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Interview mit Platini : „Wer am Anfang alles gibt, wird am Ende selten belohnt“

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Platini: „Fußball ist ein wunderbares Spiel” Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Zu seiner Zeit war er einer der torgefährlichsten Mittelfeldspieler, heute gilt er als Vordenker in der Fußballwelt: Die französische Fußball-Legende Michel Platini im F.A.Z.-Gespräch über den deutschen Überschwang und die Tücken einer WM.

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          Zu seiner Zeit war er einer der torgefährlichsten offensiven Mittelfeldspieler, heute arbeitet er als angehender Nachfolger des schwedischen UEFA-Präsidenten Lennart Johansson zielstrebig an seiner zweiten Karriere als Fußballfunktionär: Die französische Fußball-Legende Michel Platini im F.A.Z.-Gespräch über den deutschen Überschwang und die Tücken einer WM und seine Vordenkerrolle in der Fußballwelt.

          Haben Sie bei dieser Weltmeisterschaft schon den Beckenbauer gemacht?

          Wenn Sie damit meinen, daß ich mich an der Kunst der Allgegenwart versucht hätte, kann ich nur sagen: nein. Doch was Franz im Augenblick erlebt, kenne ich aus meiner Zeit als OK-Chef der WM 1998 in Frankreich. Da war ich mit dem Helikopter auch manchmal bei drei Spielen am Tag.

          Der französische Beckenbauer: Michel Platini bei der Fußball-WM 2006

          Glauben Sie, daß diese Wochen für Ihren alten Wegbegleiter Beckenbauer besonders anstrengend sind?

          Ganz und gar nicht. Du hast neun Jahre auf dieses Ereignis hingearbeitet mit allem Stress, der dazugehört. Wenn aber die Maschine angesprungen ist, die Spiele laufen und am Ende auch die Rahmenbedingungen passen, kannst du dich an dem Turnier erfreuen. Die einzige Frage, die dich stets begleitet, ist die latente Sorge um die Sicherheit. Aber auch damit hatten wir bei dieser wunderbaren Weltmeisterschaft Gott sei Dank noch kein Problem. Als OK-Präsident hast du im übrigen auch noch die Pflicht, die Spiele zu genießen. Das gehört mit zum positiven Bild, das ein WM-Ausrichterland für die Welt abgibt.

          Hat Beckenbauer Sie gelegentlich nach Ihren Erfahrungen als Präsident des französischen WM-Organisationskomitees 1998 gefragt und um Ratschläge gebeten?

          Ich saß ja mit im Kuratorium des OK und habe Franz dort und natürlich auch bei anderen Gelegenheiten getroffen. Im Grunde genommen muß jedoch jeder WM-Gastgeber die Fragen, die sich ihm stellen, selbst lösen. Jede Weltmeisterschaft ist anders.

          Diese Weltmeisterschaft wird vom Gastgeberland als willkommene Gelegenheit genutzt, sich entgegen manchem Vorurteil über die sturen, humorlosen, unfreundlichen Deutschen als offene, fröhliche Nation zu präsentieren. Haben Sie, der schon oft hier war, Deutschland ebenfalls als Land des Lächelns erlebt?

          Mein Leben hier besteht darin, in ein Auto zu steigen, von Stadion zu Stadion gefahren zu werden, Spiele zu sehen, eine Kleinigkeit zu essen, ehe es dann wieder zurück ins Hotel geht. Da bleibt nicht viel Zeit, Neues über Land und Leute zu entdecken. Was ich aber in den Stadien mit dieser wunderbaren Fußball-Atmosphäre entdecke, ist überaus sympathisch. Die Menschen sind darauf eingestellt, die Welt bei sich zu begrüßen. Man spürt, daß Deutschland ein Fußball-Land ist. Das war Frankreich bis zur WM 1998 nicht in diesem selbstverständlichen Maße.

          Warum nicht?

          Wir waren zwar irgendwo auch ein Fußball-Land, aber es lag bis vor acht Jahren nicht im Trend, leidenschaftlich über den Fußball zu sprechen. Der Sport in Frankreich war zwar immer bedeutend, aber kein großes Thema für die Salons. 1998 wurden unsere besten Spieler plötzlich zu so etwas wie Rockstars. Über sie wurde in Gesellschaftsmagazinen in Titelgeschichten berichtet. Die Haltung gegenüber dem Fußball in unserem Land hat sich, auch das ist ein Erbe der WM 1998, seitdem positiv verändert, auch wenn ich nicht mit allem einverstanden bin, was mit dem Fußball als Modeartikel und Gegenstand kommerzieller Ausnutzung in Verbindung gebracht wird.

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