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Ein Sommermärchen : Deutsches Fußball-Wunderwerk

Die Stimmung im deutschen Team ist prächtig Bild: dpa

Die deutsche Mannschaft hat beim 2:0-Sieg gegen Schweden eine rauschhafte Renaissance erlebt. Nach dem faszinierenden Wirbelsturm von München mag selbst der Viertelfinalgegner Argentinien niemanden mehr erschrecken. FAZ.NET-Spezial mit Bildergalerie.

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          Nach einer Viertelstunde erhob sich Lars Lagerbäck von der Trainerbank. Seine beiden Assistenten folgten ihm. Krisenbesprechung. Lagerbäck stand wenige Meter vom Spielfeldrand entfernt, und seine Hände klammerten sich an einer Kladde, auf der er seinen Plan festgeklemmt hatte, mit dem er Deutschland hatte besiegen wollte. Seine beiden Helfer rückten ihm nahe, auch sie senkten die Köpfe und starrten auf ein tagelang ausgeklügeltes Papier, das innerhalb weniger Minuten vollkommen wertlos geworden war.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Lagerbäck sah in diesem Moment sehr blaß aus, aber vielleicht sieht der Schwede auch immer so blaß aus. So standen also die drei Trainer für ein paar Augenblicke vor ihrer Bank, blaß und gebeugt, und nachdem sie kurz miteinander gesprochen hatten, entschlossen sie sich, ihren Spielern keine neuen Anweisungen zu geben. Lagerbäck und seine Helfer gingen auf die Ersatzbank zurück.

          Unbändiges, kollektives Draufgängertum

          Die Szene wirkte wie eine Kapitulation. Auch als sich der Wirbelsturm von München, der die Pläne Lagerbäcks in Minuten zerzauste, längst gelegt hatte, wirkte der Trainer noch immer mitgenommen wie von einer Naturgewalt. „Das ist eine gute Frage“, sagt er, als er zu einer Erklärung aufgefordert wurde, was den Schweden in der ersten halben Stunde des Achtelfinals gegen diese Deutschen widerfahren war. „Es war eine Verbindung aus Pech, einer sehr guten deutschen Mannschaft und viel Wille“, sagte Lagerbäck. Mehr fiel ihm noch immer nicht ein.

          Die Stimmung im deutschen Team ist prächtig Bilderstrecke

          Die Überraschung über eine deutsche Mannschaft, die sich in der ersten halben Stunde im Sturm neu erfand und sich mit dem Viertelfinaleinzug gegen Argentinien (Siehe auch: Stimmen zum Gegner: „Wir haben keine Angst“) belohnte, war auch verständlich. Selbst Jürgen Klinsmanns Vorgänger mußten nach dieser Renaissance deutscher Fußballfaszination beim 2:0 gegen Schweden, die sich in zwei Toren von Lukas Podolski (4. und 12. Minute), einem riesenhaften Auftritts Miroslav Kloses sowie eines unbändigen, kollektiven Draufgängertums ausdrückte, tief im Gedächtnis kramen, um entsprechende Vorlagen in der Vergangenheit aufzustöbern.

          Günter Grass: „Die ersten 25 Minuten sind unvergeßlich“

          „Ich habe selten eine so starke deutsche Mannschaft gesehen, vor allem in der ersten Halbzeit“, sagte Franz Beckenbauer, den seine Flitterstunden gleich wieder auf den Fußballplatz geführt hatten, über die nicht nur bessere, sondern beste Hälfte des deutschen Fußballs seit etlichen Jahren. Berti Vogts schwärmte wie so viele andere nach den rauschhaften Momenten gleich in internationalen Dimensionen von einem Auftritt des neuen Deutschland. „In den letzten fünf, sechs Jahren gab es keine Mannschaft, die so gut gespielt hat wie unsere heute in den ersten 45 Minuten. Es hätte auch 5:0, 6:0 stehen können“, sagte Vogts. „Das letzte Mal haben wir so was 1990 beim 4:1 gegen Jugoslawien erlebt - und da wurden wir Weltmeister“, sagte Rudi Völler. Und neben den Fußballgrößen von einst schrieb auch Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass der Nationalmannschaft am Samstag einen herrlichen Satz ins Fußball-Stammbuch: „Die ersten 25 Minuten sind unvergeßlich, ich finde Klinsmanns Fußball wunderbar.“

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