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WM-Serie: 1966 : Das berühmte „dritte Tor“ entscheidet die WM

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Das „Wembley-Tor”: Drin oder nicht drin? Bild: AP

Bei der Fußball-WM 1966 in England fielen insgesamt 89 Tore - das vorletzte machte Geschichte. Das „Wembley-Tor“ zum 3:2 für England im Finale gegen Deutschland: Hurst hatte den Ball unter die Latte geschossen, von dort aus sprang er auf, vor oder doch hinter die Linie?

          Jeden Montag und Freitag blickt FAZ.NET bis zum Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland in einer Serie auf die vergangenen Turniere zurück. Der achte Teil beschäftigt sich mit dem Turnier 1966 in England.

          Bei der Weltmeisterschaft 1966 in England fielen insgesamt 89 Tore - das vorletzte machte Geschichte der besonderen Art. Das „Wembley-Tor“ zum 3:2 für England im Finale gegen Deutschland.

          Es war die 11. Minute der Verlängerung. Ein Schuß von Englands Stürmer Geoff Hurst, vom deutschen Torwart Hans Tilkowski mit den Fingerspitzen noch berührt, war von der Latte nach unten auf die Torlinie geprallt und von Wolfgang Weber dann über den Querbalken ins Aus geköpft worden.

          Aufstellung zum Finale: Deutschland gegen England

          Tofik Bachramow entschied die WM

          Die Gastgeber jubelten, die Deutschen winkten ab. Keiner aber hatte es in dem Moment wirklich richtig gesehen: nicht die 97.000 Zuschauer im Stadion, nicht die Millionen an den TV-Schirmen und Schiedsrichter Gottfried Dienst auch nicht. Der Schweizer stand knapp daneben, war aber dennoch unschlüssig: Hatte der Ball die Torlinie komplett überschritten?

          Der Referee lief zum 40 Meter entfernten Linienrichter. Tofik Bachramow aus der Sowjetunion, der nur Russisch und Türkisch sprach, also Dienst nicht verstanden haben konnte, nickte mit dem Kopf, zeigte mit der Fahne zur Mittellinie: Tor für England. Erstmals entschied ein Schiedsrichter-Assistent über die Vergabe des wichtigsten Titels im Welt-Fußball.

          Nur Lübke war sicher: „Der Ball war drin“

          Zig Millionen Worte sind von Tausenden Journalisten über dieses Tor geschrieben worden. Fernsehstationen in aller Welt haben in pausenlosen Wiederholungen die Bilder vom ab- und aufspringenden Lederball gesendet. Mathematiker, Physiker und sonstige Wissenschaftler wurden bemüht, Naturgesetze sollten erklären, bestätigen oder ablehnen.

          „Ich weiß auch heute noch nicht, ob der Ball drin war. Und wenn sie mich nach 100 Jahren wieder ausgraben und ich komme neu auf die Welt, weiß ich es immer noch nicht“, sagte der inzwischen verstorbene Gottfried Dienst fast 30 Jahre danach. Nur ein Deutscher wußte es genau. „Der Ball war drin“, war sich Bundespräsident Heinrich Lübke absolut sicher.

          Das Fußball-Mutterland war erstmals Weltmeister

          Mit einer Energieleistung hatte die deutsche Elf während der regulären Spielzeit die schon verloren geglaubte Partie noch einmal umgebogen. Helmut Haller hatte das 1:0 erzielt, aber die Engländer glichen durch Hurst aus und standen nach Martin Peters' 2:1 kurz vor dem Triumph. Doch der Kölner Wolfgang Weber machte ihnen kurz vor Schluß mit dem Ausgleich noch einen Strich durch die Rechnung.

          In der Verlängerung war die glücklose Truppe von Helmut Schön aber mit ihren Kräften am Ende. Geoff Hursts Tor in der Schlußminute war nur noch der traurige Schlußpunkt. Mit 4:2 gewannen die WM-Gastgeber das Finale. Und auf diesen Moment am 30. Juli 1966 im Londoner Wembley-Stadion hatten Millionen englischer Fußball-Fans lange warten müssen: Königin Elizabeth II. überreicht Englands Mannschaftskapitän Bobby Moore den Coupe Jules Rimet. Das Fußball-Mutterland war erstmals Weltmeister!

          Beckenbauer trat ins Rampenlicht

          Schlagzeilen machte noch ein anderes Tor. Aus unmöglichem Winkel traf der Bundesliga-Rekordschütze Lothar Emmerich beim 2:1-Erfolg in der Vorrunde gegen Spanien fast von der Torauslinie ins Netz. Ins Rampenlicht trat in England freilich ein anderer: Der 20-jährige Franz Beckenbauer.

          Als in der Qualifikation in Schweden das Aus drohte, hatte Helmut Schön Mut bewiesen. Der Sachse, der den „Chef“ Sepp Herberger nach 162 Länderspielen im Juni 1964 abgelöst hatte, brachte den jungen Bayern und hatte Glück. Beckenbauer feierte gegen die Skandinavier ein ausgezeichnetes Debüt; das 2:1-Siegtor erzielte der von einer Achillessehnen-Operation in Rekordzeit genesene Uwe Seeler.

          Blamagen für Brasilien und Italien

          Ein anderer Stern verlosch. Edson Arantes do Nascimento - kurz Pele - ging mit Brasilien unter und schied gegen Ungarn und Portugal schon in der Vorrunde aus. Den Rest gaben ihm viele häßliche Fouls. Star der WM wurde der Portugiese Eusebio, der für einen Höhenflug der Spieler aus Lissabon und Porto bis auf Platz drei sorgte.

          Nordkorea war das Überraschungs-Team des Turniers, und scheiterte erst im Viertelfinale mit 3:5 an Portugal. Die Asiaten hatten in der Vorrunde Italien eine bittere Schmach bereitet. Nach dem 0:1 mußten Mazzola, Facchetti und Co. vorzeitig nach Hause. Die Tifosi bereiteten ihrer Mannschaft einen unvergeßlichen Empfang und bewarfen ihre Helden mit Südfrüchten.

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