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Tor oder kein Tor? : Fifa lehnt Videobeweis weiter ab

  • Aktualisiert am

Umstrittene Szene: Der Ball ist hinter der Linie, doch der Schiedsrichter gibt das Tor nicht Bild: REUTERS

Der Weltverband Fifa bleibt beim klaren Nein zum Videobeweis im Fußball, obwohl Schiedsrichter Archundia beim WM-Spiel Frankreich gegen Südkorea (1:1) dem zweiten Treffer der Franzosen zu Unrecht die Anerkennung verweigerte.

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          Der Weltverband Fifa bleibt beim klaren Nein zum Videobeweis im Fußball. „Das wollen wir nicht“, erklärte Fifa- Mediendirektor Markus Siegler am Montag in Berlin. Dennoch wolle sich die Fifa neuen technologischen Möglichkeiten zum Tor-Beweis nicht verschließen. „Sonst hätte das Experiment mit dem Chip-Ball nicht stattgefunden“, sagte Siegler.

          Neu entfacht wurde die Diskussion um den Videobeweis durch das WM-Spiel Frankreich gegen Südkorea (1:1), als Schiedsrichter Benito Archundia aus Mexiko beim Stand von 1:0 dem zweiten Treffer der Franzosen die Anerkennung verweigerte. Den Kopfball von Patrick Vieira rettete Südkoreas Torwart Lee Won-Jae eindeutig hinter der Linie, doch der Referee ließ weiterspielen. „Es ist schade, daß die Fifa beim größten Turnier der Welt nicht alle Hilfsmittel hernimmt, um festzustellen, ob ein Tor gefallen ist“, kritisierte Frankreichs Trainer Domenech.

          Auch Argentinien wurde ein Treffer nicht gegeben

          Die Franzosen seien immer ein Vorreiter für den Videobeweis gewesen, ergänzte Domenech: „Und jetzt ist uns ein weiteres Argument geliefert worden. Wir haben das zweite Tor geschossen, der Schiedsrichter hat es nicht gegeben - ja, wir sind hintergegangen worden.“

          Schon beim Spiel Argentinien gegen Elfenbeinküste (2:1) hatte es eine ähnliche Situation gegeben, als Torwart Jean-Jacques Tizie den Kopfball des Argentiniers Roberto Ayala erst hinter der Linie aufgehalten hatte. Auch Schiedsrichter Frank de Bleeckere (Belgien) hatte den Treffer damals nicht gegeben.

          Chip-Ball noch nicht hundertprozentig zuverlässig

          Quer stellt sich vor allem Joseph Blatter. „Solange ich Fifa-Präsident bin, wird es keinen Videobeweis geben. Das Spiel muß sein menschliches Gesicht behalten, und dazu gehören eben auch Fehler“, betont er immer wieder, „wenn der Fußball wissenschaftlich wird, verliert er seine Faszination.“

          Dennoch hat der Schweizer Versuche mit dem Chip im Ball bei der U-17- Weltmeisterschaft im September 2005 in Peru zugelassen. „Wenn es zu hundertprozentig funktioniert hätte, hätte man den Chip-Einsatz bei der WM in Deutschland geprüft“, sagte Siegler.

          Kamera-System an der Torlinie wird geprüft

          Leider konnte der vom Erlanger Frauenhofer Institut für integrierte Schaltungen und Cairos Technologies erfundenen Chip, mit dem die Position des Balles auf dem Spielfeld mittels Hochfrequenz- Signalen exakt zu bestimmen sein soll, die Erwartungen noch nicht voll erfüllen. „Der Test war nicht schlecht, aber nicht wasserdicht. Deshalb mußten wir uns gegen die Einführung entscheiden, alles andere wäre unverantwortlich gewesen“, sagte Siegler.

          Die Fifa will aber am Ball bleiben, was den Treffer-Beweis angeht. „Jede Technik, die mit Toren zu tun hat, behalten wir im Blick“, erklärte Angel Maria Villar Llona (Spanien), Vorsitzender der Fifa-Schiedsrichterkommission. Vielleicht hilft ein vom italienischen Verband der Regel-Kommission der Fifa im März vorgestelltes Projekt weiter. „Bei dem Vorschlag ging es um ein Kamera-System, mit dem festgestellt werden kann, ob ein Ball die Torlinie passiert hat oder nicht“, berichtete Siegler.

          Merk würde technische Hilfe begrüßen

          Einen Durchbruch in Sachen technischer „Hilfs-Schiri“ würde der deutsche Fifa-Referee Markus Merk jedenfalls begrüßen: „Wir Schiedsrichter haben den Chip im Ball nie abgelehnt. Solche Hilfsmittel wünschen wir uns seit dem Wembley-Tor von 1966.“ Videobeweise existieren bereits in einer Reihe von Sportarten wie American Football, Eishockey, Fechten, Turnen und als Test auch im Tennis. Videobeweis in anderen Sportarten

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