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Zwei Tore gegen Schweden : Die befreiende „Poldi-Show“

  • -Aktualisiert am

„Das ist für ihn jetzt eine Befreiung” Bild: REUTERS

Lukas Podolski läßt mit seinen zwei Toren gegen Schweden die Last der nationalen Erwartungen hinter sich. Daß der Stürmer seine fröhliche Unbedarftheit und Selbstsicherheit wiedergefunden hat, ist ein großes Plus gegen Argentinien.

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          Später sollte er erklären, weshalb er mit langen Schritten Richtung Auswechselbank stürmte und ausgerechnet dem Trainerassistenten Joachim Löw als erstem jubelnd um den Hals fiel. Es hätte ja eine Reaktion auf die schweren Stunden sein können, als sich Lukas Podolski wohl auch im Mannschaftskreis Kritik anhören mußte wegen seines wenig bereichernden Spielstils.

          "Ob ich an die Eckfahne laufe oder auf die Tribüne, ist doch egal", sagte Lukas Podolski. Löw stand also zufällig im Weg, keine andere tiefere Bedeutung hatte anscheinend diese Szene in der vierten Spielminute, als die Schweden durch Podolskis erstes Tor in Rückstand gerieten und sich die Anspannung entlud am Spielfeldrand.

          Selbstsicherheit zurückgewonnen

          Acht Minuten später traf er noch einmal. Nachdem der 21 Jahre alte Kölner, der nach dem Turnier für den FC Bayern auflaufen wird, einen äußerst holprigen WM-Start hingelegt hatte und sich im dritten Gruppenspiel gegen Ecuador dann mit seinem ersten Tor ein wenig vom Ballast der nationalen Erwartungen frei machen konnte, dürfte er jetzt nach den zwei Treffern gegen Schweden im Achtelfinale den größten Teil seiner fröhlichen Unbedarftheit und Selbstsicherheit zurückgewonnen haben. "Er hat gewußt, daß er sich mehr einsetzen und mehr kämpfen mußte", sagte Teammanager Oliver Bierhoff. "Das ist für ihn jetzt eine Befreiung."

          Streicheleinheit
          Streicheleinheit : Bild: AP

          Podolski selbst wollte seinen Münchner Auftritt nicht zu hoch bewerten. "Wir wollten von Anfang an Druck machen und das Spiel gewinnen", sagte Podolski. Doch es kam auch noch etwas Persönliches: "Natürlich freue ich mich über drei WM-Tore." Die eigentliche Bedeutung der Treffer Podolskis will wie Bierhoff auch sein kongenialer Partner, Förderer und Motivationshelfer im Angriff, Miroslav Klose, erkannt haben. "Wir haben gesehen, wie wichtig er ist für die Mannschaft, wenn er Selbstbewußtsein hat. Für ihn beginnt jetzt die WM", sagte Klose, der jeweils Vorarbeiter war für den doppelten Torschützen Podolski. Wie die Schlußpointe einer kleinen Beziehungsgeschichte wirkte die Münchner Koproduktion der beiden gebürtigen Polen.

          Zwei geniale Spielzügen zum Durchbruch

          Der 28 Jahre alte Klose, der nach den ersten beiden WM-Spielen öffentlich Nachholbedarf anmahnte bei Podolski, weil sich dieser taktisch noch nicht auf WM-Niveau befände, hat seinem Partner nun mit zwei genialen Spielzügen zum möglichen Durchbruch verholfen. Daß sich die beiden gut verstehen und auch auf dem Spielfeld harmonieren können, war bekannt. Die "Poldi-Show" gegen Schweden läßt die deutsche Mannschaftsleitung und das gesamte Team nun auf ein weiteres taktisches Plus gegenüber Argentinien im Viertelfinale hoffen. "Es hätte kein Doppelpack sein müssen", sagte Oliver Bierhoff. "Aber gut, daß sich beide jetzt auf einer Ebene befinden." Das heißt übersetzt aus den Erfahrungen des ehemaligen Stürmers Bierhoff: Klose mit seinen vier WM-Treffern und Podolski mit seinen drei WM-Treffern sollen sich in diesem Turnier noch weiter stürmisch nach oben schaukeln.

          Anscheinend ist Podolski die Last der schlimmsten Versagensängste bei seiner ersten Weltmeisterschaft, die alte wie junge Angreifer schnell lähmen können, losgeworden. Er würde weder zugeben, daß ihn dieser Druck berührt habe, noch daß die Kollegen intern Forderungen an eine Veränderung seiner Spielweise gestellt hätten. Für ihn ist alles wie immer. "Das war keine Kritik, also brauche ich nichts zu verarbeiten", sagte er am Samstag. Doch jetzt ist auf dem Platz zu sehen, daß Podolski obenauf schwimmt. Sein Freund Bastian Schweinsteiger hatte das irgendwie geahnt, als er ihm nach dem ersten Tor gegen Ecuador weitere Treffer vorhersagte. "Vielleicht", sagte Schweinsteiger, "werde ich Hellseher."

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