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Stars und Spielerfrauen : Nie waren Kicker so sexy

Ilary Blasi (l.) und Alena Seredova freuen sich mit Italiens Stars Totti und Buffon Bild: picture-alliance/ dpa

Vorbei ist das prollige Flair! Heute sind Profis teuer frisiert und durchgestylt. Das lockt mehr Frauen denn je zum Fußball - und zum Fußballer. Doch mancher Trainer fürchtet die „Spielerfrau“ als Unruhestifterin in der heilen Männerwelt.

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          Cherchez la femme? Warum denn das? Bei einer WM, die von 736 Männern bestritten wird. Und keiner einzigen Frau. Und doch behauptet Berti Vogts, daß an der deutschen WM-Pleite 1994 "drei Frauen" schuld waren. Die Namen mag er nicht nennen. Muß er auch nicht. Denn die, die der "Spielerfrau" den Beiklang des Unruhestifters in der heilen Männerwelt gaben, haben dauerhafte Bekanntheit erlangt: die Damen Effenberg, Illgner und Matthäus.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Drei Weltmeisterschaften später scheint die Sache ausgestanden. Keine deutsche WM-Kaderfrau fällt als Medienfigur oder gar Problemfall auf. Auch in anderen Ländern sieht die Star-Frau ihre Rolle nicht mehr am Herd, aber auch nicht am Unruheherd. Victoria Beckham etwa gibt sich, anders als deutsche 94er-Frauen, damit zufrieden, nicht beim Gatten im Mannschaftshotel auf der Bühlerhöhe zu wohnen, sondern unten in Baden-Baden, wo es sich schöner shoppen läßt.

          Abstecher in die „Russische Botschaft“

          Immerhin, man ist in der Nähe, für alle Fälle. 1974 scheuchte ein "Bild"-Bericht darüber, daß die Holländer ihr freies Positionsspiel nicht nur auf dem Platz, sondern auch im Pool geübt hätten, heimische Spielerfrauen auf. Vor allem Mevrouw Cruyff ließ nicht locker, und wenige Tage später verloren die genervten Holländer das Finale. Die deutschen Sieger hatten sich, wie man hörte, auch ihre kleinen Abstecher geleistet, aus Malente zur Reeperbahn oder in die "Russische Botschaft". Doch gelang die Geheimhaltung im Sinne der gemeinsamen nationalen Sache.

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          Lang ist sie her, die Zeit der Abgeschiedenheit in Schullandheimen oder Sportschulen - und der von Medien (und Gattinnen) unbemerkten Eskapaden. Das heißt, manchmal merkte man sie doch: neun Monate später. Garrincha etwa genoß nicht nur am Ball als Fummler einen legendären Ruf. Bei der WM 1958 machte der krummbeinige König der Dribbler nicht nur Brasilien zum Champion, sondern auch eine junge Schwedin zur Mutter - eines seiner 13 Kinder mit fünf Frauen.

          Peinlich-verschwitzte Komik

          Schöner Fußball macht sexy. Noch heute läßt sich die Wechselwirkung am Beispiel Ronaldinhos ablesen. Der ist mit seinen Hasenzähnen nach eigenem Urteil "ziemlich häßlich" und doch einer der begehrtesten Junggesellen der Welt. Seit ein englisches Blatt einmal eine Bühnenfachkraft, die nach getaner Arbeit dem Brasilianer nähergekommen sein will, zum Reden und Schwärmen brachte, gelten dessen Fähigkeiten auch im Spiel ohne Ball als bemerkenswert.

          Das sind jedenfalls so die kleinen Legenden und Schlüsselloch-Geschichten, mit denen man als Fußballstar leben muß. Nie galten Kicker als so sexy wie heute. Als Alain & Denise Kalle Rummenigges "Sexy knees" besangen (deutsche Version: "Der hat Haxn, schee sans gwachsn", "Waden fest, und erst der Rest"), da hatte das noch eine eher peinlich-verschwitzte Komik. Die meisten Fußballer galten bis in die neunziger Jahre als Typen von eher prolligem Flair.

