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Deutschland gegen Argentinien : Das gefühlte Finale

„Das ist die Gefühlslage, in der sich Weltmeister entwickeln” Bild: picture-alliance/ dpa

Gerade zwei Wochen ist es her. Da wäre ein Duell gegen das argentinische Hochgeschwindigkeitskollektiv als ein völlig unmögliches Unterfangen angesehen worden. An diesem Freitag ist es ein gefühltes Finale - sportlich, psychologisch und perspektivisch.

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          In den vergangenen Tagen öffnete die Nationalmannschaft mal wieder die Pforten des Schloßhotels. Aber natürlich nur für ausgesuchtes Publikum. Franz Beckenbauer begehrte Einlaß. Nachdem er sich zwei Stunden im Quartier bei einer Mannschaft und einem Trainerstab umgeschaut hatte, die dem deutschen Publikum seit drei Wochen das allergrößte Vergnügen bereiten, richtete der Fußball-Kaiser seine salbungsvolle Botschaft an die Nation: „Alle haben einen sehr gelösten, aber auch selbstbewußten Eindruck gemacht. Das ist die Gefühlslage, in der sich Weltmeister entwickeln.“

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Wenn Beckenbauer, der dem Bundestrainer vor wenigen Monaten noch einer schlechten Kinderstube und der Beratungsresistenz zieh, das nationale Fußball-Loblied anstimmt und der Antipode Klinsmann von der außerordentlichen Bedeutung an diesem Freitag gegen Argentinien für die Zukunft des deutschen Fußballs spricht, dann steht ganz offensichtlich mehr auf dem Spiel als nur ein gewöhnliches Viertelfinale einer Fußball-Weltmeisterschaft. Im Berliner Olympiastadion findet, zumindest aus deutscher Sicht, schon ein gefühltes Finale statt - sportlich, psychologisch und perspektivisch.

          „Es ist eine ganz besondere Konstellation“

          Vor zwei Monaten, ach, vor zwei Wochen noch wäre das Duell für die Gastgeber gegen das kombinierende Hochgeschwindigkeitskollektiv von Trainer Jose Pekerman als ein völlig unmögliches Unterfangen betrachtet worden. Aber das erstaunliche Sommerwachstum der Deutschen hat daraus ein Duell auf „Augenhöhe“ werden lassen, wie Abwehrchef Christoph Metzelder ganz realistisch behaupten kann. „Das ist ein ganz besonderes Spiel, es ist eine ganz besondere Konstellation“, sagt der Bundestrainer über eine Begegnung, in der die deutsche Mannschaft nun auch noch die letzte Grenze hinter sich lassen will.

          Die Argentinier sind keine Überflieger mehr

          Das Team glaubt mittlerweile ganz fest, daß es keinen besseren Gegner als den vor Wochenfrist noch übermächtigen südamerikanischen WM-Favoriten gibt - um zu beweisen, daß ihr enormes Wachstum nicht nur einen deutschen Scheinriesen hervorgebracht hat, der bei der ersten Begegnung mit einem seit Jahren anerkannten Team von Weltklasse wieder auf teutonische Normalgröße von gestern schrumpft. Denn, bei allem Staunen über Wandlung und Wachstum: Die schwarze Serie von knapp sechs Jahren ohne Sieg gegen eine Topnation, sie besteht noch immer. Aber seit Jahren haben sie die Deutschen nie kleiner als in diesen Tagen geredet, so als ob die autosuggestive Kraft den Makel unsichtbar machen könnte.

          „Aggression, Leidenschaft und Engagement“

          Bedingungslos offensiv, bedingungslos optimistisch - einen anderen Weg ins Halbfinale und zum ganz großen Ziel glauben die Gläubigen Klinsmanns auch gegen Argentinien nicht einschlagen zu können. „Wir werden voller Aggression, Leidenschaft und Engagement ins Spiel gehen - und werden sehen, wie Argentinien antwortet“, sagt der Bundestrainer. Sein Team, daran ließ er keinen Zweifel, werde mit all den in den ersten vier Spielen ständig gewachsenen Qualitäten versuchen, sein offensives Spiel auch gegen die kombinationssicherste Mannschaft des WM-Turniers durchzusetzen. „Wir müssen an unsere Grenze gehen - und wir werden an unsere Grenzen gehen“, verspricht Klinsmann vor einem Fußball-Klassiker, der ihn vor 16 Jahren in einem Endspiel, allerdings ohne jede Rasanz, selbst zum Weltmeister gemacht hatte.

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