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1:0 gegen Australien : Geschenkter Elfmeter rettet Italien

  • -Aktualisiert am

Totti verwandelte unbeeindruckt den Elfmeter zum Sieg Bild: dpa

Ein unberechtiger Foulelfmeter rettete Italien ins Viertelfinale der Fußball-WM. Grosso stolperte in der Nachspielzeit über seinen Gegenspieler Neill. Und Schiedsrichter Cantalejo zeigte auf den Elfmeterpunkt. Eine folgenschwere Fehlentscheidung. Totti verwandelte zum 1:0. Abpfiff.

          Sie wollten Rache nehmen. Rache an Guus Hiddink, der 2002 mit dem Fußball-Niemandsland Südkorea den Italienern das schmachvolle Aus im Achtelfinale zugefügt hatte.

          Vier Jahre mußte die Squadra Azzurra auf diesen Tag warten, wieder ist es das Achtelfinale und wieder hat der holländische Stratege auf der Trainerbank einen unerfahrenen Außenseiter in die Runde der letzten 16 bei einer Weltmeisterschaft geführt. Doch mit den wieder einmal tapfer kämpfenden Australiern sollte sich an diesem Montag im Fritz-Walter-Stadion von Kaiserslautern das Wunder nicht wiederholen.

          Francesco Totti blieb unbeeindruckt

          Ein unberechtiger Foulelfmeter beendete die weltmeisterliche Traumreise der Australier in der dritten Minute der Nachspielzeit. Fabio Grosso stolperte mit voller Absicht im Strafraum über seinen am Boden liegenden australischen Gegenspieler Lucas Neill. Und Schiedsrichter Luis Medina Cantalejo aus Spanien zeigte in einer der folgenschwersten Fehlentscheidungen dieser WM auf den Elfmeterpunkt. Francesco Totti trat begleitet vom gellenden Pfeifkonzert der meisten der 46.000 entsetzten Zuschauer zum Strafstoß an und knallte den Ball unhaltbar für Mark Schwarzer in den linken Winkel. Danach wurde das Spiel gar nicht mehr angepfiffen.

          Totti verwandelte unbeeindruckt den Elfmeter zum Sieg Bilderstrecke

          „Ich bin unheimlich froh, daß ausgerechnet ich getroffen habe“, sagte Italiens Superstar, der damit das Trauma von 2002 besiegte. Vor vier Jahren war Totti noch der Buhmann ganz Italiens. Sein Platzverweis in der Verlängerung nach einer angeblichen „Schwalbe“ im Achtelfinale gegen Hiddinks Südkoreaner leitete damals die 1:2-Niederlage ein. Diesmal war Hiddink der Leidtragende einer Fehlentscheidung: „Das war ein K.o. in letzter Sekunde, und es bleiben Zweifel wegen der Elfmeter-Entscheidung. Trotzdem bin ich sehr, sehr stolz auf mein Team.“ Nachdem er die Fernsehbilder gesehen hatte, revidierte Hiddink seine Meinung und sagte: „Es gibt keinen Zweifel, daß der Elfmeter unberechtigt war.“

          Totti mußte zunächst draußen bleiben

          Marcello Lippi, der Nationaltrainer Italiens, wollte nichts vom geschenkten Elfmeter hören: „Es ist eine unglaubliche Freude, ich bin überglücklich.“ Im Viertelfinale erwarten die Italiener, die nach der Roten Karte für Marco Materazzi in der 51. Minute zu zehnt spielen mußten, nun die Ukraine. Die Osteuropäer gewannen am Abend mit 3:0 im Elfmeterschießen gegen die Schweiz, nachdem das völlig zerfahrene Spiel zuvor 0:0 nach Verlängerung endete.

