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Argentinien feiert den Glücksbringer : Das Tor seines Lebens

  • -Aktualisiert am

Er gab sein letztes Hemd: Maxi Rodriguez Bild: REUTERS

Gewöhnlich genießt Maxi Rodriguez nicht die Aufmerksamkeit wie seine Kollegen Crespo oder Messi. Doch beim argentinischen Glückssieg gegen Mexiko standen nicht die Stars und Geburtstagskinder im Rampenlicht, sondern der 25jährige Traumtorschütze.

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          Maximiliano Rodriguez, kurz Maxi genannt, hat am Samstag abend das Schicksal vieler Alt-Achtundsechziger geteilt: links angefangen und rechts geendet. Der argentinischen Fußball-Nationalmannschaft hätte nichts Besseres passieren können als der radikale Richtungswechsel ihres offensiven Mittelfeldspielers. Grundsätzlich am linken Flügel beheimatet, setzte sich der 25 Jahre alte Profi von Atletico Madrid angesichts der nationalen Bedürfnisse über eingefahrene Positionen hinweg. Er konnte sich mit seinen Vorstellungen gegen die alles blockierenden Mexikaner einfach nicht durchsetzen - und so wich er aus und verstärkte lieber die Rechte.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Denn ein Tor mußte her in diesem hitzigen Achtelfinale gegen aggressive Mexikaner, ganz dringend. Nach den frühen Toren von Marquez für Mexiko und für Argentinien (offiziell Crespo zugeschrieben) stand es in der achten Minute der Verlängerung immer noch 1:1. Scheinbar ausweglos trieb das Spiel auf das Elfmeterschießen zu, jener Form von Fußball-Entscheidung, in der auch große WM-Favoriten auf das Glück angewiesen sind. Doch dann wagte Sorin einen Diagonalpaß über 40 Meter zu Maxi Rodriguez. Am rechten Strafraumeck stehend, nahm der Argentinier den Ball mit der Brust an, und bevor er den Boden wieder berührte, donnerte ihn Rodriguez in den linken mexikanischen Torwinkel - 2:1, das Viertelfinale gegen Deutschland war perfekt (Siehe auch: Maradona im Interview: „Gegen Deutschland wird es hart, hart“).

          „Genial, erhaben, sensationell“

          „Ich hatte nicht entschieden, zu schießen, als ich den Paß mit der Brust annahm. Aber dann fiel mir der Ball genau vor die Füße. Das ist einer der Schüsse, die entweder auf die Tribüne oder ins Tor gehen“, sagte Rodriguez und fügte an: „Wirklich, es ist unglaublich, ein wunderschönes Tor. Das Tor meines Lebens.“ Die Sportzeitung „Ole“ feierte den Schützen und adelte ihn sogleich: „Prinz Maximo. Genial, erhaben, sensationell“.

          Er gab sein letztes Hemd: Maxi Rodriguez Bilderstrecke

          Bisher stand Rodriguez im Schatten anderer. Crespo ist der Sturmstar, Saviola der Flügelflitzer, Tevez und vor allem Messi sind die Helden der jungen Generation. Der 25jährige Spieler aus Rosario wäre als beidseitig verwendbarer Flügelflitzer mit Torriecher in Deutschland ohne Konkurrenz, in Argentinien ist er einer unter vielen Offensivkünstlern. Nationaltrainer Bielsa hatte den Stürmer nach wenigen Länderspielen schon aussortiert, doch dann übernahm Jose Pekerman die Betreuung der Nationalmannschaft. Und natürlich erinnerte sich der Fußball-Philosoph an den torgefährlichen und dribbelstarken Stürmer. Schließlich hatte Rodriguez im Jahr 2001 vier Tore zum Gewinn der Junioren-Weltmeisterschaft beigetragen und dadurch seinen damaligen Trainer Pekerman besonders glücklich gemacht.

          Vertrauen gerechtfertigt

          Diese Tore im wichtigsten Nachwuchsturnier machten Espanyol Barcelona auf ihn aufmerksam, und der spanische Klub verpflichtete den damals 21jährigen Rodriguez. Der Argentinier setzte sich schnell durch in der Primera Division. In der Saison 2004/2005 erzielte er 15 Tore. Diese Leistung war Atletico eine Ablösesumme von sechs Millionen Euro wert und lockte ihn nach Madrid. Auch in der Nationalmannschaft bestätigte Rodriguez das in ihn gesetzte Vertrauen. Der Confederations Cup im vergangenen Sommer bedeutete seinen Durchbruch. In der WM-Vorrunde steuerte der robuste Außenstürmer zwei Tore zum 6:0 über Serbien und Montenegro bei. Der Siegtreffer über Mexiko war sein sechstes Tor - und sein wichtigstes. „Nach dem 2:1 gaben die Mexikaner endlich Ruhe, dann hatten wir Kontrolle über das Spiel gefunden“, sagte Rodriguez (Siehe auch: Stimmen zum Gegner: „Wir haben keine Angst“).

          Ihn hatte die harte Gegenwehr des Außenseiters nicht überrascht. „Sie strengen sich gegen uns immer besonders an.“ Schon im Confederations Cup benötigten die Argentinier im Halbfinale ein Elfmeterschießen, um sich über den Rivalen hinwegzusetzen. Gegen Deutschland müsse sein Team aber mehr riskieren, wenn es gewinnen wolle. „Wir haben ein wenig von deren Spiel gegen Schweden sehen können. Deutschland hat eine andere Art, Fußball zu spielen als wir. Sie lassen den Ball sehr gut laufen und sind immer in Bewegung. Dennoch denke ich, daß wir mit unserem Spiel gute Chancen haben, die Partie zu gewinnen.“

          In Einzelaktionen verstrickt

          Trainer Pekerman sah in dem mühsamen Erfolg keinen Rückschlag im Vergleich zur glanzvollen Rückrunde. „Es trifft zu, daß Mexiko gegen Argentinien immer große Spiele macht hat, aber am Ende setzen wir uns dann doch durch. Der Fußball ist eine Mischung aus taktischer Ordnung, emotionaler Stabilität, Siegermentalität und der Leistungsfähigkeit von Spielern in entscheidenden Augenblicken. In der Summe all dieser Faktoren haben wir den Sieg verdient.“

          Vor allem stimmt ihn zuversichtlich, daß seine Spieler trotz ihrer zahlreichen Fehler niemals die Köpfe hängen ließen. „Wir haben nicht lange genug gewartet, um den besten Paß zu spielen, wir haben uns zu früh in Einzelaktionen verstrickt“, bemängelte der Trainer. Und erwartet, daß dies im Viertelfinale gegen Deutschland wieder besser werde. „Dann dürfen wir nicht wieder so schnell den Ball verlieren. Ich denke aber, daß wir gestärkt aus dem Spiel gegen Mexiko hervorgehen werden.“ Genau das wird die deutsche Mannschaft nicht hoffen.

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