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WM-Serie: 1954 : Der Chef hat sich kurz bedankt

Jubel um Fritz Walter und Trainer Sepp Herberger Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Im fünften Teil der WM-Serie blickt FAZ.NET auf das Turnier 1954 in der Schweiz zurück. Während des Spiels gab es kein Wasser, vor dem Bankett kein Alkohol und gejubelt wurde zurückhaltend - Horst Eckels Erinnerungen an das „Das Wunder von Bern“.

          Jeden Montag und Freitag blickt FAZ.NET bis zum Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland in einer Serie auf die vergangenen Turniere zurück. Der fünfte Teil beschäftigt sich mit dem Turnier 1954 in der Schweiz, mit den Erinnerungen von Horst Eckel an die Stunden rund um das „Wunder von Bern“.

          Roland Zorn

          Sportredakteur.

          Ob Werktag oder Sonntag, jedes Jahr am 4. Juli telegraphierte Kapitän Fritz Walter an die Weltmeister: „Männer, denkt dran, heute ist unser Feiertag.“ Er ließ die Anrede, wie der damalige Hörfunkreporter Rudi Michel beschreibt, bewußt im Plural stehen. Für Walter eine Selbstverständlichkeit. Auf diese Weise vermittelte er jedem einzelnen das Gefühl der Zugehörigkeit und des Zusammenhalts.

          Eckel - Eckpfeiler in der deutschen Elf

          Der Kontakt blieb bestehen, besonders dann, wenn einer aus der verschworenen Gemeinschaft Schwierigkeiten hatte, privat, finanziell, gesundheitlich. Dann war auch Hilfe zu finden in der Sepp-Herberger-Stiftung, die bis heute unverschuldet in Not geratenen Nationalspielern zur Seite springt. „Wer oben ist, darf die unten nicht vergessen“. lautete das Motto des „Chefs“.

          Horst Eckel: Die Welt hatte sich verändert

          Horst Eckel, der Kaiserslauterer Jahrgang 1932, bestritt 32 Länderspiele, das erste 1952. „Windhund“ des Weltmeisters wurde er genannt; Techniker, Dribbler, Renner - und im Endspiel dann als rechter Läufer taktischer Eckpfeiler in der deutschen Elf, denn er störte entscheidend den ungarischen Spielaufbau.

          Unaufgeregt wie Urlauber

          Der Tag fängt grau an. Es ist 14 Grad kühl, und die Wolken über dem Thuner See verheißen auch den Gästen des Hotels „Belvedere“ in Spiez nicht das, was unter Sommerfrische zu verstehen ist. Doch die Delegation aus Deutschland, die hier seit drei Wochen im Namen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) logiert, ist nicht zum Vergnügen hier. Egal, welche Kapriolen das Wetter an diesem Sonntag, dem 4. Juli 1954, noch schlagen wird: Es wird sie nach draußen drängen, gen Bern, wo der englische Schiedsrichter Willy Ling um 16.50 Uhr im Wankdorfstadion das Endspiel um die Weltmeisterschaft anpfeift.

          In einem der vom DFB gebuchten Zimmer wachen Hans Schäfer, der Kölner Linksaußen, und Horst Eckel, der Kaiserslauterer Außenläufer, auf. Beide werden am Nachmittag in jener Mannschaft stehen, deren Spieler vom frühen Sonntag abend an Helden sind. Bern ist noch weit, und Toni Turek, Jupp Posipal, Werner Kohlmeyer, Werner Liebrich, Karl Mai, Helmut Rahn, Max Morlock, Ottmar Walter, Fritz Walter, Hans Schäfer und Horst Eckel sitzen unaufgeregt wie Urlauber, die sich noch ein Bild von diesem diffusen Tag machen wollen, am Frühstückstisch. Eckel erinnert sich:

          So überheblich, daß wir gesagt hätten, heute werden wir Weltmeister, waren wir nicht. Unsere Gefühlslage war ganz normal. Wir hatten Selbstvertrauen und wußten, daß wir gut aussehen konnten, wenn wir ein bißchen Glück hätten. Wenn wir viel Glück hätten und das Spiel ungefähr so gut liefe wie beim 6:1 im Halbfinale gegen Österreich, würden wir sogar die Chance haben, gegen die seit viereinhalb Jahren ungeschlagenen Ungarn Weltmeister zu werden.

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