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WM-Zwischenbilanz : Die afrikanische Krankheit

Senaya vom Fußball-Leichtgewicht Togo Bild: dpa

Kommt Afrika, der schlafende Riese, wieder mal nicht aus den Federn? In den ersten sieben Spielen afrikanischer Mannschaften gab es fünf Niederlagen und zwei glückliche Unentschieden. Warum der Schwarze Kontinent im Fußball auf der Stelle tritt.

          Fünf Spiele, fünf Niederlagen - und dann noch das so glückliche wie peinliche 2:2 der Tunesier gegen Saudi-Arabien. Kommt Afrika, der schlafende Riese des Fußballs, wieder mal nicht aus den Federn? 1974 in Deutschland war Zaire als erstes schwarzafrikanisches Land bei einer WM dabei - und wurde mit 0:6 Punkten und 0:14 Toren nach Hause geschickt.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Die Rolle als Prügelknabe haben die Afrikaner längst abgelegt. Von jeder WM seitdem brachte mindestens ein afrikanisches Team wenigstens einen Sieg mit - Kamerun 1990 und Senegal 2002 brachten es sogar ins Viertelfinale. Und doch fehlte das Fünkchen Organisation und Stabilität, um auch mal gegen die Großen aus Europa oder Südamerika zu bestehen.

          Ungeübt und vom Tempo überfordert

          Die traditionellen Schwächen zeigen sich auch bei dieser WM: fahrige Torhüter, noch mehr aber überforderte Innenverteidiger wie der Angolaner Jamba (aus der heimischen Liga), der sich vom Portugiesen Luis Figo beim entscheidenden Tor zum 0:1 plump überlaufen ließ; oder der Togoer Abalo (hauptberuflich auf Zypern aktiv), den seine Schläfrigkeit eine Gelb-Rote Karte gegen Korea kostete - und den Freistoß, der seinem Team sportlich das Genick brach. Afrikas Stürmer und Mittelfeldspieler sind in den besten Ligen Europas gefragt - allein der FC Chelsea ließ sich Didier Drogba, Michael Essien und Nigerias Jungstar John Obi Mikel zusammen fast 100 Millionen Euro kosten. Doch für Drogba und die Elfenbeinküste ist nach der zweiten Niederlage die WM nach der Vorrunde beendet. (siehe auch: 2:1 gegen Elfenbeinküste: Holland rettet sich über die Zeit)

          Argentinien und Holland brachten die Elfenbeinküste zu Fall: Didier Zokora

          Doch die Europäer holen wegen bewährter Qualität aus eigener Produktion selten Afrikaner fürs Tor oder für die Innenverteidigung. Entsprechend ungeübt und vom Tempo überfordert sehen diese bei der WM oft aus. Selbst Verteidiger, die sich in Europa durchsetzten, leisten sich manchmal jene afrikanischen Aussetzer, für die Sammy Kuffour auch in besten Bayern-Zeiten bekannt war. Den Italienern schenkte er das 2:0 mit einem Harakiri-Rückpaß.

          Überheblichkeit in der Qualifikation

          Nur die Elfenbeinküste scheint davon ausgenommen. Noch nie kam eine schwarzafrikanische Mannschaft so abwehrstark, so gut vorbereitet, so europäisch zu einer WM. Und doch hat es nicht gereicht, weil Argentinien (1:2) und Holland (1:2) doch eine Spur zu stark war. Und damit ist im Grunde alles so, wie es vorhergesagt wurde: Die besten afrikanischen Teams scheiterten an ihrer Überheblichkeit in der Qualifikation: Nigeria, Kamerun, Senegal. Die beiden besten qualifizierten Teams haben die schwersten WM-Gruppen: Elfenbeinküste und Ghana. Die beiden Nobodys Togo und Angola sind spielerische Leichtgewichte, für die schon die Teilnahme ein kleines Wunder ist. Bliebe nur Tunesien, das sich vielleicht irgendwie durchwursteln kann - und doch kaum für eine WM-Überraschung taugt. Und schon gar nicht für den Afrika-Zauber, den man seit Kamerun und Roger Milla 1990 bei jeder WM herbeisehnt.

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