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2:2 gegen Schweden reicht zum Gruppensieg : Ausweichmanöver der Engländer gelungen, aber Owen verletzt

  • Aktualisiert am

Man sieht ihm den Schmerz an: Michael Owen Bild: REUTERS

England hat den Fußball-Klassiker gegen Deutschland vermieden und Schweden in das Achtelfinal-Duell gegen den WM-Gastgeber geschickt. Allerdings ist für Michael Owen die WM zu Ende: Der englische Stürmer zog sich eine schwere Knieverletzung zu und fällt sechs Monate aus.

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          England hat den Fußball-Klassiker gegen Deutschland vermieden und Schweden in das Achtelfinal-Duell gegen den WM-Gastgeber geschickt. Mit einigem Glück sicherte sich das „Mutterland“ am Dienstag abend durch das harterkämpfte 2:2 (1:0) gegen den Angstgegner aus Skandinavien den Sieg in der Vorrunden-Gruppe B und trifft nun am Sonntag in der Runde der letzten 16 in Stuttgart auf Ecuador.

          Das Drei-Kronen-Team muß tags zuvor in München das vermeintlich schwerere Achtelfinale gegen die deutsche Mannschaft bestreiten. Das 2000. Tor der WM-Geschichte durch Marcus Allbäck (51. Minute) und Henrik Larssons spätes 2:2 (90.) reichten vor 45.000 Zuschauern in der ausverkauften Kölner WM-Arena für Schweden nicht zum erforderlichen Sieg. Denn Joe Cole (34.) und Steven Gerrard (85.) hatten für die Engländer in einem Fußball-Krimi dagegengehalten.

          „Schweden sind absolutes Top-Team“

          „Ich denke noch nicht an das Spiel gegen Deutschland“, sagte Schwedens Trainer Lars Lagerbäck: „Ich genieße erstmal den heutigen Abend. England hat in der ersten Halbzeit sehr stark gespielt. Da waren wir zu übereifrig und haben die Eins-gegen-Eins-Situation verloren. In der zweiten Halbzeit haben wir es dann besser gemacht. Wir hätten die drei Punkte verdient gehabt, wir waren das klar bessere Team. Das nächste Spiel gegen Deutschland wird schwer, aber wir haben eine Chance.“

          Man sieht ihm den Schmerz an: Michael Owen Bilderstrecke
          2:2 gegen Schweden reicht zum Gruppensieg : Ausweichmanöver der Engländer gelungen, aber Owen verletzt

          Deutschlands Teammanager Oliver Bierhoff zeigte sich beeindruckt: „Das Spiel gegen England hat gezeigt, daß die Schweden ein absolutes Top-Team sind und große Moral haben. Wir sind uns bewußt, daß wir im Achtelfinale auf einen starken Gegner treffen.“

          Schwere Verletzung bei Michael Owen

          Englands Coach Sven-Göran Eriksson nutzte dank des bereits gesicherten Achtelfinal-Einzugs wie erwartet die Chance - er ließ sein Personal rotieren und die von einer Gelbsperre bedrohten Asse Steven Gerrard und Peter Crouch zunächst vorsichtshalber draußen. Jungstar Wayne Rooney und Bayern Münchens Owen Hargreaves kamen so erstmals bei diesem Turnier von Beginn an zum Zuge.

          Doch die Partie begann mit einem Schock: Michael Owen, der gerade rechtzeitig vor der WM einen Fußbruch auskuriert hatte, mußte nach nur vier Minuten mit einer ohne Einwirkung eines Gegnerspielers erlittenen Knieblessur ausgetauscht werden - so kam Crouch doch noch zum dritten WM-Einsatz. Eine Untersuchung am Mittwoch soll Aufschluß über die Verletzung des Stürmers bringen. „Es sieht gar nicht gut aus“, sagte der englische Trainer Sven-Göran Eriksson anschließend. Er wisse aber nicht genau, wie lange Owen ausfallen werde, „aber es sieht für ihn und uns nicht gut aus.“ Der Stürmer von Newcastle war im Rasen hängen geblieben und mußte mit einer Trage in die Kabine gebracht werden.

          Owen, der nach einem Fußbruch erst seit dem vergangenen Monat wieder auf dem Platz stand, lief in den ersten beiden WM-Spielen der Engländer seiner Form hinterher und wurde beide Male ausgewechselt. Kapitän David Beckham sagte, die Verletzung sei schlimm für Owen und für die Mannschaft. „In großen Turnieren wie Weltmeisterschaften braucht man bewährte Stürmer und große Spieler, wie er einer ist.“

          Traumhafte Bogenlampe von Joe Cole

          Die Engländer ließen sich jedoch von diesem Zwischenfall nicht beeindrucken und dominierten die Partie. Das am Dienstag 28 Jahre alt gewordene Geburtstagskind Frank Lampard (8.) und Joe Cole (21.) zielten bei ihren Distanzschüssen zu ungenau. Die Führung lag erstmals in der Luft, als Kapitän David Beckham mit einem 40-Meter- Paß den flinken Rooney wunderbar in Szene setzte, doch dessen Schuß blockte Teddy Lucic noch im letzten Moment ab (25.).

          Neun Minuten später machte es Joe Cole dann besser: Aus 26 Metern traf er mit einer traumhaften Bogenlampe über Keeper Andreas Isaksson hinweg in den Tor-Winkel. Den Schweden merkte man das Fehlen von Torjäger Zlatan Ibrahimovic (Adduktorenzerrung) deutlich an: Sie agierten harmlos und hatten vor der Pause keine Einschußmöglichkeit.

          Schweden trafen noch zwei Mal die Latte

          Nach dem Wechsel hatte man den Eindruck, als stünden zwei komplett neue Teams auf dem Platz. Die Schweden machten nun gewaltig Druck und stürzten die bis dahin sichere englische Hintermannschaft von einer Verlegenheit in die andere. Die erste gefährliche Aktion schloß der bis dahin gar nicht aufgefallene Ex-Rostocker Allbäck dann per Kopf zum überraschenden 1:1 ab.

          Die Skandinavier drückten nun immens weiter: Torjäger Henrik Larsson (55.) und Kapitän Olof Mellberg hatten großes Pech, daß sie mit ihren Schüssen nur die Latte trafen. Die Abwehrschlacht der Briten ging in der Folge munter weiter: Der angesichts der hohen Not ebenfalls noch eingewechselte Gerrard rettete erst bei Kim Källströms Schuß auf der Linie (72.) und verhinderte den Rückstand des Favoriten, der am Ende jubeln konnte.

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