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Simon Fuller im Interview : „Wenn Beckham auf dem Platz steht, hat der Kommerz Pause“

  • Aktualisiert am

Fullers Schützling und seine Gattin Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der britische Promotor Simon Fuller, Manager des englischen Fußball-Nationalspielers David Beckham, spricht im Interview mit der F.A.Z. über die Kreation von Stars, über Tiger Woods, Madonna und Michael Schumacher.

          3 Min.

          Der britische Promotor Simon Fuller, Manager des englischen Fußball-Nationalspielers David Beckham, spricht im Interview mit der F.A.Z. über die Kreation von Stars, über Tiger Woods, Madonna und Michael Schumacher.

          Sie sind der Erfinder einer Musikshow, bei der die Fernsehzuschauer ihren eigenen Superstar wählen. Wann wird es die erste Fußballmannschaft geben, die von den Fans zusammengestellt wird?

          Sie werden lachen, aber ich denke darüber nach. Einen Namen habe ich auch schon: The Real Game. Die Fans stellen über Computer oder Telefon ihre Mannschaft auf. Das wäre für mich die Realisierung des absoluten Fußballtraums.

          „David ist ein Phänomen”

          Die englischen Nationalspieler haben Sie als neuen Vermarkter der Nationalmannschaft ausgewählt. Soll das Team England in Zukunft von seinen Fans aufgestellt werden und nicht vom Trainer?

          Ich glaube, das wäre derzeit noch nicht möglich. Bei dieser Zusammenarbeit geht es für mich darum, das Nationalteam in der öffentlichen Wahrnehmung wieder aufzuwerten und den alten Glamour des Team England zurückzubringen.

          Wie beschreiben Sie Ihr Geschäft?

          Ich suche talentierte Menschen und entwickele zusammen mit ihnen ein Geschäft, eine Marke und eine Vision. Bei diesen Partnerschaften gibt es für mich keine Limits.

          Ohne kommerzielle Limits scheint auch das Fußballprodukt David Beckham: Ihr wichtigster Klient.

          David ist ein Phänomen.

          Ist bei ihm sportlicher Erfolg überhaupt noch notwendig?

          David ist eine Ikone, aber auch ein Sportsmann mit Leidenschaften, der gewinnen will. Wenn er auf dem Platz steht, hat der Kommerz für einen Moment Pause. Er ist dann einer von den Spielern, die etwas erreichen wollen - das ist die sportliche Seite des Abenteuers Beckham.

          Welche Eigenschaften und Fähigkeiten braucht eine globale Ikone?

          Als Sportler sollte er zuerst einmal einer der Besten sein. Das ist die Grundlage des Geschäfts, aber es macht aus ihm noch lange keine Ikone. Dieser Mensch braucht vor allem Charisma, ein magisches Auftreten, Sexappeal und muß den Frauen gleich ins Auge stechen. Eine globale Marke muß das Publikum rund um den Erdball erreichen, was Sportarten wie Rugby, Cricket oder American Football ausschließt. Der Sportler braucht eine globale Kraft wie David Beckham. Er ist überall bekannt und erfüllt alle Punkte.

          Wie viele Sport-Ikonen dieser Art gibt es auf der Welt?

          Sehr wenige. Aus dem Kopf heraus könnte ich nur zwei nennen: Tiger Woods und vielleicht Michael Schumacher. Die beste Zeit von Schumacher ist allerdings schon vorbei. Bei ihm überwiegt der Respekt und nicht das Charisma.

          Wie gehen Sie an die Kreation eines solchen Sportstars heran?

          Zuerst einmal muß ich das Talent in jungen Jahren entdecken. Als Athlet muß er herausragende Leistungen bringen oder zu einem Siegerteam gehören. Und dann muß ich an dieses Juwel herankommen. Das ist schwer genug im Sport, weil diese Talente schon sehr früh umgeben sind von Beratern, Trainern, Funktionären und Rechtsanwälten. Fürchterlich. Eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung einer Marke ist, daß der Sportler sich den Medien gegenüber aufgeschlossen zeigt. Er muß es mögen, mit ihnen zu flirten. Sie transportieren seine Botschaft in die Welt der Konsumenten. Nur dann ist es möglich, aus einem Genie eine echte globale Marke zu schaffen. Das ist die Basis. Viele Berater, Trainer oder Funktionäre verstehen das nicht und bauen eine Mauer um ihren Schützling. Das endet meistens im Desaster.

          Ist es leichter, in der Musik oder im Sport einen Star aufzubauen?

          In der Musik, weil sich dort das Image einer Person viel leichter steuern läßt. Ich kann die Interpreten nach ihrem Aussehen aussuchen, ich kann schöne Videos drehen, perfektes Make-up auftragen oder große Werbekampagnen fahren. Bei Sportlern ist das anders - sie können nicht fliehen in diese Scheinwelten. Sie stehen ganz pur auf dem Platz oder auf der Bahn, jeder kann sehen, ob sie Verlierer oder Gewinner sind. Den großen Ikonen in der Musik fehlt dagegen oftmals etwas Fundamentales, was vor der Öffentlichkeit vertuscht werden kann. Zum Beispiel Madonna: Sie ist unbestritten ein Superstar. Aber niemand dürfte behaupten, Madonna sei eine tolle Sängerin. Uns als Hörern fällt das nicht auf, weil ihre CDs gut ausgesteuert sind, sie sexy aussieht und auf den Konzerten passabel singt.

          Mit der Hochzeit von David und Victoria Beckham haben Sie das Musik- und Sportgeschäft verbunden...

          Ich erzähle Ihnen etwas: Als Victoria damals mit den „Spice Girls“ zum Star wurde, wollte sie ausgehen, das Leben genießen und einen tollen Freund haben. Im Spaß fragte sie mich: „Simon, du liebst Fußball, kannst du nicht einen Fußballer für mich finden?“ Ich dachte, es wäre wirklich eine phantastische Idee, und nahm sie mit zu meinem Lieblingsklub Manchester United. Erst warf sie ein Auge auf Ryan Giggs. Aber da war auch dieser David Beckham, er sah perfekt aus. Ich entdeckte sein Charisma und stellte ihn Victoria vor. Alles andere kennen wir.

          Sehen Sie irgendwo einen jungen David Beckham im Fußball?

          Es gibt einige gutaussehende Fußballstars mit viel Potential. Aber irgendwann kommt der Punkt, daß diese Talente Interesse haben müssen, mehr zu werden als ein großer Fußballer. Sie müssen aus der Umkleidekabine kommen, glänzen, perfekt angezogen sein, eine Aura verbreiten und die Frauenwelt elektrisieren. So wie David. Ich kenne vielleicht ein halbes Dutzend Spieler, die in Frage kämen - aber sie müssen auch wollen.

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