einer knappen halben Stunde zum ersten Mal zum Aufwärmen geschickt. Nachdem Owen mit einem Kopfball nur um die Zentimeter die Führung verpaßte (56.), war es dann so weit: 47 Tage nach seinem Fußbruch betrat Hoffnungsträger Rooney den WM-Rasen (58.); er ersetzte den enttäuschenden Owen. Tatsächlich wurde das Spiel der Engländer etwas lebendiger, auch weil der zugleich eingewechselte Aaron Lennon auf der rechten Seite für Schwung sorgte. „Ich bin sehr froh, daß Wayne Rooney wieder fit ist und spielen kann, aber er ist natürlich noch nicht bei 100 Prozent“, sagte Eriksson.

          Doch an der katastrophalen Chancenauswertung änderte sich nichts. Selbst der erfahrene Lampard scheiterte völlig frei vor Hislop (77.). Die Engländer mußten lange zittern, ehe der zuvor äußerst unglückliche Crouch doch noch per Kopf traf. Mit dem zweiten Treffer durch Gerrards Fernschuß fiel der Sieg gegen die wacker kämpfenden Underdogs allerdings zu hoch aus.

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