          Bis zum Ende der Fifa-Frist 90 Minuten vor dem Spiel hatte Marcello Lippi aus seiner Aufstellung ein Geheimnis gemacht. Als die Aufstellung endlich verteilt wurde, herrschte helle Aufregung bei den italienischen Journalisten. Francesco Totti tauchte erst in der zweiten Spalte auf, zwei Vorrundenpartien hatte der Mittelfeldstar vom AS Rom gespielt, ohne überzeugen zu können. Nun mußte der 29jährige bis zum Wechsel in der 75. Minute seinem ärgsten Widersacher Alessandro del Piero (Juventus Turin) Platz machen. Und Lippi hatte für Italiens Fußballreporter und Hiddink noch eine Überraschung parat. Mit Luca Toni (Florenz) und Alberto Gilardino (AC Mailand) schickte er vor dem offensiven del Piero noch zwei Stürmer in das K.o.-Match.

          Schwarzer zeigte überragende Reflexe

          Viel hätte nicht gefehlt, und dieser Schachzug hätte schon in der 3. Minute zum Erfolg geführt. Del Piero flankte von der linken Seitenlinie auf den zweiten Pfosten. Dort stieg 1,94-Meter-Mann Toni hoch und köpfte den Ball nur um Zentimeter am australischen Tor vorbei. Das war das Startsignal. Danach rollte eine Angriffswelle nach der anderen auf das Tor von Marc Schwarzer. Der frühere Bundesliga-Torwart des 1. FC Kaiserslautern war an seiner alten Wirkungsstätte in das Tor der Socceroos zurückgekehrt, nachdem Zeljko Kalac gegen Kroatien katastrophal gehalten hatte.

          In der 20. Minute lenkte er einen Seitfallzieher von Gilardino über die Latte, zwei Minuten später rettete er mit einem überragenden Reflex gegen Luca Toni. Blitzschnell hatte sich der Angreifer aus Florenz im Strafraum gedreht und aus acht Metern abgezogen, doch Schwarzers Fuß verhinderte die italienische Führung. Weil sein Sturmduo trotz vieler weiterer Chancen in den ersten 45 Minuten nicht zum Erfolg kam, reagierte Lippi schon nach der Pause und brachte für den zaghaften Gilardino Vincenzo Iaquinta von Udinese.

          Rot für Materazzi völlig überzogen

          Australiens Auswahl war in der Defensive gut beschäftigt und kam nur zu einigen Entlastungsangriffen. Mark Viduka (24.) und Scott Chipperfield (30.) hatten noch die besten Gelegenheiten, fanden in Torwart Gianluigi Buffon aber ihren Meister. Nach 50 Minuten zerstörte Schiedsrichter Cantalejo Lippis taktisches Konzept. Anstatt Innenverteidiger Marco Materazzi für sein zugegebenermaßen hartes Foul am australischen Mittelfeldspieler Marco Bresciano 20 Meter vor dem Tor eine Gelbe Karte zu zeigen, entschied sich der Referee sofort für Rot.

          Wie schon im Vorrundenspiel gegen Amerika, als Daniele de Rossi nach einem brutalen Ellenbogencheck vom Platz verwiesen wurde, mußte Italien in Unterzahl agieren. Und wieder kam Lippi ins Spiel, in der 56. Minute nahm er Luca Toni vom Platz und schickte Andrea Barzagli (Palermo) auf den Platz, der sofort Materazzis Platz in der Viererkette übernahm.

          Dann bestimmte der Außenseiter das Spiel

          Fortan bestimmte der Außenseiter von „down under“ das Geschehen. Italien konnte sich glücklich schätzen den wohl derzeit besten Torhüter der Welt, Buffon, als Rückhalt zu haben. Bei Chipperfields Schuß in der 59. Minute rettete er in höchster Not. Tim Cahills Kopfball in der 81. Minute strich über die Latte. In der 89. Minute mißlang dem sieben Minuten zuvor eingewechselten Joker John Aloisi ein Fallrückzieher. In der Nachspielzeit fiel dann die für Australien und die neutralen Fans bittere Entscheidung.

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