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Juve-Skandal : Nationalspieler Blasi angeklagt

  • -Aktualisiert am

Schwere Tage für Marcello Lippi und die Nationalelf Bild: dpa/dpaweb

Im italienischen Fußball-Skandal brechen weitere Dämme. Nun ist mit dem nicht für die WM nominierten Jungnationalspieler Manuele Blasi erstmals ein Spieler als Zeuge vorgeladen worden und hat das Verhör als Angeklagter wieder verlassen.

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          Während sich Italiens Nationalmannschaft ins zentrale Leistungszentrum von Coverciano bei Florenz zurückgezogen hat, will verständlicherweise keine Vorfreude auf die Weltmeisterschaft aufkommen. Denn die ermittelnden Staatsanwaltschaften im Skandal um systematische Manipulation der Serie A lassen nicht locker. Nun ist mit Jungnationalspieler Manuele Blasi - nicht im Kader für die Titelkämpfe - erstmals ein Spieler als Zeuge vorgeladen worden und hat das Verhör als Angeklagter wieder verlassen.

          Als momentaner Kernpunkt erweist sich die Zusammenarbeit zwischen der Spielervermittlung Gea World, zu deren Kunden auch Blasi gehörte, und Davide Lippi, dem Sohn des Nationaltrainers. Während der Filius vor den Staatsanwälten erklären muß, wie er sich mit seinen ausgezeichneten Kontakten die Dienste von Spielern von Juventus Turin gesichert hat, muß der Vater verzweifelt an einem guten Betriebsklima für die WM arbeiten und sich nebenbei gegen Vorwürfe verteidigen, er habe Spieler von Gea World protegiert.

          „Ein Albtraum“

          Italiens Nationalspieler haben sich angesichts dieser Zwangslage geschworen, "die eigene Haut teuer zu verkaufen". Gleichzeitig wurden noch rigidere Regeln für den Umgang mit den Medien erlassen: Kein noch so kurzes Gespräch wird ohne Mitschnitt des Fußballverbandes erfolgen, ansonsten herrscht - auch im Trainingslager von Duisburg - komplette Informations- und Kontaktsperre. "Ein Albtraum", kommentierte die Turiner "Stampa" die eisige Atmosphäre.

          Unter Verdacht: Juve-Profi Manuele Blasi (l.)
          Unter Verdacht: Juve-Profi Manuele Blasi (l.) : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          Passend dazu bläst dem neuen Interimspräsidenten von Italiens Fußballverband nun auch der politische Wind ins Gesicht. Guido Rossi, als Wirtschaftsanwalt und Anhänger von Inter Mailand ein uralter Rivale von Silvio Berlusconi, wurde sofort vom abgewählten Ministerpräsidenten angegriffen: Man müsse nur die bestehenden Regeln anwenden, um "Moggi-Gate" zu bereinigen. Außerdem sei Rossi ein alter Kommunist und der Beweis, daß die Linke nun auch den Sport okkupiere. Rossi, dem die Nationalmannschaft gerade ein Namenstrikot mit der Nummer 10 überreicht hatte, verteidigte sich: "Die dramatische Situation zeigt, daß wir neue Gesetze brauchen." Warum seien die bestehenden Regeln nicht von den Mächtigen angewendet worden, fragte Rossi mit deutlichem Hinweis auf Berlusconi. Der wiederum erklärte kampfbereit, er werde wieder den Präsidentensessel beim AC Mailand erklimmen, den er als Regierungschef hatte verwaisen lassen.

          Niemand weiß, wie die nächste Meisterschaft gespielt wird

          Auch der neue Justizminister Clemente Mastella schaltete sich mit einer logisch wirkenden Folgerung in die Debatte ein, die täglich durch neue Enthüllungen von Telefonmitschnitten am Zeitungskiosk angeheizt wird. Mit diesen illegalen Veröffentlichungen müsse es ein Ende haben, forderte Mastella. Pikantes Detail: Auch der Minister selbst kommt in den Telefonaten vor; Luciano Moggi bat den katholischen Politiker um einen Gefallen. Der sieht sich damit in Gesellschaft des früheren Innenministers Pisanu, der bei Moggi um Hilfe für abstiegsbedrohte Clubs von seiner Heimatinsel Sardinien bat. Das "System Moggi" ist also in der Politik längst verankert gewesen.

          Während der Schiedsrichter Massimo De Santis, der eigentlich bei der WM hätte pfeifen sollen, nun in den Medien für seinen Jaguar gerügt wird und sich als Mittäter in einer "kriminellen Vereinigung" angeklagt sieht, brechen bei den Ermittlungen gegen den "schmutzigen Fußball" alte Dämme. Erneut steht das Finanzgebaren der früheren Präsidenten der Clubs Lazio und AS Rom, Cragnotti und Sensi, im Scheinwerferlicht der Ermittler. Es geht um genau den Straftatbestand der Bilanzfälschung, den Silvio Berlusconi mit einem Sondergesetz abgeschafft hatte. Indessen weiß niemand, wie die kommende Meisterschaft gespielt wird und wie verheerend die wirtschaftliche Zukunft inkriminierter Vereine, vor allem von Juventus Turin, aussieht.

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