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Halbfinale : Italien ohne Furcht vor dem neuen Deutschland

  • Aktualisiert am

Für die Tifosi ist klar, wer Weltmeister wird Bild: dpa

„Wir sind kein leichtes Opfer für die Deutschen“, kündigte Italiens Torhüter Buffon nach dem 3:0 über die Ukraine an. Trainer Lippi sagte: „Ich habe erstklassige Spieler auf dem Platz, wahre Champions. Auf diese Mannschaft und ihren Teamspirit kann man nur stolz sein.“

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          Das neue Deutschland flößt der alten Fußball-Großmacht Italien keine Angst ein. „Wir sind kein leichtes Opfer für die Deutschen. Wir haben auch keine Furcht vor der Atmosphäre in Dortmund, so was sind wir gewöhnt“, tönte Torhüter Gianluigi Buffon mit breitem Grinsen. „Jetzt ist alles möglich!“, titelte der „Corriere dello Sport“ nach dem 3:0 der Azzurri gegen die Ukraine.

          Für die Fans ist der WM-Titel schon beschlossene Sache. Wie im Freudentaumel zogen die Tifosi durch die Städte, in Rom ging zeitweise gar nichts mehr. Schon kurz nach 23 Uhr hatten sich überall Verkehrspolizisten in Stellung gebracht, um das Chaos auf den Straßen und Piazzas zu regeln. Zehntausende Auto- und Vespa-Fahrer mit wehenden Nationalflaggen versuchten, das historische Zentrum zu erreichen. Wie seit Jahren üblich, war die Piazza Venezia in der Nähe der Kaiserforen Mittelpunkt der Feiern. „Totti! Totti! Totti!“, riefen die römischen Fans. „Generalprobe für den 9. Juli“, hieß es.

          Die Mannschaft spielt für Pessotto

          Besonders viel Kraft und Motivation schöpfen die Italiener aus dem Bangen um den nach einem Selbstmordversuch weiterhin in Lebensgefahr schwebenden Gianluca Pessotto, Generalmanager beim in den Manipulationsskandal verwickelten Rekordmeister Juventus Turin. „Pessottino, wir sind bei dir“, stand auf einem Transparent, mit dem Buffon und Spielführer Fabio Cannavaro nach dem Schlußpfiff zur italienischen Fankurve liefen und dafür donnernden Applaus ernteten.

          Buffon: „Wir sind kein leichtes Opfer”

          Der Weltmeister von 1934, 1938 und 1982 könnte genau zum richtigen Zeitpunkt in Form gekommen sein, dafür lieferte Lippis Truppe in der Partie gegen den WM-Neuling neue und überzeugende Argumente. Auch ohne den wegen Leistenbeschwerden pausierenden Alessandro Nesta stand die Deckung bemerkenswert stabil, die Raumaufteilung im Mittelfeld stimmte und mit zwei Treffern in der 59. und 69. Minute überwand auch Torjäger Luca Toni seine Ladehemmung. „Natürlich geht es nicht einfach so an einem vorbei, wenn man in der Öffentlichkeit kritisiert wird. Deswegen widme ich meine Tore den Menschen, die immer an mich geglaubt haben“, sagte der Florentiner Stürmer mit viel Pathos in der Stimme.

          Die Statistik ist auf Italiens Seite

          Die Statistik spricht vor dem Halbfinale für die Italiener. Noch nie hat die DFB-Auswahl die „Squadra Azzurra“ bei einer Welt- oder Europameisterschaft bezwungen, die Niederlagen im Halbfinale 1970 in Mexiko (3:4 nach Verlängerung) und im Endspiel 1982 in Spanien (1:3) sind legendär. Trainer Marcello Lippi kann sich kaum vorstellen, daß diese italienische Erfolgsgeschichte nun zu Ende gehen soll: „Ich habe erstklassige Spieler auf dem Platz, wahre Champions. Auf diese Mannschaft und ihren Teamspirit kann man nur stolz sein.“

          Auf der anderen Seite trifft Italien zum dritten Mal in Folge auf den WM-Gastgeber, und scheiterte jeweils. 1998 schied die „Squadra Azzurra“ im Viertelfinale gegen Frankreich nach Elfmeterschießen aus, 2002 beendete ein „Golden Goal“ der Südkoreaner bereits im Achtelfinale die italienischen Träume vom ersten großen Titel nach 1982. Das Spiel am Dienstag gegen Deutschland sei immerhin schon das Halbfinale, sagt Lippi: „Es wird schwer, aber es wird auch für Deutschland schwer.“ Daß die WM-Gastgeber allerdings nicht mehr mit dem Team zu vergleichen sind, das im März in Florenz mit 1:4 unter die Räder kam, dessen ist sich auch Kapitän Cannavaro vollauf bewußt: „Die Karten werden neu gemischt, dieses Ergebnis zählt nichts mehr.“

          Flugausfälle, weil die Bordbesatzung Fußball guckte

          Sport-Kommentatoren waren da optimistischer: „Deutschland, wir werden Dich besiegen!“, titelte der „Corriere dello Sport“ am Samstag in großen Lettern auf der ersten Seite. Während des Spiels gegen die Ukraine, das wieder auf zahlreichen Großleinwänden und in Bars und Cafés übertragen wurde, waren die Restaurants in Rom wie leergefegt - ein ungewöhnliches Bild für einen Freitagabend.

          Wie sehr die Italiener mit ihrem Team fiebern, bekamen auch Hunderte Passagiere auf dem römischen Flughafen Fiumicino zu spüren: Kurz nach Beginn der Partie wurden plötzlich und ohne Vorankündigung fünf Flüge der Gesellschaft Alitalia gestrichen. Die Bordbesatzung sei einfach nicht zum Dienst erschienen, hieß es kleinlaut zur Erklärung für die wütenden Fluggäste.

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