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3:1-Sieg gegen Portugal : Deutschland sichert sich dritten Platz

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So schön kann der dritte Platz sein Bild: dpa

Die deutsche Nationalmannschaft hat sich bei der Fußball-WM den dritten Platz gesichert. Das Team von Jürgen Klinsmann setzte sich im „kleinen Finale“ 3:1 gegen Portugal durch. Zwei Treffer von Bastian Schweinsteiger und ein Eigentor von Petit brachten den Erfolg. Nuno Gomez traf für Portugal.

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          Jürgen Klinsmann riß mit seinem strahlendsten Lachen die Arme ebenso in die Höhe wie Oliver Kahn nach seinem letzten Länderspiel, und Bundeskanzlerin Angela Merkel umarmte anschließend den Bundestrainer so innig wie den besten Freund: Als Bundespräsident Horst Köhler und die Regierungschefin den „Weltmeistern der Herzen“ die Bronzemedaillen für den dritten Platz bei der Heim-WM überreichten und ein Feuerwerk den Nachthimmel über Stuttgart erhellte, hatte die deutsche Nationalmannschaft durch ihren 3:1-Sieg im „kleinen Finale“ gegen Portugal nach einer Gala von Bastian Schweinsteiger Fußball-Deutschland längst ein letztes Mal in rauschende Party-Laune versetzt.

          „Das ist der größte und emotionalste Moment, an den ich mich erinnern kann, und ich frage mich, was gewesen wäre, wenn wir tatsächlich Weltmeister geworden wären“, kommentierte Kahn die Gänsehautatmosphäre nach der Medaillenzeremonie und erklärte danach seinen Rücktritt. „Das war mein letztes Länderspiel. Es war eine schöne Zeit, aber man muß auch wissen, wann es vorbei ist.“ Bei der umjubelten Rückkehr von Kahn als Kapitän ins Tor der DFB-Elf heizten die von 52.000 enthusiastischen Fans gefeierten WM-Gastgeber zugleich schon die Stimmung für ihren Abschied von den Anhängern am Sonntag mittag auf der Fanmeile vor dem Brandenburger Tor in Berlin an.

          Klinsmann frenetisch gefeiert

          Der gelungene Abschluß durch zwei Treffer von Bastian Schweinsteiger (56. und 78.) und ein Eigentor durch Petit (61.) nach einem Freistoß des Münchners bei einem Gegentreffer von Nuno Gomes (88.) darf auch als zusätzliche Hilfestellung für den ebenfalls frenetisch bejubelten Bundestrainer Klinsmann bei seiner Entscheidung über die Fortsetzung seines Engagements verstanden werden. Schon vor Deutschlands letztem Auftritt bei der WM im eigenen Land, durch den die DFB-Auswahl zum dritten Mal nach 1934 und 1970 Platz drei bei einem WM-Turnier belegte, hatten Tausende von Fans den Weltmeister von 1990 in seiner schwäbischen Heimat vor dem Teamquartier und auf der Fahrt ins Stadion durch Gesänge und Transparente zur Verlängerung seines auslaufenden Vertrages bewegen wollen.

          So schön kann der dritte Platz sein Bilderstrecke

          Auch an seiner früheren Wirkungsstätte empfingen den einstigen Torjäger des VfB Stuttgart unzählige Plakate mit Sympathie-Bekundungen und „Klinsmann, Klinsmann“-Sprechchöre. Aber auch Kahn erhielt bei seinem ersten Turnier-Einsatz mehrmals Applaus auf offener Szene. Wie angekündigt hatte der 37jährige die deutsche Mannschaft als Kapitän aufs Feld geführt. Nach dem Ausfall des etatmäßigen Spielführers Michael Ballack (Sehnenentzündung) wurde dem früheren „Welttorhüter“ diese Ehre zuteil, weil er mit 86 Länderspielen am Samstag der erfahrenste Akteur in der DFB-Auswahl war. Der Münchner stand gegen die Portugiesen für Jens Lehmann im Tor. Klinsmann bedankte sich dadurch für Kahns vorbildliches Verhalten als Nummer zwei im vorherigen WM-Verlauf.

          Kahns gelungene Abschiedsvorstellung

          Kahn konnte in der Anfangsphase die erste Möglichkeiten der Deutschen durch Sebastian Kehl (5.) sowie Miroslav Klose im Kampf um die WM-Torjägerkrone (8.) verfolgen. Bei der ersten Chance für die Portugiesen, bei denen der scheidende Superstar Luis Figo überraschend erst 13 Minuten vor dem Abpfiff zu seinem 127. und letzten Länderspiel-Einsatz kam, scheiterte Kapitän Pauleta an Kahn (15.). Auf der Gegenseite hatte anschließend nach einem Heber von Kehl (20.), den Ricardo über die Latte lenkte, Lukas Podolski per Freistoß das 1:0 auf dem Fuß, aber wiederum konnte sich Portugals Schlußmann auszeichnen.

          Verletzungsbedingt hatte Klinsmann seine Mannschaft auf fünf Positionen ändern müssen. Nachdem Ballack sowie ebenfalls wegen Verletzungen auch Arne Friedrich und Per Mertesacker bereits frühzeitig absagen mußten, konnten auch Tim Borowski und Robert Huth nicht an der „Abschiedsparty“ teilnehmen. Borowski fiel wegen einer Schleimbeutelentzündung am rechten Fuß aus, und Huth meldete sich kurz vor Anpfiff mit einer Sprunggelenksverletzung ab.

          Nowotny für Huth

          Für Huth kam Routinier Jens Nowotny zu seinem ersten Turniereinsatz und wohl auch letzten Länderspiel im Zentrum der Viererkette, in der erstmals Philipp Lahm auf der rechten Seite spielte. Christoph Metzelder als zweiter Innenverteidiger und in seinem ersten WM-Spiel Marcell Jansen auf der linken Seite bildeten die deutsche Verlegenheits-Defensive, die aber im ersten Durchgang bis auf kleine Unsicherheiten ganz gut stand. Im Mittelfeld setzte Klinsmann auf Bernd Schneider, Kehl, den im Halbfinale gegen Italien gesperrten Torsten Frings und Schweinsteiger. Im Sturm waren Klose und Podolski erste Wahl.

          Nach dem Seitenwechsel nutzten die Deutschen zunächst Portugals zurückhaltendere Gangart schnell zur Entscheidung. Schweinsteiger ließ nach feiner Einzelleistung Ricardo mit einem „Flatterball“ aus gut 20 Metern nicht gut aussehen. Nur fünf Minuten später war Schweinsteiger beim 2:0 wiederum der Ausgangspunkt: Seinen scharf getretenen Freistoß fälschte Petit unhaltbar ins eigene Tor ab. Den direkten Gegenzug der Iberer machte Kahn mit einer Parade gegen Deco zunichte (62.), ehe abermals Schweinsteiger den Erfolg perfekt machte.

          Die Schlußphase nutzte Klinsmann zu weiteren Gesten gegenüber den Ergänzungsspielern. Durch die Einwechslungen von Mike Hanke und Thomas Hitzlsperger kamen bis auf Reservekeeper Timo Hildebrand alle Kadermitglieder bei der Heim-WM und damit erstmals seit 1958 alle Feldspieler in einem deutschen WM-Aufgebot zum Einsatz.

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