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Oliver Kahn : Stiller Genießer in schweren Zeiten

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Entspannter Titan: Nicht mehr auf Nummer 1 fixiert Bild: AP

„Absolut tadellos“, lobt Oliver Kahn die Leistung von Jens Lehmann: „Drei Mal zu null - das spricht für sich.“ Er selbst sei immer fixiert gewesen auf Erfolge, Titel und die Nummer 1: „Nun habe ich festgestellt, daß man auch ganz anders mit dem Team arbeiten kann.“

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          Nur einmal war der gestürzte Oliver Kahn sprachlos, aber sein Lächeln sagte mehr als tausend Worte. Ob Jürgen Klinsmann bei der WM dem Publikum den besten Keeper vorenthalte, wollte ein argentinischer Journalist von ihm wissen - und machte damit aus Kahn einen stillen Genießer.

          Erst nach langem Zögern, als er die Frage längst nonverbal beantwortet hatte, entgegnete der 37jährige dem Fragesteller auch mit Worten: „Bei dieser Frage kann man nur auf die Schnauze fallen.“

          Lob für Lehmanns „tadellose Leistung“

          Bei seiner ersten offiziellen DFB-Pressekonferenz nach der Degradierung von Bundestrainer Jürgen Klinsmann zur Nummer 2 gab Kahn einen Einblick in sein Leben während der harten Tage auf der WM-Ersatzbank. „Es ist für mich nicht einfach, weil ich Sportler bin und spielen möchte. Ich bin auch nur ein Mensch“, warb der bei der WM in Asien gefeierte „Titan“ um Verständnis und fand doch viel Lob für die Darbietungen des Rivalen Jens Lehmann als Nachfolger im deutschen WM-Tor. „Die Leistung ist absolut tadellos. Drei Mal zu null - das spricht für sich“, sagte der Ehrgeizling, für den die WM-Tage mit zunehmender Dauer des Turniers immer schwieriger werden.

          Arbeit im Hintergrund: positive Ansprache oder Tritt in den Hintern

          Vor allem in den von großer Euphorie umgebenen K.o.-Duellen, die für den Adrenalin-Genußmenschen Kahn das Salz in der Suppe sind, wird ihm jedes Mal schmerzhaft vorgeführt, was er nur aus zweiter Reihe miterleben darf. „Ich leide mit ihm und wundere mich, wie gut er alles wegsteckt“, äußerte sich sein ehemaliger Trainer Ottmar Hitzfeld.

          Wehmütiger Blick in die Reporter-Runde

          Aber auch Kahn wundert sich in den Tagen von Berlin, in denen der einst über die Maße verbissene Torwart viel Anerkennung erfährt. „Diesen Respekt habe ich in dieser Art und Weise in meiner Karriere, in der ich viele Titel gewonnen haben, noch nicht gespürt“, schilderte er mit sanfter Stimme, die vielleicht nicht nur auf eine abklingende Magenverstimmung zurückzuführen war.

          Zwei Tage hatte die langjährigen Stammkraft im deutschen Tor wegen seiner Übelkeit die Journalisten warten lassen, gegen 13 Uhr am Mittwoch war es dann so weit: Nach den Vorrednern Joachim Löw und Miroslav Klose betrat Kahn im schwarzen Sportdress das Presse-Podium, schaute fast ein wenig wehmütig in die Reporter-Runde und ließ seinen Blick lange durch den Raum schweifen.

          Die Kraft des positiven Denkens

          Er sei immer wahnsinnig fixiert gewesen auf Erfolge, Titel und die Nummer 1. „Nun habe ich festgestellt, daß man auf eine ganz andere Art und Weise mit dem Team arbeiten kann“, berichtete Kahn und beichtete, daß er dabei sogar noch Spaß habe. Mit der Reservisten-Rolle hat er sich mittlerweile fast klaglos abgefunden und versucht sich nun als erfahrene Persönlichkeit einzubringen.

          „Ich habe ein gutes Gefühl, ob ein junger Spieler mal eine positive Ansprache braucht oder man einem mal in den Hintern treten muß“, sagte Kahn und beschrieb sein Aufgabenfeld quasi als eine Art Herbergsvater im Schloßhotel. „Natürlich ist man auch mal frustriert. Aber ich bin nicht jemand, der das an anderen ausläßt. Ich bringe so viel Kraft auf, daß ich das Ganze positiv bewältigen kann.“

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