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Materazzi gegen Zidane : „Er war unverschämt, da habe ich ihn beleidigt“

  • Aktualisiert am

Marco Materazzi, der entscheidende Mann des Spiels, feiert Italiens WM-Sieg Bild: REUTERS

Bevor er von Zidane im WM-Finale mit einem Kopfstoß niedergestreckt wurde, hat Materazzi ihn mit Worten beleidigt, „die auf einem Fußballplatz ständig zu hören sind.“ Materazzi habe Zidane weder „Terrorist“ genannt noch dessen Mutter beleidigt. Die Fifa will den Vorfall untersuchen.

          Italiens Fußball-Profi Marco Materazzi hat zugegeben, Frankreichs Kapitän Zinedine Zidane provoziert zu haben. „Er war unverschämt, da habe ich ihn beleidigt“, sagte der 32jährige Verteidiger der Gazzetta dello Sport. Nachdem er Zidane für wenige Sekunden am Trikot gehalten habe, habe der ihm von oben herab in unverschämter Art und Weise gesagt, „wenn du mein Trikot wirklich willst, bekommst du es nachher“, berichtete Materazzi. Daraufhin habe er ihn beleidigt. „Ich habe Worte benutzt, die auf einem Fußballplatz ständig zu hören sind“, sagte der Italiener.

          Zidane war nach seinem anschließenden Kopfstoß gegen Materazzi im Finale der Fußball-WM mit der Roten Karte bestraft worden. Gegen ihn eröffnete der Fußball-Weltverband Fifa am Dienstag eine „Disziplinaruntersuchung“. Dabei könnte auch Materazzi als Sünder überführt werden. „Die FIFA wird die Umstände des Vorfalls genauestens klären“, hieß es in einer Pressemitteilung.

          „Für mich ist die Mutter heilig“

          Materazzi bestritt vehement, Zidane „Terrorist“ genannt zu haben. „Ich bin ein Ignorant, ich weiß nicht Mal, was ein islamischer Terrorist ist“, sagte Materazzi. Auch habe er nicht Zidanes Mutter beleidigt, wie es die französische Zeitung L'Equipe berichtete hatte. „Für mich ist die Mutter heilig“, sagte Materazzi. Der Spieler von Inter Mailand hat seine eigene Mutter im Alter von 14 Jahren verloren.

          Der spielentscheidende Moment: Materazzi von Zidane niedergestreckt

          Die Londoner Tageszeitung The Times hatte berichtet, Marco Materazzi habe Zidane, Sproß algerischer Eltern, einer Lippenleserin zufolge als „Sohn einer Terroristen-Hure“ beschimpft. Andere Lippenleser kamen nach Angaben des brasilianischen TV-Senders Globo zum Ergebnis, Materazzi habe Zidanes Schwester als „Hure“ beschimpft. Zidanes Manager Alain Migliaccio sagte, Materazzi habe Zidane nach dessen Worten etwas „sehr Ernstes“ gesagt. „Er wollte mir aber nicht sagen, was“, so Migliaccio gegenüber der BBC.

          „Zidane war immer höflich“

          Bereits ehe er Opfer von Zidanes Attacke wurde, war Materazzi einer der Hauptdarsteller des Finales von Berlin. Erst verursachte er den von Zidane in der siebte Spielminute verwandelten Elfmeter, dann glich er in der 19. Spielminute per Kopf mit seinem zweiten WM-Tor für Italien zum 1:1 aus. Später traf er noch im Elfmeterschießen.

          Unterdessen erklärte der vierte Unparteiische, Luis Medina Cantalejo, er habe Zidanes Tätlichkeit mit eigenen Augen gesehen und Schiedsrichter Horacio Elizondo gemeldet. „Ich habe es live gesehen“, sagte er dem spanischen Radiosender Cadena Ser. Elizondo hatte den Spieler erst zwei Minuten nach dem eigentlichen Vorfall vom Platz gestellt, was den französischen Trainer Raymond Domenech zu der Mutmaßung veranlaßt hatte, daß vor der Entscheidung Fernsehbilder konsultiert worden seien. „Es ist traurig zu sehen, daß ein Spieler eines solchen Kalibers sich auf so eine Weise verabschiedet“, bedauerte Cantalejo: Zidane sei zu Schiedsrichtern auf dem Platz immer höflich gewesen

          Jetzt wir erwartet, daß Zidane sich äußert

          Die Mehrheit der Franzosen hat Zidane nach einer Umfrage der Zeitung „Le Parisien“ den Blackout schon verziehen. 61 Prozent der Befragten tragen Zidane seinen Kopfstoß nicht nach. Riesige Zustimmung erfährt auch die Wahl Zidanes zum besten Spieler des Turniers. Dieser Entscheidung stimmten 78 Prozent zu.

          Selbst ohne die genauen Hintergründe des Angriffs auf Materazzi zu kennen, glauben nach der Umfrage 52 Prozent der Befragten, die Tat zu verstehen. Es wird allerdings erwartet, daß Zidane sich zu dem Vorfall in den nächsten Tagen äußern wird. Nach Angaben seines Managers sei am Sonntag „etwas in ihm explodiert“. Der Spieler sei über den mit einer Roten Karte bestraften Ausraster in seinem letzten Spiel „sehr enttäuscht und traurig; er wollte nicht, daß es so zu Ende geht.“

          Es sei „etwas in ihm explodiert“

          Staatspräsident Jacques Chirac drückte dem Vize-Weltmeister in Paris seine Bewunderung aus. Die ganze Nation zolle der Mannschaft Respekt, sagte das Staatsoberhaupt. Chirac tröstete Zidane mit den Worten, daß er ein „Genie des Weltfußballs“, aber zugleich auch ein Mensch mit einem großen Herzen sei. Wegen seines Engagements und seiner Überzeugung bewundere und liebe ihn Frankreich.

          Zidane war dann auch der Spieler, dem die Fans beim Empfang des Staatspräsidenten am stärksten mit Rufen wie „Zizou à l'Euro“ („Zizou zur Euro“) zujubelte und den Kapitän der „Blauen“ somit aufforderte, auch an den Qualifikationsspielen für die EM 2008 teilzunehmen. In der Qualifikation trifft Frankreich unter anderem auf Italien.

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