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La Boca und die Juniors : Die Ballkünstler vom alten Hafen

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La Boca und der Fußball: Reine Raserei Bild: AFP

La Boca, das heruntergekommene Hafenviertel von Buenos Aires, ist die Heimat des wohl besten argentinischen Fußballs. Es ist das Revier der Boca Juniors, dem Heimatklub der lebenden Fußball-Legende Diego Armando Maradona.

          5 Min.

          Wo liegt die Republik Xeneize? Wer die argentinische Hauptstadt in südlicher Richtung über den Paseo Colon verläßt, findet sich unversehens in dem Wunderland mit dem seltsamen Namen wieder. Das alte Hafenquartier von Buenos Aires liebt das Exzentrische und das Extreme, das Provozierende und Gleichgültige. Es verkleidet sich gern in schrillen Kostümen und zeigt an vielen Stellen nacktes Elend. Selbst für viele Einheimische ist es eine fremde Welt. Meist kennen sie das Viertel nur unter der korrekten Bezeichnung: La Boca. Für die einen ist es ein fremdes, gefährliches Terrain, für die anderen das Paradies.

          In der Boca leben Verfall und Prosperität in Symbiose. Das Viertel ist heruntergekommen und gleicht an manchen Stellen nur noch einem Schutthaufen. Das liegt am Riachuelo, dem „Flüßlein“, das in das alte Hafenbecken mündet. Die Flüssigkeit im Flüßlein und Hafen ist eine metallisch schillernde Giftbrühe. Weil bisher alle Versuche gescheitert sind, das Gewässer zu säubern, sind an dem Quartier die Luxussanierungs- und Bauspekulationswellen vorübergegangen, die große Teile des übrigen Stadtgebiets zu einer Hochhauswüste gemacht haben.

          Fußball, Tango und Caminito

          Die Boca („der Mund“) ist trotz des bestialischen Geruchs von Riachuelo und Hafen populär geblieben und sogar ein beliebtes Touristenziel. Das verdankt das Viertel dem Fußball, dem Tango und einem kleinen Sträßchen. Nicht weit vom „Caminito“ (Weglein), dem Ort mit der höchsten Touristendichte pro Quadratmeter in Buenos Aires, erhebt sich die „Bombonera“ („Pralinenschachtel“), das Stadion des Fußballclubs Boca Juniors. Bei wichtigen Spielen wird die ganze Boca von fahnenschwenkenden Fans in blau-gelber Kostümierung überflutet. Die Geschichte des 1905 gegründeten Fußballvereins ist so eng mit der Historie des Quartiers verwoben, daß die Boca ohne Boca Juniors ebensowenig vorstellbar ist wie eine Boca ohne den Tango, der in den Kaschemmen des alten Hafens entstanden ist.

          La Boca und der Fußball: Reine Raserei Bilderstrecke

          Der Caminito war einmal ein Trampelpfad in der Kurve einer Eisenbahnlinie. Der Weg wurde angeblich endgültig festgetrampelt, als auf der Straße ein Lastwagen mit übelriechendem Käse umgekippt war und die Bewohner einen Umweg durchs Gelände nahmen. Als Fußgängerzone 1959 eröffnet, ist der Caminito heute ein Rummelplatz, auf dem sich Tango, Fußball, Kunst und Kitsch mischen. Das Sträßlein, das man in wenigen Minuten durchquert hat, könnte ein beliebiger Touristenflohmarkt sein, wenn da nicht die bunten Wellblechhäuser wären. Übereinandergeschichtet und verschachtelt wie Spielzeughäuschen, verziert mit Fassadenmalereien, Blumenschmuck, Vogelkäfigen und Wäscheleinen, bilden sie eine ungewöhnlich heitere Kulisse. Die Häuser sind herausgeputzte Zeugen der Boca-Frühgeschichte. Ihre in grellen Farbtönen angestrichenen Fassaden verdanken sie der Sparsamkeit der einstigen Bewohner. Sie benutzten die Farbreste, die von der Bemalung der Schiffe übrigblieben.

          Wenig pittoreske Massenquartiere für Hafenarbeiter

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