          Frühere „Modelle“ oder „Moderatorinnen“

          Heute ist der Kicker von Welt teuer frisiert, trägt durchgestylte Oberkörper wie Cristiano Ronaldo, schrille Tattoos wie David Beckham oder knackige Gesäße wie Francesco Totti, der mal beim Trikottausch die Hose gleich mit ablegte. Sie treten, wie Figo oder Schewtschenko, wie Filmstars beim Oscar-Defilee in Abendgarderobe lässig vor die Kameras, am Händchen Frauen oder Freundinnen, die frühere "Modelle" oder "Moderatorinnen" sind. Sie verströmen etwas, was frühere Kicker-Generationen nicht hatten: eine geschmeidige, stilsichere Körperlichkeit. Wahrscheinlich stinkt es nicht einmal mehr in ihren Umkleidekabinen.

          Diese Aura gepflegt-animalischer Männlichkeit liegt im mediensexuellen Trend. Sie lockt mehr Frauen denn je zum Fußball. Manche lockt sie noch weiter: zum Fußballer. Kicker-Groupies versprechen Sex als Siegesbeute, und schon mancher, nicht nur in den amerikanischen Basketball- und Baseball-Ligen, wo auswärts gezeugte Kinder angeblich in die Hunderte gehen, hat die Gefahren der verlockenden Zunahme an erotischer Anziehungskraft erleben müssen: die Gefahr, eigene Unwiderstehlichkeit zu überschätzen - und die Gefahr, in eine Falle zu tappen.

          Dwight Yorke dreht gern Filme

          Aus welchem der beiden Gründe auch immer - zwei WM-Jungstars, Cristiano Ronaldo und Robin van Persie, fanden sich schon einmal wegen Verdachts der Vergewaltigung in U-Haft wieder. Ohne Folgen für sie. Doch das Risiko bleibt bestehen für alle, die ihre Wahlmöglichkeiten als Star auch nutzen wollen. Von einem, der wegen einer Bettgeschichte für Jahre im Gefängnis saß, dem Boxer Mike Tyson, geht die triste Geschichte, daß er nur noch Sex bei laufender Kamera habe - als Beweis für die Freiwilligkeit des Partners.

          Auch Dwight Yorke dreht gern Filme. Einmal etwa machte er einen von sich (in Frauenkleidern) in Gegenwart mehrerer Frauen (ohne Frauenkleidung), der aus seinem Mülleimer den Weg auf den englischen Boulevard fand. Nun ist Yorke, von dem das frühere Formel-1-"Boxenluder" Katie Jordan ein Kind hat, mit Trinidad und Tobago am Start - und Favorit auf die Rolle des WM-Womanizers.

          Erfolg ist der größte Ehekiller

          Was aber läuft wirklich bei der WM? Da bleibt viel Raum für Phantasie: wenn man weiß, daß bei Profisportlern, so der amerikanische Soziologe Steven Ortiz, eine "Kultur des Ehebruchs" und eine "Fast-food-Sex-Mentalität" vorherrschen - und daß eine WM doppelt so lang dauert wie die Olympischen Spiele. Bei denen waren 2000 in Sydney drei Tage vor Schluß die 80.000 bereitgestellten Kondome verbraucht. Die Amerikaner hatten pro Kopf 51 Stück erhalten, was TV-Talker Jay Leno am olympischen Amateurgedanken zweifeln ließ: "Wenn sie 51 Kondome verbrauchen, sind sie doch kein Amateur mehr." Bei der WM spielen sowieso nur Profis mit.

          Übrigens ist der Erfolg der größte Ehekiller. Von den deutschen Weltmeistern von 1990 leben nur drei noch mit der damaligen Ehefrau zusammen. Auch Teamchef Beckenbauer fügte sich dem Trend. Der Fußball-Eheberater empfiehlt: raus im Viertelfinale.

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