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Ein Sommermärchen : Deutsches Fußball-Wunderwerk

Der deutsche Fußball, ein Gedicht. Lang, lang ist's her, daß Sturm und Drang mit Deutschland, der Heimat der Rumpelfüßler, in Verbindung gebracht wurden. In München aber schien es, als wäre die Mannschaft durch ein unsichtbares Kabel direkt an das Kraftfeld der Fans im Stadion und den deutschen Städten angeschlossen. Der Stolz und die Freude auf dieses kleine Wunderwerk standen den Machern in München ins Gesicht geschrieben.

26 Schüsse auf das schwedische Tor

„Wir sind begeistert von der Mannschaft, wie sie sich reingespielt und top funktioniert hat. Ich kann mich nicht erinnern, daß eine deutsche Mannschaft in der ersten halben Stunde so losgelegt hat“, sagte Bundestrainer Klinsmann. „Man muß sich schon weit zurückerinnern, daß eine deutsche Mannschaft so flüssig und schnell kombiniert hat“, stellte sein Assistent Joachim Löw fest, den Klinsmann am Samstag semantisch schon einmal zum „Partnertrainer“ aufsteigen ließ. „So etwas habe ich in unserer Zeit noch nicht gesehen“, sagte ein von den unvergeßlichen Momenten innerlich noch aufgewühlter Manager Oliver Bierhoff.

Die nüchterne Statistik offenbarte an diesem Tag, an dem die deutsche Fußballfamilie nach den passenden Worten suchte, aber auch ihren ganz speziellen Reiz. 26 Schüsse der Deutschen gingen in Richtung des Tores von Schlußmann Andreas Isaksson, der exzellent hielt und eine höhere Niederlage verhinderte. Zweimal landete der Ball nach Schüssen von Michael Ballack (55.) und Bernd Schneider (85.) am Pfosten. Die Schweden kamen auf gerade fünf Schüsse. 63 Prozent der Spielzeit war Klinsmanns Team, das nach dem Platzverweis gegen Teddy Lucic von der 35. Minute an auch personell voraus war, in Ballbesitz - ein rekordverdächtiger Wert. Ballack zog sich zwar eine leichte Blessur am Fuß zu, doch sie wurde vom DFB am Sonntag als harmlos eingestuft.

Argentinien kann niemanden schrecken

Aber ausgerechnet nach der Roten Karte schlichen sich die ersten Rhythmusstörungen in das deutsche Angriffsprojekt, was aber den grandiosen Auftritt nur im Detail trüben konnte. Auf einmal eröffnete sich in der stabilen deutschen Deckung dem schwedischen Superstar Zlatan Ibrahimovic in Unterzahl eine erste gute Chance. „Der nächste Luftschnapper war dann der Elfmeter, da mußten wir noch mal durchschnaufen“, sagte Klinsmann über den gewaltigen Fehlschuß von Hendrik Larsson in der 53. Minute (vorausgegangen war ein Foul von Metzelder an ihm).

Aber selbst wenn die Schweden noch einmal rangekommen wären, die Deutschen hätten sich nicht mehr von ihrem Weg ins Viertelfinale abbringen lassen. Das sagte und glaubte nicht nur Klinsmann mit felsenfester Überzeugung. Und auch die Argentinier konnten ihm und seinen Spielern nach dem Abenteuerfußball im Achtelfinale keinen Schrecken mehr einjagen, im Gegenteil. „Von Spiel zu Spiel wird unser Hunger größer, nicht kleiner“, kündigte Klinsmann an. „Wir haben die Richtigen beieinander - und die haben noch Großes vor.“

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