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Fußball-Skandal : Schiedsrichter auf Bestellung

  • Aktualisiert am

Chefermittler Saverio Borelli Bild: dpa

Im italienischen Fußball-Skandal gibt es das erste Geständnis. „Ja, die Schiedsrichter-Auslosungen waren manipuliert“, sagte der Sekretär der Schiedsrichterkommission, Manfredi Martino.

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          Einen Tag vor der WM-Anreise der italienischen Nationalmannschaft gibt es im Fußball-Skandal das erste Geständnis. „Ja, die Schiedsrichter-Auslosungen waren manipuliert“, gab der Sekretär der Schiedsrichterkommission, Manfredi Martino, zu. „Jetzt haben wir einige Erkenntnisse und eine genauere Vorstellung“, sagte der Chefermittler des Fußball-Verbandes (FIGC), Francesco Saverio Borelli, laut einem Bericht der „Gazzetta dello Sport“.

          Das Bild der mutmaßlichen Schiedsrichter-Manipulationen von Juventus Turins früherem Manager Luciano Moggi wird immer klarer, der Zwangsabstieg des Rekordmeisters immer wahrscheinlicher. Damit wächst der Druck auf die Turiner Nationalspieler, für die die WM auf der Suche nach einem neuen Klub zur Showbühne wird.

          Markierte Loskugeln

          „Ich hoffe, daß die italienische Mannschaft mit dem Skandal umgehen kann“, sagte Franz Beckenbauer, für den Italien bis zum Skandal ein Favorit war. „Wenn sie sich konzentrieren können, können sie doch noch weit kommen“, meinte der Präsident des WM-Organisationskomitees, der genauso wie der Weltfußball-Verband (Fifa) und die Europäische Fußball-Union (Uefa) mit großer Sorge nach Italien schaut. Fifa-Chef Joseph Blatter und Uefa-Präsident Lennart Johansson waren am Dienstag abend in München mit dem kommissarischen FIGC-Chef Guido Rossi verabredet, um sich über die jüngsten Ermittlungen informieren zu lassen.

          In Italien sagte Martino aus, daß die Loskugeln von den Schiedsrichter-Koordinatoren Paolo Bergamo und Pier Luigi Pairetto markiert worden seien. Damit bestätigte er die Aussage des früheren Referees Riccardo Pirrone. Moggi wünschte sich die Unparteiischen für Juve-Spiele - die Koordinatoren manipulierten die Auslosung entsprechend.

          Bildung einer kriminellen Vereinigung?

          Noch am Tag des Geständnisses kündigte Rossi an, auch den Schiedsrichter-Verband von zwei externen kommissarischen Leitern führen zu lassen. Damit sind alle entscheidenden Fußball-Institutionen enthauptet. Auch den Liga-Präsidenten Adriano Galliani soll Rossi zum Rücktritt innerhalb eines Monats gedrängt haben. Sollte sich der Verdacht erhärten, daß auch der AC Mailand Schiedsrichter manipuliert hat, müsse Galliani sofort zurücktreten, berichtete die „Gazzetta dello Sport“ am Dienstag. Rossi dementierte dies halbherzig: „Im Gespräch mit Galliani wurden keine Entscheidungen getroffen“, ließ der FIGC verlauten.

          Bei den fünf WM-Spielern des AC Milan wird dies für neue Unruhe sorgen. Unterdessen setzten FIGC-Ermittler Borelli und die Staatsanwaltschaften ihre Verhöre fort. Die Staatsanwaltschaft Turin eröffnete zudem ein neues Ermittlungsverfahren gegen Juve-Funktionäre wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung zum Sportbetrug.

          Wenigstens von der Verletzungsfront gab es für Nationaltrainer Marcello Lippi am Dienstag gute Meldungen: Ultraschall-Untersuchungen bei den verletzten Verteidigern Alessandro Nesta (AC Mailand) und Gianluca Zambrotta (Juventus Turin) ergaben, daß beide für die WM zur Verfügung stehen. „Ich hoffe, daß ich schon gegen Ghana dabei bin“, sagte Nesta trotz seiner Adduktoren-Entzündung. Und Zambrotta soll nach seiner Oberschenkelzerrung zum Amerika-Spiel wieder fit sein.

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