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Fußball : Der englische Fluch trifft Wayne Rooney

Rooneys Traum vom Titel - beendet? Bild: dpa/dpaweb

Immer dieser Mittelfußknochen, immer wieder bei dem einen Spieler, den England zu ersetzen nicht in der Lage scheint: Wayne Rooneys schwere Verletzung ist für das Land vor der WM ein Schock.

          3 Min.

          Es stand 3:0 für den FC Chelsea, die Fans an der Stamford Bridge in London feierten schon zehn Minuten vor Ende des Spiels gegen Manchester United die abermalige Meisterschaft. Da fuhr ihnen, wie ganz Fußball-England, der Schrecken in die Knochen.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Es war kein Gegentor, kein Schiedsrichterpfiff, kein Mißgeschick eines eigenen Spielers - sondern das Gesicht eines Spielers des anderen Teams. Es war der Schrecken und der Schmerz im Gesicht von Wayne Rooney. Man konnte darin lesen, daß etwas Folgenschweres passiert war im eigentlich harmlosen Zweikampf mit Ferreira. Minutenlang blieb der United-Star liegen, wurde dann auf der Trage fortgeschafft. Eine Untersuchung bestätigte die Befürchtungen: In Rooneys rechtem Fuß ist einer der fünf Mittelfußknochen gebrochen.

          Beckham, Neville, Murphy und Rooney

          „Ich sah Wayne dort liegen“, sagte Tord Grip, Assistent von Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson, „und dachte: O nein, nicht schon wieder eine Verletzung vor der WM.“ Immer dieser Mittelfußknochen, immer wieder bei dem einen Spieler, den England zu ersetzen nicht in der Lage scheint. Vor der WM 2002 erwischte es Kapitän David Beckham, der dann bei der WM zwar teilnehmen konnte, aber nicht fit war. Gary Neville und Danny Murphy erlitten dieselbe Verletzung und fielen für die WM aus. Und bei der EM 2004, als Rooney ein sensationelles Turnierdebüt gegeben hatte, mit vier Toren in drei Spielen, erlitt er im selben Fuß wie nun wieder einen Bruch, allerdings an einem anderen der fünf Mittelfußknochen. Damals geschah es im Viertelfinale gegen Portugal, und England schied aus.

          Rooney verletzt am Boden...
          Rooney verletzt am Boden... : Bild: AP

          Immer wieder haben die Engländer bei Welt- oder Europameisterschaften die Zeche bezahlt für ihre lange Saison ohne Winterpause. Eriksson setzte diesmal einen früheren Saisonschluß durch, also längere Erholung und WM-Vorbereitung. Das verheißt mehr körperliche und geistige Frische. Doch gegen Unfälle hilft kein Plan. Grip verglich es mit einem „Fluch“. Denn neben Rooney, der bei der erwarteten Genesungszeit von sechs Wochen genau zu WM-Beginn wieder fit, aber ohne Spielpraxis wäre, macht auch der andere Stürmer Sorgen. Michael Owen bestritt für Newcastle am Samstag sein erstes Spiel nach seinem Fußbruch an Silvester, klagte aber schnell über Beschwerden.

          „Muß ihm jede Chance geben“

          Rooney, dank Dynamik und Schußkraft schon mit 20 Jahren einer der besten Spieler der Welt, scheint fürs englische Team unersetzlich. So erklärte Eriksson, ihn trotz der Verletzung mitnehmen zu wollen - selbst wenn er erst im späteren WM-Verlauf zum Einsatz kommen könnte: „Einem solchen Talent muß man jede Chance geben.“ Das Malheur ändert nach Einschätzung des Schweden nichts daran, „daß England eines der vier oder fünf Teams ist, die den Titel gewinnen können“.

          Rooneys Fehltritt überschattete den Titelgewinn des FC Chelsea, der ohnehin nur eine Frage der Zeit schien. Manchester, letzter Verfolger mit rechnerischer Titelchance, wollte die Entscheidung mit einem Sieg vertagen. Doch schon in der vierten Minute vertrieb ein Kopfballtor von Gallas mögliche Zweifel. Chelsea hat in der Premier League in 74 Spielen unter Trainer Jose Mourinho keine Partie nach eigener Führung verloren. Das blieb auch gegen Manchester so.

          Die Luft wird dünn

          „Wir sind das beste Team in diesem Land und verdienen es“, sagte Mourinho, der seine Meister-Medaille in die Menge warf. Er erklärte allerdings, er habe diese Saison nicht so genossen wie die letzte. Zweimal habe er gar daran gedacht, Chelsea zu verlassen. Die Luft wird dünn in der Gipfelhöhe maximaler Erwartungen. Angesichts der unbegrenzten finanziellen Mittel, mit denen der Klub vom Russen Abramowitsch ausgestattet wird, schrumpfte der Meistertitel zum Minimalziel, zum Pflichtprogramm. Die weiteren Saisonziele erreichte man dagegen nicht, und Mourinhos Ruf als taktisches Superhirn erhielt erste Kratzer. In der Champions League manövrierte ihn Barca-Trainer Rijkaard zweimal deutlich aus. Und im Pokal scheiterte Chelsea an Liverpool, weil Mourinho mit dem Versuch eines flügellosen Angriffsspiels Schiffbruch erlitt. Zudem erhielt das Team des Portugiesen, der sich im vergangenen Jahr mit Provokationen und Beschuldigungen gegen Schiedsrichter Frisk in Europa den Ruf eines Falschspielers erworben hatte, mehr und mehr auch in England ein „schmutziges“ Image - etwa durch die brutalen, versteckten Fouls des Ghanaers Essien oder zuletzt durch eine „Schwalbe“ von Drogba.

          Am Samstag bot Mourinho dem von Rooneys Verletzung gebeutelten Kollegen Eriksson an, seine drei englischen Stars Terry, Lampard und Cole in den beiden letzten Saisonspielen zu schonen und sie vorzeitig in Urlaub zu schicken. „Ich bin bereit, England zu helfen“, sagte Mourinho, „wenn sie glauben, daß es eine Hilfe ist.“ Eine Hilfe für England - und fürs Image des FC Chelsea.

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