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Italien : Collina soll alles gewußt haben

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Neue Enthüllung: „Collina wußte alles” Bild: AP

Im italienischen Fußballskandal wird jetzt auch der Name des früheren Starschiedsrichters Pierluigi Collina genannt, der lange Jahre als Garant des sauberen Fußballs in dem Land galt.

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          Im italienischen Fußballskandal wird jetzt auch der Name des früheren Starschiedsrichters Pierluigi Collina genannt, der lange Jahre als Garant des sauberen Fußballs in dem Land galt. „Collina wußte alles“, titelte die Zeitung „La Gazzetta dello Sport“ am Sonntag. Nach dem Bericht des Blattes soll der AC Mailand Collina über die Machenschaften des früheren Managers von Juventus Turin, Luciano Moggi, informiert haben. Außerdem sollen die Mailänder versucht haben, Collina einzuspannen, um die Macht Moggis durch eigene Einflußnahme auf Linienrichter einzudämmen.

          Die neuen Enthüllungen aus Mailand bestätigten am Wochenende Moggis Einwirken auf die Auswahl der Schiedsrichter. Er habe die Schiedsrichternamen schon vor der Auslosung gekannt, erzählte Carlo Ancelotti, der frühere Trainer von Juventus Turin, seinem neuen Arbeitgeber AC Mailand. In abgehörten Telefongesprächen mit Milans Schiedsrichter-Beauftragtem Leonardo Meani habe Collina dies zunächst als „Angeberei“ abgetan, hieß es. Moggis Manipulationen und die Rolle seines nun für die WM zurückgezogenen Schiedsrichterkollegen Massimo De Santis müßten dem charismatischen Glatzkopf Collina nach Einschätzung von Kennern der Verhältnisse jedoch klargeworden sein.

          Juve bereitet sich auf das Schlimmste vor

          „Wir werden vor nichts und niemandem haltmachen“, versprach der kommissarische Präsident des italienischen Fußballverbands (FIGC), Guido Rossi, am Wochenende. Unterdessen bemühte sich Nationaltrainer Marcello Lippi, seine Mannschaft trotz der Sorgen um seinen ebenfalls von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Rom betroffenen Sohn Davide auf WM-Kurs zu bringen. „Innerhalb von drei Wochen werden die Ermittlungen abgeschlossen sein“, sagte der neue Chef des FIGC-Ermittlungsbüros, Francesco Saverio Borrelli. Der ehemalige Mailänder Oberstaatsanwalt erwartet die Sportgerichtsurteile bis zum 20. Juli, so daß Italien bis zur Auslosung der Europacupwettbewerbe am 27. und 28. Juli noch rechtzeitig seine Mannschaften nominieren kann.

          Daß Rekordmeister Juve dann noch im Lostopf sein wird, glauben immer weniger, der Zwangsabstieg wird von vielen für wahrscheinlich gehalten. „Juve bereitet sich auf das Schlimmste vor“, berichtete „La Gazzetta dello Sport“. Die neue Führung um Giampiero Boniperti plane schon den Ausverkauf der Stars. Nur Kapitän Alessandro Del Piero habe dem Klub auch für die Serie B die Treue geschworen. Trainer Fabio Capello scheint den Fortgang der Ermittlungen abzuwarten, um sich dann zwischen Real Madrid und Juventus Turin zu entscheiden.

          Ermittlungsverfahren gegen Lippis Sohn

          „Moggi war der Hirte und wir die Herde, die fraß, was er uns vorsetzte“, berichtete Nationaltorwart Angelo Peruzzi von Moggis Allmacht. „Wir haben sicher eine besondere Situation“, gab Nationaltrainer Lippi erstmals zu, daß der Fußball-skandal die WM-Vorbereitung störe. „Wir werden eine großartige WM spielen“, gab sich Lippi dennoch optimistisch.

          Neben dem in den Wettskandal verwickelten Torwart Gianluigi Buffon ist er selbst am stärksten vom Skandal betroffen: Die Staatsanwaltschaft Rom eröffnete ein Ermittlungsverfahren gegen seinen Sohn Davide. Als ehemaliger Mitarbeiter der Spielervermittlung GEA soll er Spieler mit Drohungen und Nötigungen zu Vertragsabschlüssen gezwungen haben. Die GEA gehört unter anderen Alessandro Moggi, dem Sohn des im Mittelpunkt des italienischen Fußballskandals stehenden Luciano Moggi. „Er hat ein reines Gewissen“, nahm Lippi seinen Sohn in Schutz. „In diesem Land bist du schon verurteilt, wenn gegen dich ermittelt wird“, klagte Lippi.

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